Loss and Degradation of Natural Habitats Threaten Migratory Birds, Pushing Species towards Extinction

Der Weltzugvogeltag 2013 unterstreicht die Bedeutung von ökologischen Netzwerken für Zugvögel – Eine kraftvollere internationale Antwort ist nötig

Die jährliche Wanderung von geschätzten 50 Milliarden Vögeln — ca. 19 Prozent der 10.000 Vogelarten der Welt — ist eines der großen Naturwunder der Welt, und doch werden die wichtigen Rastplätze der Zugvögel, die sie für ihre Reise benötigen, immer weiter zerstört oder verschwinden sogar ganz. Diese zunehmend gefährdeten Lebensräume, die auf Zugwegen als Stationen genutzt werden, dienen den Vögeln während ihres jährlichen Wanderzyklus als Rast- und Brutplätze sowie zur Nahrungsaufnahme. Infolge der Zerstörung könnten einige Vogelarten innerhalb eines Jahrzehnts aussterben, während andere Arten Populationsverluste von bis zu neun Prozent pro Jahr erleiden.

Der Weltzugvogeltag wird vom 11. bis 12. Mai in mehr als 65 Ländern gefeiert. Er unterstreicht die große Bedeutung der ökologischen Netzwerke für das Überleben der Zugvögel, die wichtigen menschlichen Netzwerke zu ihrem Schutz, die Gefahren, denen die Zugvögel ausgesetzt sind, sowie die Notwendigkeit einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit  zu ihrer Erhaltung. Anläßlich des Weltzugvogeltages wird es Veranstaltungen wie Vogel-Festivals, Bildungsprogramme, Präsentationen, Filmvorführungen und Ausflüge zur Vogelbeobachtung geben.

„Ich unterstütze die weltweite Kampagne zur Aufklärung über die Gefahren für Zugvögel durch die Zerstörung ihrer Lebensräume, Raubbau, Umweltverschmutzung und Klimawandel voll und ganz“, erklärte der Generalsekretär der Vereinten Nationen

Ban Ki-moon. „Ich rufe zu stärkeren internationalen Anstrengungen zum Schutz der Zugvögel sowie zur Wiederherstellung und Erhaltung des Netzwerks ihrer lebenswichtigen Gebiete auf. Dies brauchen die Zugvögel, um als ein wichtiger Teil der Umwelt, von der wir alle abhängen, zu überleben.“

2006 wurde der Weltzugvogeltag in Kenia ins Leben gerufen und wird vom Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (Convention on Migratory Species, CMS) und dem Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (African-Eurasian Migratory Waterbird Agreement, AEWA) organisiert. Beide sind zwischenstaatliche Übereinkommen, die vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) verwaltet werden.

Viele Zugvögel wie Kraniche, Storche, Küstenvögel und Adler fliegen Tausende von Kilometern entlang ihrer Zugrouten, die Länder, Kontinente und sogar die ganze Welt umspannen. Jedoch verursacht der Druck, der von Bevölkerungwachstum, rapider Verstädterung, Umweltverschmutzung, Klimawandel und nicht nachhaltiger Nutzung von Naturgebieten ausgeht, die Zerstückelung und Zerstörung natürlicher Lebensräume der Zugvögel entlang ihrer Zugrouten und bedroht ihr Überleben. Ebenso wie Menschen von einem Netzwerk aus Häfen, Flughäfen und Strassen abhängig sind, um sich fortzubewegen, brauchen Zugvögel ein internationales Netzwerk aus natürlichen Gebieten zur Nahrungsaufnahme, Schutz, zum Brüten und zum Mausern – ebenso wie Stationen zum Auftanken zwischen den Brutgebieten und anderen Orten.  Wichtige internationale Zwischenstationen für Zugvögel sind unter anderem das Wattenmeer vor Deutschland, den Niederlanden und Dänemark; Banc d’Arguin an der Westküste von Mauretanien; Bahia de Santa Maria in Mexiko und das Saemangeum Watt im Gelben Meer vor Südkorea. Die Anzahl der wandernden Wasservögel, die entlang der ostasiatischen-australasiatischen Flugroute (East Asian-Australasian Flyway, EAAF) auf ein Netzwerk aus gezeitenabhängigen Lebensräumen angewiesen sind, sinkt rapide. Sie gehören zu den am meisten bedrohten Zugvögeln der Welt. Dieser Rückgang wird hauptsächlich durch die schnelle Landgewinnung im Küstenbereich dieser dicht besiedelten Region verursacht, insbesondere im Umkreis der wichtigsten Stationen  an der Küste des Gelben Meeres.

Laut eines Berichts aus dem Jahr 2011, den die Weltnaturschutzunion (International Union for the Conservation of Nature, IUCN) in Auftrag gegeben hat, ist der Rückgang der Vogelzahlen in dieser Region einer  der höchsten aller Ökosysteme der Welt. Mindestens 24 Wasservogelarten entlang dieser Flugroute sind vom Aussterben bedroht. Viele weitere Arten erleiden jährlich Verluste zwischen fünf und neun Prozent. Laut des IUCN Berichts könnten Arten wie der Löffelstrandläufer innerhalb eines Jahrzehnts ausgestorben sein.

„Zugvögel und die Probleme, mit denen sie konfrontiert werden, unterstreichen in vielfältiger Weise den Ehrgeiz des Multilateralismus in einer globalisierten Welt. Nur wenn Länder enger zusammenarbeiten, kann das Überleben und der Erhalt dieser Arten gesichert werden“, erklärte der Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen und UNEP Exekutivdirektor Achim Steiner. „Es gibt viele Gründe, warum die Zugvögel geschützt werden sollten – ihre Schönheit und ihr Verhalten sind eine Quelle der Freude und Inspiration für Millionen und Abermillionen von Menschen“, fügte er hinzu. „Aber sie sind auch Teil des Netzwerks von Schutzgebieten, das Ökosystemleistungen im Wert von vielen Milliarden Dollar stützen. In einigen Ländern, einschliesslich Kenia, ist dies Teil des naturnahen Tourismus, der 10% des Bruttoinlandsprodukts (GDP) des Landes generiert.“

In diesem Jahr werden die Veranstaltungen zum Weltzugvogeltag in Ländern entlang der afrikanisch-eurasischen Flugroute stattfinden. In Kenia zum Beispiel wird es eine regionale Veranstaltung an den Ufern des Elementaita Sees geben, Teil des kenianischen Seensystems, einem Netzwerk von lebenswichtigen Gebieten für 11 weltweit bedrohte Vogelarten. Der Raum bietet auch zu 75 Prozent Lebensraum für den potenziell gefährdeten Zwergglamingo. Der Elementaita See ist bekannt als eine der weltweit wichtigsten Brutkolonien des Rosapelikans. Die Veranstaltung wird vom Kenianischen Wildlife Service (KWS) in Zusammenarbeit mit den Sekretariaten von UNEP/CMS und UNEP/AEWA ausgerichtet.

„Die Kernbotschaft des Weltzugvogeltages ist, dass Länder, engagierte Organisationen und Menschen rund um die Welt zusammenarbeiten müssen, damit Zugvögel ihre Wanderungen fortsetzen, Energien auftanken und und ihre Ziele erreichen können“, erklärte CMS Exekutivsekretär Bradnee Chambers.

Die weltweite Kampagne zum Weltzugvogeltag wird von einer wachsenden Zahl an internationalen Partnern unterstützt. Dazu gehören: BirdLife International, Wetlands International, das Sekretariat der ostasiatischen-australasiatischen Flugrouten-Partnerschaft (East Asian-Australasian Flyway Partnership, EAAFP), der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (International Council for Game and Wildlife Conservation, CIC) und UNEP.

Um die wichtigen Rastplätze der Zugvögel und damit auch die Vogelarten selbst zu schützen, wird mit Hilfe hoch entwickelter Systeme – wie jenes des AEWA Critical Site Network (CSN) – das aktuelle Wissen über das Netzwerk von lebenswichtigen Gebieten, das die wandernden Wasservögel in der afrikanisch-eurasischen Region benutzen, zusammengetragen.

Der Bericht über das Netzwerk von lebenswichtigen Gebieten für Wasservögel im AEWA Abkommengebiet wurde von Wetlands International und BirdLife International auf der Grundlage der Daten aus dem CSN Instrumentarium erstellt. Er zeigt auf, dass nur weniger als die Hälfte der wichtigen Rastplätze der AEWA Wasservogelpopulationen adäquat geschützt werden.

„Wenn die gesammelten Informationen gepflegt und fortwährend verbessert werden, können sie die Schutzmaßnahmen maßgeblich unterstützen. Sie zeigen aber auch einige beunruhigende Lücken im Naturschutz auf wie der letzte Bericht über das Netzwerk der lebensnotwendigen Gebiete gezeigt hat“, sagte Marco Barbieri, der amtierende AEWA Exekutivsekretär. „Der Bericht hat auch die noch größere Herausforderung offensichtlich gemacht; derzufolge die Länder ihre Anstrengungen verstärken müssen, um die Lücken hinsichtlich eines angemessenen rechtlichen Schutzstatus und Managements dieser Gebiete zu schließen.“

Meher Informationen auf: www.worldmigratorybirdday.org