Deutschlandfunk: Krise in Ostafrika – Menschengemachte Hungersnot

Klimawandel, Bürgerkrieg und Terrormilizen: Die Hungersnot in Ostafrika ist von Menschen verursacht. Betroffen sind vor allem Somalia und seine Nachbarländer. Weil durch die Dürre die Nutztiere sterben, verlieren die Nomadenfamilien ihre Existenzgrundlage. Im Bürgerkriegsland Südsudan sind 100.000 Menschen akut vom Hungertod bedroht.

Der Wind ist heiß und weht heftig über die karge Ebene im Nordosten Somalias, die vereinzelten, niedrigen Büsche können ihn nicht brechen. Der Boden ist ausgetrocknet und rissig, hier und da liegen die Skelette von Ziegen, auch der aufgedunsene Kadaver eines Kamels. Es hat seit vielen Monaten nicht geregnet, die letzten beiden Regenzeiten blieben aus. “Die traurige Folge dieser Dürre, dieser schweren, lang anhaltenden Trockenheit, ist das massive Sterben der Tiere. Die Verluste in den Herden sind immens.”

Richard Trenchard leitet die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in Somalia, der FAO. Seit Monaten warnt er vor der nächsten schweren Dürre in Ostafrika – nun ist sie da. Betroffen sind vor allem Somalia und seine Nachbarländer. Noch dramatischer ist die Lage im Bürgerkriegsland Südsudan. Dort haben die Vereinten Nationen in einigen Bezirken bereits den Hunger-Notstand ausgerufen, eine Art Alarmstufe Rot. Mindestens 100.000 Menschen sind akut vom Hungertod bedroht, etwa 250.000 Kinder stark unterernährt.

Erst sterben die Tiere, dann die Menschen
In Somalia droht eine vergleichbare Katastrophe. Präsident Mohammed Farmajo hat Ende März den nationalen Notstand ausgerufen. Mehr als sechs Millionen Menschen sind dringend auf Lebensmittelhilfe angewiesen, über die Hälfte der Bevölkerung. “50, 60, 70 Prozent der Herden sterben. Nomadenfamilien können so einen Schlag kaum wegstecken. Mit den Tieren verlieren sie ihre Kapitalreserve, ihre Nahrungsquelle und die Milch, die für ihre Ernährung zentral ist.”

Deshalb sterben nach den Tieren oft die Menschen. In der Siedlung Qardho im Nordosten Somalias haben einige Nomaden Zuflucht gesucht – ehemalige Nomaden, muss man richtigerweise sagen. Dahiya Ahmed ist vor der Trockenheit und dem Hunger mit ihren acht Kindern und ihrem Ehemann hierher geflohen.

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Source: Deutschlandfunk, 07.04.2017