Bonner Umwelt Zeitung: Blauer Kompass für Bonn und Umland?

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Erst vor nicht allzulanger Zeit 2008 wurde die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. Die Anstrengungen zur Minimierung des CO2 -Verbrauchs sind richtig und wichtig. Jedoch hat man zuweilen den Eindruck, dass unsere Breiten längst nicht mehr gemäßigt genannt werden können. Denn die Extrem-Wetterereignisse nehmen von Jahr zu Jahr zu. Die Infrastruktur und die Flächennutzung müssen so angepasst werden, dass durch die Extreme keine Schäden folgen können.

Die Klimainformationen der Klima- und Umweltberatung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fließen in die Datenbanken des Deutschen Klimadienstes, welcher damit die Umsetzung der im Jahre 2008 beschlossenen Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) unterstützt. Diese Strategie soll helfen, Deutschland anpassungsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen. Der DWD stellt der Politik und Verwaltung für die Stadtplanung mit dem Deutschen Klimaatlas und insbesondere mit dem Informationsportal Klimaanpassung in Städten eine Entscheidungshilfe bereit (s. S. 2). Gute Praxisbeispiele aus dem Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass) im Umweltbundesamt (UBA) zeigen, wie die Umsetzung der DAS voran kommt. Diese richten sich nicht nur an die Experten der öffentlichen Verwaltung, sondern auch an die lokale Privatwirtschaft oder Vereine.

Eine Klimafolgenanpassung steht aus

Die Anstrengungen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises zeichnen sich bisher durch eine umfassende Planung und Beratung hinsichtlich der Einhaltung der vereinbarten Klimaschutzziele durch CO2 -Einsparung aus. Zum Beispiel leistet die Bonner Energieagentur hierzu einen beeindruckenden Beitrag. Das ist sehr erfreulich. Allerdings sind die Klimafolgen schon da und werden wahrscheinlich noch dramatischer als bisher ausfallen (s. S. 3 und S. 12).

Einen Eindruck dieser Dramatik, wie sie dieses Jahr den Wachtbergern und den Bad Godesbergern widerfuhr, vermittelt die Fotomontage hier. Die biologisch verarmte Landschaft mit Ackerbau unter Plastik leitete die extremen Starkregenfälle in den eingeengten Godesberger Bach mit derartiger Wucht zum Rhein hinab, dass veraltete Brücken weggerissen wurden. In Bad Godesberg fasste der kanalisierte Bach die Wassermassen nicht mehr und überflutete die Keller und Garagen. Schade, da musste vieles in Containern davongeschafft werden. Die Vorwarnzeit des Katastrophenschutzes im Rhein-Sieg-Kreis war einfach für die meisten zu kurz, als dass die Betroffenen ihre Sachen in Sicherheit hätten bringen können.

Was ist zu tun?

Die Landschaft im Umland von Bonn muss grünstreifiger und biologischer werden. Bonn und die Umlandgemeinden sollten eine Anpassungsstrategie absprechen. Und dies nicht nur hinsichtlich der technischen Beherrschbarkeit, sondern gerade die Entsiegelungsberatung vor Ort hilft, die Wassermassen zu minimieren.

Das Ökozentrum Bonn packt es an

Nach dem Vorbild des von KomPass mit dem blauen Kompass prämierten Projekts Natur in Grauen Zonen vom Wissenschaftsladen Bonn möchte das Ökozentrum Bonn möglichst auch in Zusammenarbeit mit seinen arabischsprachigen Nachbarn (s. auch Seite 8) die versiegelte Fläche vor dem Ökozentrum hier in der Fußgängerzone Bad Godesberg entsiegeln. Erste Gespräche mit der Stadt Bonn haben schon stattgefunden. Dan­ke. Das Projekt wartet nun auf seine Umsetzung.

Autor: Ralf Wolff

Quelle: Bonner Umwelt Zeitung November/Dezember 2016