Stadt Bonn: Erste Ergebnisse der Bonner Klima-Messungen

Wie begegnet man zunehmend steigenden Temperaturen und Hitzewellen mit Mitteln der Stadtplanung? Ein gemeinsames Projekt zwischen dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV), Deutschem Wetterdienst (DWD) und der Stadt Bonn geht dieser Frage derzeit auf den Grund. Eine Klima-Mess-Station an der Wilhelmstraße 34 nahe des Bonner Stadthauses sammelt dafür seit kurzem Daten, die notwendig sind, um die Ergebnisse von Simulationen des Stadtklimas zu überprüfen. Denn die Ergebnisse aus Stadtklimamessung und Stadtklima-Modellierung bilden die Basis für die Entwicklung eines Internet-Tools, mit dessen Hilfe die Stadt Bonn und andere Städte in NRW bestmögliche städtebauliche Anpassungsmaßnahmen ermitteln können. Am Freitag, 28. Oktober, stellten die Projektpartner an der Mess-Station erste Ergebnisse der Bonner Klimamessungen vor.

Dr. Thomas Delschen, Präsident des LANUV:” Wie groß muss der Grünflächenanteil im Stadtquartier sein, um bei den zu erwartenden Hitzebelastungen an heißen Sommertagen eine Kühlwirkung zu zeigen? Wo müssen in der Stadt Gebäudeoberflächen so gearbeitet sein, dass sie sich nur minimal aufheizen? Zu diesen und vielen weiteren Fragen wird das Internet-Tool den Kommunen NRWs eine Entscheidungsgrundlage zur Auswahl der optimalen städtebaulichen Anpassungsmaßnahme in ihrem Untersuchungsgebiet liefern.”

Helmut Wiesner, Dezernent für Planung, Umwelt und Verkehr der Stadt Bonn: “Unsere Stadt liegt in einer der wärmsten Regionen Nordrhein-Westfalens. Hier am südlichen Ende der Köln-Bonner Bucht haben wir zwar ein wunderschönes mildes Klima im Mai, aber im Hochsommer kann es insbesondere in der Bonner Innenstadt zu extremen Hitzesituationen kommen. Deswegen passt es auch sehr gut, für dieses Kooperationsprojekt mit dem LANUV und dem Deutschen Wetterdienst Modellstadt zu sein.”

Guido Halbig, Leiter der Niederlassung Essen des Deutschen Wetterdienstes: “Die Stadtklimamessungen in vier unterschiedlich bebauten Stadtquartieren in Bonn belegen, dass die Quartiere während Hitzewellen unterschiedlich stark wärmebelastet sind. Damit ist klar: Der Bedarf zur Anpassung an extreme Hitze ist bereits heute gegeben, aber nicht überall gleich. Dort wo ein hoher Anpassungsdruck besteht, sollten Maßnahmen zur Klima-Anpassung in der Bauleitplanung berücksichtigt werden. Welche der Maßnahmen den größten Erfolg bei der Reduktion der Hitzebelastung verspricht, wird mit Hilfe des DWD-Stadtklima-Modells untersucht.”

Die globale Erwärmung als Folge des durch Menschen ausgelösten bzw. beeinflussten Klimawandels dürfte sich auch auf städtische Ballungsgebiete in NRW negativ auswirken. Daher müssen sich insbesondere Städte an die künftig zu erwartenden klimatischen Bedingungen anpassen. Eine besonders große Gefahr für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sehr junge und sehr alte Menschen geht von den voraussichtlich häufiger auftretenden und intensiveren Hitzesituationen (Hitzewellen) aus. Darauf müssen sich Städte frühzeitig vorbereiten!

Da städtebauliche Veränderungen oft einen langen Planungszeitraum beanspruchen, ist es wichtig, die notwendigen Anpassungsmaßnahmen möglichst frühzeitig in die Planung der künftigen Stadtentwicklung einfließen zu lassen. Für die Ermittlung der städtebaulichen Veränderungen sind qualifizierte Stadtklima-Untersuchungen erforderlich. Aufgrund des hohen finanziellen und personellen Aufwands haben bislang nur wenige deutsche Städte solche Stadtklimauntersuchungen mit dem Fokus auf die Klima-Anpassung durchgeführt.

Das soll sich durch dieses gemeinsame Vorhaben für Kommunen in NRW ändern: Am Beispiel der Stadt Bonn wird die Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen zur Reduktion der Hitzebelastung in verschiedenen Stadtquartieren untersucht. Die Projektergebnisse werden mit Hilfe einer Klassifizierung typischer Bebauungsstrukturen auf Quartiersebene auf andere Kommunen in NRW übertragen. Mit Hilfe einer “interaktiven Webanwendung” kann der Nutzer über eine Adress- oder Kartensuchfunktion die Bebauungsstruktur sowie die umgebende Bebauung eines beliebigen Untersuchungsgebietes ermitteln und sich für dieses Gebiet interaktiv die Wirksamkeit verschiedener Anpassungsmaßnahmen anzeigen lassen.

Durch die Vorgabe der Bebauungsstruktur-Klassifizierung über die Auswahlfunktion wird es den Kommunen – ohne hohen Kosten- und Personaleinsatz – ermöglicht, für Stadtquartiere verschiedene Anpassungsmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirkung zu untersuchen.

Weitere Informationen unter: http://www.stadtklima.nrw.de

Quelle: Pressemitteilung Stadt Bonn, 28.10.2016