General-Anzeiger Bonn: Die Welt sucht den Tritt aufs Bremspedal

BONN. Nach dem umjubelten Pariser Klima-Abkommen beginnt jetzt in Bonn die Kärrnerarbeit. Im internationalen Einigungsprozess drohen jedoch Rückschläge: So könnte der Republikaner Donald Trump, würde er zum Präsidenten des zweitstärksten Treibhausgas-Verursachers gewählt, gleich wieder den Stecker ziehen und die USA von allen Sparzwängen befreien.

Donald Trump sagt viel, hat aber noch nichts zu sagen. Sollte es nach den US-Präsidentschaftswahlen am 8. November anders sein und der Kandidat der Republikaner ins Weiße Haus einziehen, würden beim zeitgleich stattfindenden 22. UN-Klimagipfel in Marrakesch (Marokko) die Alarmglocken läuten. Denn der nach China zweitgrößte Treibhausgas-Verursacher der Erde ist ein entscheidender Spieler am internationalen Verhandlungstisch. Die Republikaner halten es in dieser Frage wie Mohamad Al-Sabban, Energieminister des großen Ölexporteurs Saudi-Arabien, der gebetsmühlenartig auf jeder Konferenz sagt: „Unser Vertrauen in die Klimaforscher und ihre Erkenntnisse ist zutiefst erschüttert.“

So vornehm formuliert es Trump im Vorwahlkampf nicht. Der populistische Stimmenfänger erklärt den Amerikanern gerade, dass die menschengemachte Erwärmung des Planeten „Bullshit“ sei. Trump: „Ich glaube, es ist nur das Wetter, es ist mal kälter, mal wärmer.“ Hinter der ganzen Klimahysterie stecke vielmehr die größte Treibhausgas-Weltmacht: „Das Konzept der Erderwärmung ist von und für Chinesen gemacht worden, um unsere Industrien weniger konkurrenzfähig zu machen.“ Für Professor Matthew Nisbet, Kommunikationsforscher an der Northeastern University in Boston, ist der Fall klar. Dem ORF sagte er: „Donald Trump als Präsident wäre eine Katastrophe für den Klimaschutz auf der ganzen Welt. Wenn es um komplexe Probleme geht, zeichnen sich die meisten seiner Positionen durch Ahnungslosigkeit aus.“

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Artikel von Wolfgang Wiedlich
Artikel vom 17.05.2016