Bonn-Voices - Celia Schuetz Notizzettel

Sehr geehrte Frau Schütze, bitte beschreiben Sie den Leserinnen und Lesern die Aufgaben und Ziele der Bonner Energie Agentur.

Die Bonner Energie Agentur wurde 2010 durch die Stadt Bonn ins Leben gerufen und gründete sich 2012 als Verein. Die 21 Mitglieder aus den Bereichen Bauen, Wohnen, Energie und Finanzierung verbindet das Ziel, energiebedingte Umweltbelastungen zu senken und den Klimaschutz auf lokaler Ebene zu verbessern.

In unserer Beratungsstelle bieten wir daher eine kostenlose Einstiegsberatung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren und zum Einsatz erneuerbarer Energien an. Ingenieure und Architektinnen beraten fachlich kompetent und unabhängig hierzu sowie zu allen dazugehörigen Themen, wie zum Beispiel zu Fördermitteln, zum Energieausweis oder zur Auswahl von Dämmstoffen. Die Beratungen können auch telefonisch oder per E-Mail erfolgen.

Um ein Gebäude energetisch fit für die Zukunft zu machen, braucht es aber auch gute Handwerker, Planer und Berater, die sich mit Energieeffizienz auskennen. Dieses Know-How ist ein wichtiger Baustein, um Sanierungen mit Qualität umzusetzen und Energiesparziele zu erreichen. Daher haben wir ein qualifiziertes Netzwerk, die „Energieeffizienz-Partnern Bonn / Rhein-Sieg“, aufgebaut und können mit unserer Liste qualifizierte Handwerker, Planer und Berater empfehlen. Die Effizienzpartner wurden kürzlich als Projekt der KlimaExpo NRW ausgezeichnet.

Seit Oktober 2015 bieten wir im Rahmen unseres „Bau- und Sanierungstreffs“ am 2. Dienstag jeden Monats einen Vortrag an. Themen waren bislang zum Beispiel Wärmepumpe, Dachsanierung, Feuchte und Schimmel oder Heizen mit Holz.

Näheres zu unseren Veranstaltungen, die Liste der Energieeffizienz-Partner sowie viele weitere Informationen sind auf unserer Website zu finden unter www.bonner-energie-agentur.de

Ende September 2014 erhielt die Stadt Bonn den Preis beim Bundeswettbewerb „Kommunaler Klimaschutz 2014“ für die Gründung der Bonner Energie Agentur. Welchen Beitrag leistet die BEA im Hinblick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit?

Diese Auszeichnung an die Stadt Bonn hat uns natürlich sehr gefreut! Der Preis wurde vergeben in der Kategorie „Kooperationen“ und somit wurde gemäß des Mottos der Bewerbung “Zusammen stark – Aufbau einer kommunalen Energieagentur” die Vernetzungsarbeit mit den Vereinsmitgliedern sowie mit Handwerk, Planern und Beratern gewürdigt.

Die Verbesserung unserer Gebäude ist ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Klimaschutz. Denn vor allem unsere älteren Gebäude vor dem Baujahr 1978 sind verantwortlich für einen großen Anteil des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes. In Bonn tragen die privaten Haushalte zu einem Drittel des CO2-Ausstoßes bei. Durch Dämmung, Austausch der Fenster und eine effiziente Heizung kann der Heizverbrauch bis zu 80% und somit der CO2 Ausstoß entsprechend verringert werden.

Im nächsten Schritt kann dann der kleine verbleibende Restbedarf durch erneuerbare Energien gedeckt werden, wie zum Beispiel Solarenergie oder Holzpellets.

Dies ist auch die Reihenfolge, die die Energiewende vorgibt: auch wenn viele mit der Energiewende in erster Linie erneuerbare Energien und „Grünen Strom“ verbinden, geht es eigentlich als erstes darum, die Effizienz zu verbessern und unseren Energieverbrauch drastisch zu reduzieren, um dann den kleinen Rest mit erneuerbaren Energien decken zu können.

Neben der Minderung von CO2 und anderen Emissionen geht es aber auch darum, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen wie Öl und Erdgas insgesamt zu verringern und diese zur Neige gehenden wertvollen Ressourcen zu schonen. Daher beraten wir auch über alternative Dämmstoffe, die aus recycelten oder erneuerbaren Baustoffen hergestellt werden.

Letzten Endes gehören auch noch viele andere Aspekte zu einem nachhaltigen Gebäudekonzept, wie zum Beispiel Gedanken zur zukünftigen Nutzung, die Weiterverwendung bestehender Bausubstanz, solide und recycelbare Konstruktionen, wohngesunde Baustoffe sowie die Pflege der Baukultur.

Auch hierzu können wir in unserer Beratung Anregungen geben, zum Beispiel zu der Kombination von energetischer Sanierung und barrierefreiem Umbau.

Welche Fördermittel für eine energetische Sanierung können Eigentümer beantragen?

Gefördert werden Sanierungsmaßnahmen (zum Beispiel die Dämmung des Daches oder der Heizungsaustausch), der Einsatz erneuerbarer Energien (zum Beispiel der Einsatz eines Holzpellet-Heizkessels oder einer Solarthermie-Anlage) sowie Energieberatungen. Die Fördermittel werden in Form von Zuschüssen oder in Form von zinsgünstigen Darlehen gewährt. Fördergeber sind zum Beispiel die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die NRW Bank oder die BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle).

Achtung: vorab sollte man immer genau klären, welche jeweiligen Anforderungen zu erfüllen und welche Spielregeln zu beachten sind.

Wie viele Bürgerinnen und Bürger haben sich in den letzten zwei Jahren für eine nachhaltige Sanierung entschlossen? Können sie einen Trend feststellen? Wo besteht weiterer Handlungsbedarf, um die Ziele des Klimaschutzes auf lokaler Ebene umzusetzen?

Von 2012 bis 2015 haben ca. 3.400 Menschen unsere Beratung genutzt, um sich über eine Sanierung zu informieren. 2015 wurde die Prognos AG damit beauftragt, die Kundenzufriedenheit mit den Beratungsgesprächen selbst sowie die praktischen Ergebnisse dieser Beratungen (Beratungseffekte), die Kosten- und Energieeinsparungen für die Kunden, zu ermitteln. Die Evaluationsergebnisse bestätigten sämtliche ursprünglichen Erwartungen an die BEA: Die Kundenzufriedenheit ist überdurchschnittlich hoch, vor allem auch, weil mit den empfohlenen Maßnahmen konkret Energieverbräuche und -kosten eingespart werden. Jährlich werden 1,4 Millionen Kilowattstunden (kWh) Energie, 310 Tonnen CO2 (Kohlendioxid) bzw. 100.000 Euro Energiekosten eingespart. Dabei handelt es sich um Nettoeffekte, die Prognos allein auf die BEA-Beratungsleistung zurückführt. Insgesamt kommen die Gutachter zu dem Schluss, „dass das Beratungsangebot eine Lücke in der bestehenden Beratungslandschaft füllt, zielgenau energetische Sanierer erreicht und langwirkende klimarelevante Entscheidungen herstellerunabhängig und aus Sicht der Kunden sehr zufriedenstellend beeinflusst.“

Insgesamt herrscht aber bei den Eigentümerinnen und Eigentümern eine gewisse Zurückhaltung, da einerseits die Energiepreise gesunken sind und andererseits über das Thema Dämmung negativ in den Medien berichtet wird. Hier wird der Eindruck erweckt, man handele sich durch eine Dämmung ein Brandrisiko und Schimmelgefahr ein. Wir möchten diesen Vorurteilen mit sachlichen Informationen begegnen. Unserer Meinung nach können diese Einwände alle fachlich entkräftet werden. Eine energetische Sanierung mit solider Planung und fachgerechter Ausführung  ist aus unserer Sicht immer ein Gewinn.

Über die weiteren Handlungsfelder der Stadt Bonn zum Klimaschutz, wie zum Beispiel Mobilität, Stadtwerke, den Klimaschutzbeirat oder das Integrierte Klimaschutzkonzept berichtet die Website www.bonn.de @klimaschutz

Darüber hinaus ist der Klimaschutz natürlich eine Aufgabe, aber auch eine Chance für jede und jeden einzelnen. Die Aufgabe besteht darin, wirklich alle Lebensbereiche zu prüfen. Die Chance liegt darin, Alternativen zu finden. Wann fahre ich mit dem Auto – wann mit dem Fahrrad? Was konsumiere ich – wo kommt das her, brauche ich das? Was kann ich reparieren statt es wegzuschmeißen, was kann ich teilen?

Was motiviert Sie morgens und wie denken Sie abends darüber nach?

In meiner Arbeit motiviert mich, Teil des Klimaschutzprozesses zu sein, Zusammenhänge zu verstehen und für Dritte verständlich zu machen, gemeinsam mit anderen Ideen zu entwickeln und Schritte nach vorne zu machen. Es macht mir Spaß, hierzu Ansätze zu finden, Austausch zu fördern, Dinge anzupacken und vor allem, dabei mit vielen spannenden Menschen in Verbindung zu sein.

Ich bin davon überzeugt, dass wir alle unseren Lebensstil grundsätzlich verändern müssen, uns teilweise auch werden einschränken müssen. Ich denke aber gleichzeitig, dass wir dadurch auch etwas gewinnen können, wenn wir im Gegenzug unsere elementaren menschlichen Wünsche und Bedürfnisse neu entdecken: „Das gute Leben“, das für alle Menschen möglich sein sollte und das sich aus meiner Sicht sehr gut mit Umwelt- und Klimaschutz sowie mit Klimagerechtigkeit verbinden lässt.

Welche Frage würden Sie gerne einmal beantworten, die Ihnen noch nie gestellt wurde?

Wie kann es sein, dass wir unseren wundervollen Planeten und unsere eigene Lebensgrundlage zerstören? Das ist auch eine Frage, vor die mich  meine beiden Söhne stellen.

Die Antwort und einen Weg müssen wir gemeinsam finden.


Weitere Informationen zum Thema Energie und dem Beratungsangebot finden Sie auf den Internetseiten der Bonner Energie Agentur und des Bürgerservice der Stadt Bonn.