Engagement Global: 21 Gringos in Brasilien

21 Gringos in Brasilien: das sind 16 Schüler des Richard-Riemerschmid-Berufskollegs und des Berufskollegs Ulrepforte aus Köln, die mit drei Lehrerinnen, einem Bauingenieur und einem Übersetzer vier Wochen nach Brasilien reisten, um dort an zwei Projektstandorten Baumaßnahmen durchzuführen. Gringo steht für Ausländer. Das Projekt fand im Rahmen der Zusatzqualifizierung „Junges Handwerk in der Entwicklungszusammenarbeit“ statt. Die Initiative ist ein Kooperationsprojekt der Außenstelle NRW der Engagement Global, dem Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) und der Landesgewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH). Zusätzlich wurden speziell die Baumaßnahmen in Brasilien über das NRW-Landesförderprogramm „Auslandsprojekte“ bezuschusst.

Zunächst ging die Reise auf die Halbinsel Itamaracá, im Nordosten Brasiliens, wo die „Grupo Brasil“ zehn Tage im Straßenkinderdorf “O Pequeno Nazareno” verbrachte. Gemeinsam mit den Bewohnern des Zentrums wurden vielfältige Arbeiten realisiert, darunter unter anderem: Terrasse instand setzen und fliesen, Streichen der Innen- und Außenwände, Bau einer Tischtennisplatte, Fußballnetze knüpfen und neue Sprungbretter am See anbringen. Besonders beeindruckt waren die Auszubildenden von Streetworker Severino, den sie in Kleingruppen bei seiner Arbeit in Recife begleiten durften und so hautnah die prekäre Situation vieler Straßenkinder in einer brasilianischen Großstadt erleben konnten.

Übertroffene Erwartungen

Nach anderthalb Wochen im Urwald, ging es für die Gruppe weiter in die Küstenstadt Olinda, wo in einem der nicht so malerischen Vororte das Kulturzentrum „Associaçᾶo de Capoeira Angola Mᾶe“ liegt. Bei der Besichtigung des Vereinsgebäudes wurde klar, wie dringend dort Reparaturmaßnahmen vonnöten waren, denn das Dach stand kurz vorm Zusammenbruch. Kurzerhand wurden die ursprünglichen Pläne geändert und statt eines Teilstückes das gesamte Dach neu gemacht. Nach insgesamt vier Wochen fiel der Abschied allen schwer. Wie nachhaltig sich das Denken und Handeln der Einzelnen durch diese Erfahrung verändert hat, wird sich in der Zukunft herausstellen. Dass die Erwartungen jedoch bei Weitem übertroffen wurden, wurde den Teilnehmenden spätestens bewusst, als sie die Briefe in den Händen halten, die sie auf dem ersten Vorbereitungstreffen an sich selbst geschickt hatten.

Zur Zusatzqualifizierung „Junges Handwerk in der Entwicklungszusammenarbeit“ gehören nicht nur der vier bis zwölfwöchige Auslandsaufenthalt in einem entwicklungspolitischen Projekt im Globalen Süden, sondern auch die Seminare, die Engagement Global zur Vor- und Nachbereitung organisiert. Neben landeskundlichen und projektbezogenen Aspekten greifen sie die Themen Globales Lernen, interkulturelle Kommunikation und Eigen- und Fremdwahrnehmung auf. Die Abschlussveranstaltung mit Zertifikatsverleihung am 6. November 2015 in Köln brachte noch einmal viele Menschen zusammen. Erschienen waren die Teilnehmenden mit ihren Familien, einige der Betriebsinhaber, die ihre Auszubildenden für diesen Einsatz teilweise freigestellt hatten sowie Vertreter aus der Landespolitik und weitere Interessierte. Von allen Rednern wurden neben dem besonderen Engagement, die nachhaltige Bedeutung des Projektes auf das eigene Denken und Handeln hervorgehoben. Das Verständnis für die Lebens- und Arbeitsweisen in einem bislang unbekannten Land helfe dabei, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung abzubauen und Toleranz zu schaffen, auch für die Situation im eigenen Land, so der Tenor der Redner.

Bild: Ute Clausner

Quelle: Mitteilung von Engagement Global vom 11.11.2015