SÜDWIND: Die ‚Tränen des Baumes‘ als Wirtschaftsgut. Arbeitsbedingungen im Kautschuksektor

Die Produktion von Naturkautschuk ist mit zahlreichen ökologischen und sozialen Problemen verbunden. Zu diesem Schluss kommt die am 2. Juni erscheinende Studie „Die ‚Tränen des Baumes‘ als Wirtschaftsgut. Arbeitsbedingungen im Kautschuksektor.“ Viele dieser Probleme von der Rodung großer Waldgebiete, Menschenrechtsverletzungen bei der Anlage von Plantagen oder miserablen Arbeitsbedingungen sind mit denen des Palmölanbaus vergleichbar. Bislang hat die Kautschukbranche jedoch noch nicht ausreichend auf diese Herausforderung reagiert.

Gummi ist ein eher unscheinbarer Werkstoff, aber in vielen Bereichen unentbehrlich. Der natürliche Grundstoff für Gummi ist der Milchsaft des Kautschukbaumes. Vor allem die Auto- und Flugzeugindustrie sind für die Herstellung von Reifen auf Naturkautschuk angewiesen. 90 % des Naturkautschuks stammen heute aus Anbauregionen in Südostasien.

Um großflächige Kautschuk-Monokulturen anzulegen, werden – teilweise illegal – riesige Waldgebiete gerodet, was sich entsprechend auf Artenvielfalt und Bodenqualität auswirkt. Außerdem kommt es bei der Anlage solcher Plantagen oft zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen: Illegale Vertreibungen und Abholzung von gemeinschaftlich genutzten Wäldern, Gewalteinsatz bei der Räumung von Siedlungen und mangelnde Entschädigung für Landnahme – die Liste ist lang. „Auf den Plantagen selbst sind erzwungene Mehrarbeit und Armut aufgrund des sehr niedrigen Lohnniveaus keine Seltenheit“, meint Irene Knoke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei SÜDWIND und Mitautorin der Studie. „Aber auch die kleinbäuerlichen Betriebe, die noch immer einen Großteil der Produktion bestreiten, leiden unter Preisschwankungen und den gegenwärtig sehr niedrigen Preisen“, so Knoke weiter.

Die Probleme beim Anbau von Kautschuk korrespondieren mit jenen in der Palmölproduktion. Doch obwohl das Auto des Deutschen liebstes Kind ist, haben die ebenso eklatanten ökologischen und sozialen Probleme beim Kautschukanbau noch wenig gesellschaftliche Resonanz gefunden. Entsprechend hat auch die Kautschukbranche erst sehr zaghaft begonnen, sich des Themas anzunehmen. Erste Schritte hin zu einer Sensibilisierung gegenüber den Missständen innerhalb der Kautschukbranche sind erfolgt, doch es bleibt Einiges zu tun: Insbesondere da, wo nationale Regierungen und deren Institutionen ihren Schutzpflichten nicht nachkommen, müssen die Unternehmen endlich selbst Verantwortung in ihrer Lieferkette übernehmen.

Die von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen geförderte Studie kann hier oder über info@suedwind-institut.de bestellt werden und steht ab sofort hier zum Download bereit.

Quelle: Pressemitteilung von SÜDWIND vom 02.06.2015