Bonn-Voices---Notizzettel---SoLawiWie ist die Idee der solidarischen Landwirtschaft in Bonn entstanden?

Die Idee der solidarischen Landwirtschaft ist entstanden im Rahmen eines Visions- und Partizipationsprozesses, den die Transition-Initiative Bonn-im-Wandel durchgeführt hat. Unser Wunsch war es, eine positive Zukunftsvision von unserer Stadt ganz praktisch anzugehen, mit dem Ziel ein nachhaltiges und faires System der Lebensmittelversorgung aufzubauen, das die Grenzen der Erde respektiert und eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung fördert. Wir waren uns auch bewusst, dass wir diese Veränderung selbst starten müssen, sonst passiert nichts oder zu wenig. Das Motto der SoLaWi-Gründerinnen stammt von Mahatma Ghandi: „Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.

Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft wurde in den 80er Jahren von einigen Pionierhöfen entwickelt. Die Zahl der Höfe in Deutschland hat sich in den letzten 2 Jahren verdoppelt, so dass derzeit über 50 Betriebe in Deutschland danach wirtschaften und sich noch einmal so viele in Gründung befinden.

Hier in Bonn nahm die Idee ab Herbst 2012 Gestalt an und wir begannen konkret im März 2013 mit unserer ersten SoLawi. Im Frühjahr 2014 startete dann die SoLawi in ihrer aktuellen Form mit zwei Höfen und einer weiteren Gärtnerin sowie ca. 130 teilhabenden Mitgliedern aus Bonn und Umgebung.

Welche Zielgruppen beteiligen sich? Wie können sich die Mitglieder beteiligen?

Alle Bonner Bürgerinnen und Bürger, die ihren Lebensmittelbedarf bewusster und selbstbestimmter gestalten wollen und die nicht nur für ihr Essen, sondern auch für das Land und die Menschen, die es herstellen, Verantwortung übernehmen wollen. Dieses Jahr sind unsere Mitglieder zwischen 21 und 68 Jahre alt, also von Studierenden über Selbstständige, Familien, Rentner, aktuell nicht lohnabhängig Beschäftigte ist von allem was dabei. Beteiligen kann man sich in allen erdenklichen Arten und Weisen. Zusätzlich zum solidarischen finanziellen Beitrag auch auf dem Feld, bei Ernte und Verteilung anpackend, Gemüse (ein-)kochend und essend und gemeinschaftliche Treffen organisierend.

Welche Vorteile bietet die solidarische Landwirtschaft in Bezug auf „Nachhaltigkeit“?

Die SoLawi bietet enorme Vorteile in Bezug auf alle Aspekte von Nachhaltigkeit. Die ökologische Nachhaltigkeit wird vor allem durch die biologischen Anbaumethoden und die saisonale Lebensmittelversorgung erreicht. Außerdem sorgen kurze Transportwege und die Vermeidung von Verpackungsmüll für einen schonenden Umgang mit unseren Ressourcen, sowie für einen kleineren ökologischen Fußabdruck. Sehr wichtig ist außerdem, dass wir mit Hilfe des SoLaWi-Konzeptes dafür sorgen, dass die biologische Landwirtschaft in und um Bonn wieder eine Zukunft hat, denn auch die Biobauern leiden zunehmen unter Preiskampf und Konkurrenzdruck, der sich mit dem Fall der Milchquoten im nächsten Jahr noch verschärfen wird. Aktuell machen wir uns auch Gedanken zu einer verbesserten Kreislaufwirtschaft und dem Bau eines Biomeilers. Zur sozialen Nachhaltigkeit trägt bei, dass die Kosten der Lebensmittelproduktion solidarisch von Allen im Rahmen ihrer (finanziellen) Möglichkeiten mitgetragen werden und somit potentiell niemand ausgeschlossen wird. Durch die Förderung einer ökologischen und regionalen Landwirtschaft schafft die SoLawi auch gute Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Region.

Was motiviert Sie morgens und wie denken Sie abends darüber nach?

Solidarische Landwirtschaft ist eine tolle Möglichkeit, ganz besondere und engagierte Menschen kennen zu lernen, die mit Herz und Hand an einer nachhaltigen Zukunft dieser Stadt und Umland arbeiten. Es ist auch ein Projekt der gegenseitigen Unterstützung und des Mutmachens, deren, gemeinsamen Freude und der tiefen Befriedigung, weil ich die Hände und Gesichter der Menschen kenne, die dafür gesorgt haben, dass ein köstliches Essen auf meinem Teller liegt. Diese Form des Ernährung ist verbunden mit einer ganz besonderen Lebensqualität und -kultur.

Welche Frage würden Sie gerne einmal beantworten, die Ihnen noch nie gestellt wurde?

Wir wüssten gerne was die Stadt Bonn tut für den Aufbau einer resilienten, nachhaltigen Nahrungsversorgung? Immerhin hat Bürgermeister Nimptsch einen entsprechenden Aufruf in der Bonn-Declarations of Mayors stellvertretend unterschrieben. Darüber hinaus: Wie sieht dein Alltag in einer nicht-kapitalistischen Welt aus? Und zu guter Letzt: Warum fressen Mäuse lieber Rote Beete als Schwarzen Rettich?

Anmerkung: Diese Fragen wurden zum Teil gemeinsam und von mehreren Mitgliedern der SoLawi Bonn beantwortet, da die SoLawi nur gemeinschaftlich entstehen konnte und bestehen kann.

Das Interview führte Lisa Eidam, European Association of Development Research and Training Institutes (EADI)