Patrick Sakdapolrak hat 2010 am Geographischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn promoviert. Für seine Dissertation “Orte und Räume der Health Vulnerability. Bourdieus Theorie der Praxis für die Analyse von Krankheit und Gesundheit in megaurbanen Slums von Chennai, Südindien”  erhielt er 2011 den “KfW-Förderpreis für exzellente praxisrelevante Entwicklungsforschung”. Seit Oktober 2013 leitet er eine Nachwuchsforschungsgruppe  für Migration und Umwelt in Bonn.

In unserer Reihe “Die Zukunftsforscher – Junge Wissenschaftler forschen zur Nachhaltigkeit” stellen wir junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Arbeiten vor.

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© Patrick Sakdapolrak

Porträt: Dr. Patrick Sakdapolrak

Geographisches Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität Bonn


     Herr Sakdapolrak, könnten Sie einen kurzen Einblick in Ihr Forschungsprojekt geben? Darin geht es darum, inwieweit Migranten ihrer Heimat helfen können, richtig?

Wenn Migranten ihre Herkunftsorte verlassen, dann werden meist die Beziehungen zu diesen Orten und den Menschen, die dort leben, nicht gekappt. In vielen Fällen entscheiden die Familien, dass ein Haushaltsmitglied migrieren soll, um Geld zu verdienen und um die zurückbleibenden zu unterstützen. Über diese Verbindung, diese translokale Verflechtung wird nicht nur Geld sondern auch Wissen und andere Ressourcen ausgetauscht und transferiert. Die Forschungsergebnisse zum Nexus Migration-Entwicklung haben dazu bereits viele Erkenntnisse beigesteuert. Unsere Leithypothese ist, dass diese translokale Verflechtung auch das Potential hat, den Herkunftsorten der Migranten dabei zu helfen, die neuen Herausforderungen im Zeitalter von Klimaveränderungen zu bestehen.

Was ist mit translokaler Verflechtung und Nexus Migration-Entwicklung gemeint?

Translokale Verflechtungen sind migrationsbezogene soziale Beziehungen über geographische Distanzen hinweg. Nexus Migration-Entwicklung ist die Wechselbeziehung zwischen Migration und Entwicklung.

Welches ist die für Sie erstaunlichste Erkenntnis?

Wir sind noch am Anfang unserer Forschungsarbeit und haben noch keine empirischen Evidenz zur Stützung unsere Leithypothese gesammelt. Was mich jedoch erstaunt ist, dass bisher in der Debatte um das Verhältnis von Umwelt und Migration, die meist um Begriffe wie Umweltflüchtlinge und Klimamigranten kreisen, das Potential der Migration in Bezug auf Klimaanpassung nicht schon früher systematisch erforscht wurde. Das wollen wir ändern.

Welchen praktischen Nutzen hat Ihre Arbeit?

Bisher ignorieren Klimaanpassungsprogramme auf lokaler Ebene oft die Bedeutung translokaler Verflechtungen. In Zusammenarbeit mit Partnern aus der Praxis wollen wir nach Wegen suchen, wie translokale Ressourcen für Klimaanpassungsaktivitäten genutzt werden können. Dazu werden wir Pilotprojekte implementieren und ein Handbuch für Praktiker entwickeln.

Was empfehlen Sie, was muß Ihrer Ansicht nach getan werden?

Migration muss stärker in der Klimaanpassungspolitik verankert werden. Dazu müssen wir zunächst die Realität akzeptieren und verstehen, dass Migration ein integraler Bestandteil der globalen Gesellschaft ist. Eine rein negative Betrachtungsweise, wie dies in der Debatte um Umweltflüchtlinge und Klimamigranten der Fall ist, ist hier wenig hilfreich.

Wo besteht weiterer Forschungsbedarf?

Neben dem bereits erwähnten Einfluss von Migration auf Klimaanpassung, wissen wir noch relativ wenig darüber, welche Auswirkungen die gleichzeitige Einbettung der Migranten in den Herkunfts- und Zielorten hat. Ein innovatives Moment im unserem Forschungsvorhaben ist, dass wir die translokalen Verflechtungen in einem multi-lokalen Forschungsdesign untersuchen, um so Licht ins Dunkel zu bringen.

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