Nina Langen hat 2013 an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität Bonn promoviert. Für Ihre Dissertation “Ethics in Consumer Choice – An Analysis based on the Example of Coffee” hat sie 2012 den 1. Preis des ‚Förderpreis Verbraucherforschung 2012‘ vom Kompetenznetzwerk Verbraucherforschung in Nordrhein-Westfalen erhalten. Die Arbeit wurde 2013 im Springer Verlag veröffentlicht.  Wichtige Ergebnisse sind bereits in den folgenden internationalen, peer reviewed Journals veröffentlicht: Food Quality and Preference, Agribusiness, International Journal on Food System Dynamics und Social Enterprise Journal.

“Young Researchers” bietet eine Plattform für Bonner Wissenschaftler sich und ihre Arbeit in der Nachhaltigkeitforschung vorzustellen.

Möchten Sie auch gerne Ihre Arbeit im Bonn Sustainability Portal vorstellen? Schreiben Sie uns eine Email.


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Portrait: Dr. Nina Langen

Landwirtschaftlichen Fakultät, Rheinische Friedrich-Wilhelms- Universität Bonn


Bonn Sustainability Portal: Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Abschlussarbeit?

In meiner Dissertation habe ich mich mit ethischem Konsum und Spenden beschäftigt und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser verschiedenen Formen ethischen Handelns aufgezeigt sowie die Frage beantwortet, ob Verbraucher in Deutschland zwischen verschiedenen Ausprägungen ethischen Handelns unterschieden. Dazu habe ich drei verschiedene experimentelle Studien, alle am Beispiel Kaffee, durchgeführt. In einer habe ich die Relevanz nachhaltiger und ethischer Prozessattribute wie Bio und Fair Trade im Kontext vieler anderer Produkteigenschaften untersucht. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Methode, mit der die Präferenzen der Konsumenten erhoben werden das Ergebnis maßgeblich beeinflusst. Ebenso wurde deutlich, dass Information über z.B. Fair Trade die Relevanz dieses Charakteristikums für den Informationssuchprozess zwar erhöht, Preis, Marke und Geschmack aber bei weitem die wichtigsten Eigenschaften bei einem Kaffeekauf sind. In einer anderen Studie wollte ich herausfinden, ob Konsumenten zwischen dem Kauf eines Fair Trade Produktes und einer Spende unterscheiden. Dabei ist es mir gelungen, die Faktoren zu identifizieren, die dazu führen, dass es klar abgrenzbare Konsumentensegmente gibt. Während einige Konsumenten zwischen diesen beiden Formen ethischen Handelns unterscheiden denken andere, dass der Kauf eines Fair Trade Produktes eine Spende an z.B. Entwicklungshilfe ersetzt. Dieses Ergebnis ist besonders für Spenden- und Fair Trade Organisationen relevant. Außerdem habe ich untersucht, wie viel Transparenz Verbraucher sich von Unternehmen hinsichtlich der Effizienz des von ihnen beim Kauf zusätzlich gezahlten Preispremiums bei Fair Trade und auch bei Cause-related Marketing Produkten wünschen.

Welches ist die für Sie bis jetzt neueste / erstaunlichste Erkenntnis?

Die Ergebnisse zeigen, dass Konsumenten in Deutschland ausgeprägte Präferenzen für verschiedene Formen ethischen Verhaltens besitzen und entsprechend unterschieden werden können. Die meisten Studienteilnehmer betrachten die unterschiedlichen Möglichkeiten ethischen Verhaltens als komplementär. Es konnten jedoch auch Verbraucher identifiziert werden, die beispielsweise Spenden und den Kauf von Cause-related Marketing Produkten als Substitute ansehen. Dies macht eine Marktsegmentierung erforderlich, wenn eine Substitution der verschiedenen Formen ethischen Verhaltens verhindert werden soll. Außerdem wurde deutlich, dass zusätzliche Hintergrundinformation, etwa bzgl. des Fair Trade Konzepts, die Entscheidung der Konsumenten beeinflusst. Ferner zeigt sich, dass Verbraucher transparente Information zu der Verwendung des von ihnen beim Kauf ethischer Produkte gezahlten Preisaufschlags einfordern. Diese Information wird dann auch in einfachen Kontexten zur Entscheidungsfindung genutzt. In komplexeren Entscheidungssituationen werden allerdings einfachere Entscheidungsregeln angewendet.

Welchen praktischen Nutzen hat Ihre Arbeit?

In meinen Studien habe ich einen Vielzahl von Methoden verwendet und kombiniert. Die Erkenntnisse daraus sind für die Forschung von Relevanz. Die Einblicke in das immer relevanter werdende Forschungsfeld des ethischen Konsums tragen zum Verständnis der Wechselwirkungen der verschiedenen Möglichkeiten ethischen Konsumentenhandelns bei. Dies ist von praktischem Nutzen für politische und unternehmerische Entscheider sowie NGOs.

Wo besteht weiterer Forschungsbedarf?

Es gibt noch so viele spannende und offene Fragen im Bereich nachhaltiger und ethischer Konsum. Momentan forsche zu ich Lebensmittelabfällen und schaue mir Graswurzelbewegungen näher an.

Was ist Ihr ganz persönlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit?

Ich unterstütze die Carrotmob Bewegung und habe Carrotmob Köln mit ins Leben gerufen. Warum? Nachdem ich mich aus wissenschaftlicher Sicht so intensiv in mehreren Konsumentenstudien mit (ethischem) Konsumverhalten beschäftigt habe wollte ich mal schauen, ob in Befragungen geäußerte und in Experimenten aufgedeckte Einstellungen das Kaufverhalten auch bei realen Einkaufsentscheidungen (wie dem Kauf von Obst & Gemüse) beeinflussen. Außerdem sind Carrotmobs ein sichtbares Zeichen dafür, dass Konsumentenmacht nicht nur ein hohles Wort ist; wenn Verbraucher nur ihre Interessen und Überzeugungen in konkrete Taten münden lassen. Die Kölner Carrotmobs zeigen, dass Konsumenten durch ihre bewusste Einkaufsentscheidung nachhaltig Zeichen setzen und wie sie ihren sozialen, ethischen und ökologischen Überzeugungen durch gezielten Konsum Ausdruck verleihen können. Außerdem machen die Kölner Carrotmobs deutlich, dass Verbraucher mit ihrer Einkaufsentscheidung Unternehmensentscheidungen lenken können, z.B. den Umstieg auf Ökostrom oder die Investition in klimaschonende Kühlgeräte. Spaß macht es auch zu sehen, dass es win-win-win Situationen nicht nur theoretisch gibt, sondern dass Unternehmen und Konsumenten sich für ein gemeinsames Ziel (z.B. Klimaschutz) begeistern können und eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehen kann, die einem dritten Akteur (hier dem Klima) zu Gute kommt.

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