General-Anzeiger: Solarzellen sind nur der Anfang

1224 Kilowattstunden – so viel hat die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Rhenag-Lagerhalle in Siegburg am sonnigen Mittwoch bis 17 Uhr erzeugt. Damit schafft sie es locker, das Dienstleistungszentrum mit Strom zu versorgen – und gleichzeitig 200 Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen.

Für Thomas Schmitz ist das der beste Beweis dafür, dass die BürgerEnergie Rhein-Sieg eG weiter auf Erfolgskurs ist.

Schmitz ist Vorstandsvorsitzender der Energiegenossenschaft, die 2011 gegründet wurde. Sie plant, errichtet und unterhält Photovoltaikanlagen in der Region. Beteiligt sind Siegburg, Hennef, Lohmar, Bonn, Troisdorf, Much, der Rhein-Sieg-Kreis und 60 weitere private Mitglieder.

“Mit einer weiteren Stadt aus dem Kreis stehen wir derzeit in Verhandlungen”, berichtet Thomas Schmitz. Basis für die Finanzierung der Anlagen sind die Genossenschaftsanteile der Mitglieder. Beitreten können Privatleute, Vereine, Kommunen und Firmen, die mindestens einen Geschäftsanteil in Höhe von 1000 Euro erwerben.

Die vierte Photovoltaikanlage der Genossenschaft ist kürzlich auf dem Dach der Mehrzweckhalle Meiersheide in Hennef fertiggestellt worden. Vorausgegangen waren drei Anlagen in Siegburg, auf der Gemeinschaftsgrundschule in Kaldauen, der Sporthalle am Anno-Gymnasium und die bislang größte bei der Rhenag, ein Gemeinschaftsprojekt mit der Siegburger Energienatur GmbH.

Damit hat die BürgerEnergie rund 290 Kilowatt peak (kWp) installiert – das bezeichnet die unter Standard-Testbedingungen erreichbare Spitzenleistung einer Photovoltaikanlage. Den erzeugten Strom verkauft die Genossenschaft an die Eigentümer der Gebäude. “Langfristig können wir so günstigere Strompreise anbieten als die herkömmlichen Anbieter”, sagt Schmitz. Von der Rendite profitieren wiederum die Mitglieder.

Noch in diesem Jahr will die BürgerEnergie die installierte Leistung durch drei neue Photovoltaikanlagen mehr als verdoppeln: Auf dem Dach des Seniorenzentrums Siegburg sollen 250 kWp installiert werden, an der Grundschule Klosterstraße in Much 90 und am Donrather Dreieck in Lohmar weitere 250.

Auch in Bonn ist ein erstes Projekt in Planung. “Wir wollen weiter wachsen”, gibt der Vorstandsvorsitzende die Devise aus. Photovoltaik ist für die Genossenschaft dabei nur ein Einstieg, wie Schmitz betont. “Solarzellen sind schon relativ breit verankert und mit verhältnismäßig wenig Aufwand anzubringen”, erklärt er.

Anders sieht es mit Windrädern aus, die in Politik und Gesellschaft immer wieder für Kontroversen sorgen. Trotzdem glaubt Schmitz, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis die Energiegenossenschaft das erste Windrad baut. Nahwärmeversorgungskonzepte und die Übernahme von Stromnetzen seien weitere mögliche Geschäftsfelder.

“Die Energielandschaft ist im Umbruch, und die Leute sind schon viel offener geworden”, sagt Schmitz. Er ist zuversichtlich, dass die Energiegenossenschaft auch 2022, wenn in Deutschland das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden soll, noch auf Erfolgskurs sein wird – vielleicht erst recht.

Neue Projekte

Die BürgerEnergie Rhein-Sieg eG kann für ihre nächsten Projekte neue Geschäftsanteile ausgeben. Eine Infoveranstaltung dazu findet am Freitag, 28. Juni, ab 19 Uhr in der Emilie-Heyermann-Realschule in Bonn statt.

Weitere Informationen auf www.be-siegburg.de.

General-Anzeiger Bonn, Artikel vom 20.06.2013