UNCCD-Studie legt hohe Kosten durch Landdegradation und Dürre offen

Laut einer heute veröffentlichten wissenschaftlichen Studie verliert die Weltgemeinschaft bis zu 5% des globalen landwirtschaftlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP) durch Landdegradation.

Die Studie mit dem Titel „Die Ökonomie der Desertifikation, Landdegradation und Dürre: Methodik und Analyse für die Entscheidungsfindung“ wurde im Rahmen der heute in Bonn, Deutschland eröffneten 2. UNCCD Wissenschaftskonferenz vorgestellt.

Redner der Eröffnungsveranstaltung waren Tarja Halonen, ehemalige finnische Staatspräsidentin, Luc Gnacadja, UNCCD Exekutivsekretär, und Walter Ammann, Präsident der Stiftung Global Risk Forum (GRF) Davos.

Über 600 Wissenschaftler und Vertreter von Regierungen sowie internationalen und zivilgesellschaftlichen Organisationen werden an der Konferenz teilnehmen, die von einem Konsortium unter Leitung des GRF Davos organisiert wurde mit dem Titel: „Die ökonomische Bewertung von Desertifikation, nachhaltigem Landmanagement und der Anpassungsfähigkeit von ariden, semiariden und trockenen subhumiden Gebieten.“

„Die Bekämpfung von Armut wird weiterhin das wichtigste Ziel der internationalen Gemeinschaft bleiben. Die drei Elemente grünes Wachstum, soziale Gerechtigkeit und globale umweltpolitische Regelungen sollten die Ausarbeitung von Zielen für eine nachhaltige Entwicklung nach 2015 leiten“, sagte Tarja Halonen, die ehemalige finnische Präsidentin und Vorsitzende des Arbeitskreises zu globaler Nachhaltigkeit (Global Sustainability Panel). „Nachhaltiges Landmanagement, Prävention gegen Landdegradation und die Wiedernutzbarmachung von Land sind ein sehr effektiver und kosten-nutzen-orientierter Weg, um ländliche Armut beseitigen. Das Land versorgt die ländliche Bevölkerung mit Lebensmitteln, adäquaten Jobs und Einkommen. Nachhaltiges Landmanagement ist außerdem eng verbunden mit der Verfügbarkeit von Energie und Wasserressourcen“, betonte sie. Sie ergänzte, dass die auf der 2. UNCCD Wissenschaftskonferenz vorgestellten Informationen erkennen lassen, dass es ökonomisch klug ist, nachhaltiges Landmanagement als zentralen Bestandteil in die Entwicklungspolitik und die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zu integrieren. Es wird zu einem besseren Leben in den ländlichen Gebieten beitragen und die ökologischen Herausforderungen abschwächen.

„Dies ist die erste ökonomische Bewertung der Schäden durch Desertifikation und Dürre seit über 20 Jahren. Die Studie zeigt, dass Desertifikation, Landdegradation und Dürre Schlüsselrestriktionen sind für die Verbesserung der sozialen und ökologischen Anpassungsfähigkeit, für das Erreichen globaler Ernährungssicherung und einer deutlichen Armutsverringerung. Wenn nichts getan wird, bleiben sie die Achillesferse von Entwicklung“, sagte Luc Gnacadja während der Eröffnungsveranstaltung. Er fügte hinzu: „Die Studie zeigt auch beachtliches Handlungspotential auf. Aber wenn das wissenschaftliche Verständnis für Landdegradation und Dürre, insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel, nicht gestärkt wird, ist die Weltgemeinschaft schlecht positioniert, um mit den Auswirkungen des Wandels umzugehen. So weiter machen wie bisher ist keine Option mehr.“

„Fruchtbarer Boden ist unsere wertvollste nichterneuerbare Ressource. Er ist die Grundlage für Leben, denn er ernährt die Milliarden, die auf unserer Erde leben. Dennoch geht jedes Jahr ein Gebiet dreimal so groß wie die Schweiz aufgrund von Desertifikation verloren. Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen! Wir müssen jetzt nicht mehr reden, sondern handeln! Diese Konferenz ist hierfür ein wichtiger Schritt“, sagte Walter Ammann, der Präsident des GRF Davos.

Die Studie belegt, dass zwischen 4 und 12% des afrikanischen landwirtschaftlichen BIPs aufgrund von Umweltdegradation verloren gehen. Auf Länderebene variiert die Höhe des direkten wirtschaftlichen Schadens durch Landdegradation beträchtlich. Besonders hoch ist der Anteil dieses Verlusts am landwirtschaftlichen BIP in Ländern wie Paraguay mit 6,6%, Burkina Faso mit 9% oder Guatemala mit 24%.

Auch die sozialen Kosten sind verheerend. Fast 870 Millionen Menschen leiden weltweit unter chronischem Hunger. In Usbekistan haben sich die Ernteerträge aufgrund der Landdegradation um 20-30% verringert. In Ostafrika sind ungefähr 3,7 Millionen Menschen wegen der Dürre von 2011 auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, so die Studie.

Die Studie, die sich mit den Kosten und dem Nutzen der Auseinandersetzung mit den Themen Desertifikation, Landdegradation und Dürre beschäftigt, kommt zu dem Ergebnis, dass die bisherige wissenschaftliche Forschung ihren Schwerpunkt meistens auf die direkten Folgen dieser Phänomene gelegt hat, dabei aber die unbeabsichtigten Konsequenzen, inklusive der indirekten und Offsite-Schäden übersehen hat.

Die letzte solche ökonomische Bewertung von Desertifikation wurde im Jahr 1992 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen vorgenommen. Damals wurden die Kosten auf 42 Milliarden USD pro Jahr geschätzt.

Die Ergebnisse der Wissenschaftskonferenz, die am Freitag den 12. April endet, werden durch den Ausschuss für Wissenschaft und Technologie der UNCCD an die Konferenz der Vertragsstaaten (COP) weitergeleitet, welche sich in der zweiten Hälfte des Jahres treffen wird.

Quelle: Pressemitteilung der Informationsstelle der Vereinten Nation in Bonn

Website der UN in Bonn