SÜDWIND-Institut: Von weißem Gold und goldenem Öl. Flächennutzungskonflikte und Migration an den Beispielen Baumwolle und Palmöl

Mit der am Mittwoch, den 10. April, erschienenen Studie „Von weißem Gold und goldenem Öl“ richtet SÜDWIND den Blick auf den Zusammenhang zwischen zunehmendem Flächenverbrauch für die Exportproduktion und Migrationsbewegungen. Damit leistet SÜDWIND einen Beitrag zur Debatte über die globale Landnutzung. Diese Debatte hat sich in den letzten Jahren bedingt durch unterschiedliche Interessen der Landnutzung und die dabei entstehende ‚Flächenkonkurrenz‘ zugespitzt. SÜDWIND wird mehrere Studien und Fact-Sheets zu dieser Debatte veröffentlichen.

Am Beispiel der Baumwollproduktion in China, wo der Baumwollanbau 6,5 % der nutzbaren Ackerfläche belegt, stellt die Studie die Arbeitsbedingungen in den Baumwollplantagen vor. Die Baumwolle wird überwiegend von Binnenmigrantinnen aus den zentralen Provinzen Chinas gepflückt, die als Saisonarbeiterinnen für ca. 3 Monate pro Jahr in die nordöstliche Provinz Xinjiang ziehen, um dort den größten Teil der chinesischen Baumwolle zu pflücken.

Am Beispiel der Palmölproduktion im malaysischen Bundesstaat Sabah stellt die Studie die Auswirkungen des Palmölbooms auf Mensch und Natur vor: Indonesische und philippinische MigrantInnen arbeiten unter teils verheerenden Bedingungen auf den Plantagen, für die nach wie vor der Regenwald gerodet wird. „Die Arbeit auf den Plantagen ist hart. Frauen arbeiten als Sammlerinnen der am Boden liegenden Palmölfrüchte oder auch als Sprayerinnen: Sie tragen 18-Liter-Behälter mit Herbiziden, die sie in 14-16 Sprayrunden pro Tag in der Plantage verteilen – und haben oft keine ausreichende Schutzkleidung“, so Sabine Ferenschild, die Autorin der Studie. „Die Frauen sind aber mangels Alternativen auf die Arbeit in den Plantagen angewiesen. Höhere Löhne, besserer Arbeitsschutz und mehr soziale Sicherheit wären deshalb dringend nötige Schritte.“

Eine zentrale Schlussfolgerung der Studie lautet: Anders als in der globalen Landdebatte suggeriert, ist die Durchsetzung abhängiger Lohnarbeit in der globalen Agrarwirtschaft nicht der Schlüssel zur Behebung ländlicher Armut. SÜDWIND plädiert daher für eine Verbesserung im Zugang zu und in der Verfügung über ländliche Ressourcen für lokale Bevölkerungen, für eine Weiterentwicklung des für die Industrieproduktion entwickelten Konzepts existenzsichernder Löhne („living wages“) für LohnarbeiterInnen im Agrarsektor. Ein weiterer wichtiger Aspekt wäre eine kritische Überprüfung der bisherigen Nachhaltigkeitsansätze wie z.B. des „Runden Tisches zu nachhaltigem Palmöl“.

Die Studie erhalten Sie hier als PDF-Dokument.