Welche Faktoren haben zum Kollaps der Maya-Kultur geführt? In wie weit können Forschungsergebnisse dazu beitraten einem Kollaps heutiger Systeme entgegenzuwirken? Jennifer Weber, Doktorandin der Universität Bonn, geht diesen Fragen am Beispiel der Mayastätte “Pacbitun” in Belize nach.

In unserer Reihe “Die Zukunftsforscher – Junge Wissenschaftler forschen zur Nachhaltigkeit” stellen wir junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Arbeiten vor.

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© Jennifer Weber

Porträt: Jennifer Weber

Footprints in Motion: Exploring the Socio-Political and Ideological Responses to Environmental Changes at the ancient Maya site of Pacbitun, Belize

 

 

Laufende Dissertation

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Institut für Archäologie und Kulturanthropologie
Abteilung für Altamerikanistik

 


 

Bonn Sustainability Portal: Liebe Frau Weber, womit beschäftigten Sie sich in Ihrer Dissertation?

Frau Weber: In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit der sozio-politischen und religiösen Entwicklung einer mittelgroßen Mayastätte mit dem Namen Pacbitun, die im Westen des Landes Belize in Mittelamerika liegt. Mit Hilfe archäologischer Ausgrabungen, groß-kulturellen Vergleichen und Computeranalysen versuche ich eine progressive Stressentwicklung aus den materiellen Gütern abzulesen bzw. herauszufinden, ob dies überhaupt möglich ist. Kann man anhand der Bauten und Siedlungsentwicklung Pacbituns Anzeichen für  einen schleichenden Kollaps finden?

Um dieser Frage nach zu gehen, versuche ich Aufbau und Entwicklung des Zentrums der Stätte sowie der umliegenden Siedlung zu verstehen. Dafür konzentriere ich mich auf ein Netzwerk aus Tempeln, Straßen, und kulturell genutzten, natürlichen Höhlen. Mein Fokus liegt auf den antiken Straßen, den sogenannten “sacbeob” (Yucatec Maya). Diese, aus Kalkstein erbauten und erhöhten Fußwege wurden oft nur für spezielle und wichtige Handels- und Kommunikationsrouten gebaut und können uns daher Aufschluss über politische oder sozio-ökonomische Aktivitäten geben. In Pacbitun führt eine dieser Straßen vom Zentrum durch die Peripherie bis zu einer der Höhlen und dient daher auch als potentieller Informant der religiösen Verhältnisse.

Darüber hinaus gilt es die Entwicklung und Bedeutung Pacbituns auf einem regionalen Level und in Anbetracht der damaligen Lebensumstände zu analysieren. Generell spricht man von einem Untergang der Maya Hochkultur in der so genannten Spätklassik (AD 600-900). Während dieser Zeit wurden die meisten Regierungssitze und große Städte graduell verlassen. Pacbitun selbst wurde ungefähr zu Beginn des 10. Jahrhunderts AD verlassen. Auch wenn man es nicht genau weiß, vermutet man heute, dass wahrscheinlich mehrere Faktoren zu dem Kollaps der politischen Systeme führten, wie z. B. Klimawandel, politische Konflikte, etc.

Welches ist die für Sie erstaunlichste Erkenntnis?

Da dies eine laufende Arbeit ist, kann ich noch nicht von konkreten Erkenntnissen sprechen. Generell ist es für mich immer wieder erstaunlich, wie weitreichend die antike Landschaftsmanipulation war und in welchem Umfang natürliche Ressourcen übernutzt wurden.

Interessant ist außerdem, dass manche der antiken Einrichtungen bis heute genutzt werden. Die von den antiken Maya errichteten “Aguadas”, künstlich errichtete Wasserbecken zum Beispiel, sind noch heute ein wichtiger Bestandteil der Landschaft und werden von den heute ansässigen Farmern für ihre Tiere genutzt.

Welchen praktischen Nutzen hat Ihre Arbeit?

Nachhaltigkeit gilt in der Archäologie schon länger als Dreh- und Angelpunkt für Forschungen. Im Fokus stehen Fragen wie zum Beispiel: “Kann man von der Vergangenheit lernen?” bzw. “Hält die Vergangenheit Informationen über die Zukunft bereit?”. Die Probleme mit denen sich Hochkulturen vor Hunderten und Tausenden von Jahren konfrontiert sahen haben sich im Grunde nicht sonderlich geändert, wenn man natürlich auch nicht vom selben Maßstab sprechen kann. Die antiken Maya mussten sich vor ca. 1000 Jahren unter anderem mit Überpopulation, Krieg und Klimawandel auseinander setzen. Themen, die unserer Gesellschaft auch heute nicht unbekannt sind. Im vereinfachten Sinne könnte man also erforschen, wie eine andere, hochentwickelte, Kultur mit diesen Herausforderungen umgegangen ist und was wir davon lernen können.

Ein anderer, wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit in der Archäologie ist heute die Präservation und Konservierung. Als Folge von Umwelteinflüssen, moderner Landentwicklung und natürlichem Zerfall sind viele archäologische Stätte, Bauten, Dokumente, etc. in Gefahr für immer verloren zu gehen. Durch Hilfe von Ausgrabungsforschungen, aber auch zunehmend moderner Technik, wird versucht diesen Einflüssen entgegen zu wirken und das Kulturgut für die Nachwelt zu erhalten.

Was ist Ihr ganz persönlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit?

Wie viele meiner Generation habe ich ein schon fast ständig besorgtes Verhältnis zur Umwelt entwickelt. Das spiegelt sich dahingehen wieder, dass ich recycle, versuche Energie zu sparen, sehr auf ökologisch vertretbare Nahrung achte, etc. Außerdem unterstütze ich ein paar mir am Herzen liegende Umweltorganisationen finanziell.

Neben meiner Dissertationsarbeit bin ich als Forestry Archaeologist beim Georgia Department of Natural Resources, Historic Preservation Division (USA) angestellt. Hier prüfe ich u.a. die potentielle Schädigung von Kulturgut durch Forstmaßnahmen. Auch die Kommunikation und Aufklärung der Öffentlichkeit in Bezug auf die Präservation und Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit.

Den Kontakt zu Frau Weber stellen wir gerne her. Bitte kontaktieren Sie uns hier.