General-Anzeiger: Kühe grasen auf Bio-Weiden

    Das Unkraut zupfen sie mit der Hand aus den Weinbergen an der Ahr. Die Rebstöcke bringt nur organischer Dünger zum Wachsen, und Pflanzenkrankheiten dürfen nicht mit Chemie bekämpft werden. Die Maibachfarm in Bad Neuenahr-Ahrweiler baut vor allem Spät- und Frühburgunder nach Bioland-Richtlinien an.

    Damit ist das Gut unter den Winzern an der Ahr eine Ausnahme. Lediglich drei kleinere Weinbauern wirtschafteten nach den Richtlinien des Öko-Weinsiegels Ecovin, sagt Maibachfarm-Produktionsleiter Johannes Kastenholz. Insgesamt würden rund 15 der rund 580 Hektar Weinberge an der Ahr ökologisch bewirtschaftet, davon gehören neun zur Maibachfarm.

    Was bei den Winzern noch Neuland bedeutet, ist bei den Milchviehhaltern in der Region schon Alltag. Nach Daten der letzten Landwirtschaftszählung von 2010 liegt der Kreis mit 18,2 Prozent des sogenannten Dauergrünlands mit ökologischer Bewirtschaftung deutlich über dem Landesschnitt von 8,8 Prozent.

    Das heißt: Viele Kühe in der Region grasen auf Bio-Weiden. Selbst beim Ackerbau zeigen sich die Landwirte aus der Region mit einem Anteil von 4,5 Prozent gegenüber einem NRW-Schnitt von 1,7 Prozent der Fläche als besonders öko-bewusst. Insgesamt arbeiten 80 von rund 1 000 Landwirten im Rhein-Sieg-Kreis nach Bio-Richtlinien.

    Bei den Öko-Bauern handelt es sich nach Angaben der Landwirtschaftskammer Rheinland vorwiegend um Milchviehhalter im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Andere Bio-Betriebe finden sich in der Regel dort, wo auch ihre konventionell arbeitenden Kollegen ihre Höfe haben: Im Vorgebirge wird Gemüse und Obst angebaut, außerdem bewirtschaften hier hoch spezialisierte Landwirte Flächen mit Gartenbau oder Zierpflanzenzucht. Hinter dem Kottenforst beginnen die Ackerflächen, mit Getreide oder Rüben.

    Die große Umstellungswelle der Landwirte auf Bio-Produktion ist nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer verebbt. “Derzeit sind die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse vergleichsweise gut, daher ist der wirtschaftliche Druck zur Neuaufstellung nicht da”, sagt Kammersprecher Bernhard Rüb.

    Gerade unter den Milchviehhaltern sei der Anteil der Öko-Bauern groß, da bei ihnen die Umstellung auf den Bio-Betrieb vergleichsweise einfach sei. “Bei komplizierten Formen etwa des Unterglas-Anbaus von Obst ist eine Umstellung dagegen fast nicht bezahlbar”, sagt Rüb.

    Viele Bio-Betriebe verkaufen ihre Produkte auch in eigenen Hofläden. “Damit können sie sich gegen die billige Bio-Konkurrenz etwa bei den Discountern positionieren”, so der Sprecher der Landwirtschaftskammer. Nach seiner Erfahrung ist für die Käufer “heute die regionale Herkunft von Lebensmitteln fast wichtiger als das Bio-Siegel”. Da ein klarer regionaler Herkunftshinweis im Einzelhandel noch fehlt, sei der Hofladen für regionale Produkte die erste Adresse.

    Auch der Bio-Winzer von der Ahr lebt von seiner Stammkundschaft vor Ort. Außerdem beliefert die Maibachfarm nach eigenen Angaben die Bioladen-Kette Basic und den Kaufhof mit ihren Weinen. Für den 2012er Jahrgang könnte der Nachschub allerdings schnell knapp werden. Statt wie erhofft rund 40 000 Liter, konnten die Weinbauern nur 25 000 Liter abfüllen, davon rund 80 Prozent Rotwein. Die Ernte ist in diesem Jahr schlecht ausgefallen. “Auch das ist Teil des Bio-Anbaus”, sagt Kastenholz. “Damit muss man sich dann eben abfinden.”

    Artikel im General-Anzeiger, 18.01.2013