Denkwerk Zukunft: Zwischenruf "Bürgerstiftungen: wärmendes Kaminfeuer"

Cleveland hat den Ruf ein sehr kalter Ort im Winter zu sein. Was den Banker und Rechtsanwalt Frederick H. Goff nicht davon abhielt, eine revolutionäre erwärmende Idee zu entwickeln: Er poolte die gemeinnützigen Ressourcen von Philanthropen seiner Stadt zum Wohle der Bürger. So entstand anno 1914 am 2. Januar an einem kalten Wintertag die erste Community Foundation – das Vorbild der deutschen Bürgerstiftungen: Hier sind viele Bürger mit eher kleinen Geld- oder engagierten Zeitspenden aktiv.

Knapp einhundert Jahre später befeuert diese Vision eine weltumspannende Bewegung in 37 Ländern der Erde. Die Cleveland Foundation verfügt als Keimzelle der Bewegung mittlerweile über 1,8 Milliarden Dollar. Über 700 weitere Community Foundations gibt es inzwischen in den USA – mit Vermögen von über 40 Milliarden Dollar und jährlichen Ausschüttungen von mehr als zwei Milliarden. Sie sind zu wichtigen Akteuren im öffentlichen Leben der Amerikaner geworden.

Das haben die Bürgerstiftungen in Deutschland noch vor sich. Spät erst, genau 1996, schwappte die Bewegung über den Atlantik. In Deutschland gibt es derzeit über 320 Bürgerstiftungen mit dem Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Bürgerstifter sind uneigennützig aktiv, nah dran am Puls der Gesellschaft, einfach gemeinnützig unterwegs. Die demokratische Form der verschiedenen Stiftungsformen ist weit weg von durchdachten Steueraspekten und kühler Gewinnmaximierung. Statt dessen verströmen sie Solidarität und füllen mit Gemeinsinn die Lücken von Vater Staat. Ein wärmendes Kaminfeuer gegen die Kälte der Gesellschaft.

Zwischenruf von Dr. Sabine T. Ruh, freie Journalistin und Buchautorin, Frankfurt

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