GIZ: Bonner Veranstaltung zum Jahresthema „Zukunftsentwickler“

Lässt sich bis 2030 „Nachhaltige Energie für alle“ schaffen? Dies diskutierten in Bonn Gäste aus Politik, Wirtschaft und internationaler Zusammenarbeit

Wie viel Prozent der afrikanischen Bevölkerung werden im Jahr 2030 Zugang zu moderner Energie haben? Mit dieser Frage wurden die Besucher der Bonner Veranstaltung zum Jahresthema „Zukunftsentwickler“ auf das Thema des Abends eingestimmt. Um die Energieversorgung der Zukunft ging es bei der Veranstaltung, zu der das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die KfW und die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH am 3. Dezember nach Bonn eingeladen hatten.

Staatssekretär des BMZ, Hans-Jürgen Beerfeltz, zog in seiner Begrüßungsrede eine positive Bilanz des ersten gemeinsamen Jahresthemas. BMZ, KfW und GIZ hätten damit gezeigt, dass sie gemeinsam größere Wirkungen erzielen könnten. „Nichts ist kostbarer als Synergien“, betone Beerfeltz. Aus diesem Grund stünden auch 2013 die gemeinsamen Aktivitäten unter dem Motto „Zukunftsentwickler“.

Gerade erneuerbare Energien, so Beerfeltz, seien ein „Zukunftsmotor für nachhaltige Entwicklung“. Daher werde die Bundesregierung im kommenden Jahr ihren Beitrag zur UN-Initiative „Nachhaltige Energie für alle“ verdoppeln. Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 allen Menschen weltweit Zugang zu Strom und modernen Heiz- und Energieformen zu verschaffen.

Chancen für Afrika

Auch Norbert Kloppenburg, Mitglied des Vorstands der KfW Bankengruppe, betonte, wie wichtig Energieversorgung für Entwicklung sei. Ohne sie könne es „kein Wachstum, keine Jobs“ geben. Projekte wie Desertec zur Energiegewinnung in der Wüste hätten das Potenzial, zum „Exportschlager“ für afrikanische Länder zu werden. Bisher fehle es auf dem Kontinent aber beispielsweise an belastungsfähigen und grenzüberschreitenden Stromnetzen.

GIZ-Vorstandssprecherin Tanja Gönner betonte, dass Energieversorgung in Afrika vor allem dezentral sein müsse, da ein Großteil der Bevölkerung auf dem Land lebt. “Wir erreichen große Zahlen mit vielen kleinen Ansätzen“, sagte sie. Im Auftrag des BMZ sowie der niederländischen und weiterer Regierungen habe man mit der Energiepartnerschaft Energising Development (EnDev) in Subsahara-Afrika 6,5 Millionen Menschen Zugang zu modernen Kochherden verschafft. 50.000 Fußballfelder könnten die Bäume füllen, deren Abholzung dadurch bisher vermieden worden sei.

„Realistisch optimistischer“ Blick in die Zukunft

Lässt sich das Ziel der UN-Initative erreichen und in absehbarer Zeit „nachhaltige Energie für alle“ schaffen? „Mit Erneuerbaren Energien alleine lässt sich die Herausforderung nicht bewältigen“, ist sich Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, sicher. Es sei auf jeden Fall bei den internationalen Anstrengungen ein „erheblicher Tempowechsel nötig“, sagte Klaus Rudischhauser, Direktor der EU-Generaldirektion für Entwicklung. Zugleich biete die Initiative die Chance, die Wirtschaft in Afrika deutlich anzukurbeln: „Warum produzieren wir Solarmodule nicht in Afrika?“, fragte Rudischhauser.

Die Umfrage unter den rund 150 Gästen des Abends ergab einen verhalten optimistischen Blick auf die künftige Energieversorgung in Afrika. Rund zwei Drittel glauben, dass im Jahr 2030 25 bis 50 Prozent der Menschen in Subsahara-Afrika Zugang zu modernen Energieformen haben werden. Immerhin 17 Prozent der Gäste glaubten sogar, es könnten bis zu zwei Drittel der Menschen in Afrika sein.

Zu diesen „realistischen Optimisten“ zählte sich auch Tanja Gönner: „Ich würde sagen, wir haben noch 18 Jahre vor uns“, sagte sie. Es reiche aber nicht aus, sich für den benötigen Wandel alleine auf Beschlüsse der UN-Institutionen zu warten. „Wir müssen im Kleinen anfangen – gleich“, betonte Gönner.