UN Women: Symposium „Hinter verschlossenen Türen – Gewalt hat viele Gesichter“

Am 20. und 21. November 2012 veranstaltete UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. das Internationale Symposium „Hinter verschlossenen Türen – Gewalt hat viele Gesichter“. Schirmherrin der Veranstaltung war Daniela Schadt, Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Sie betonte in Ihrem Grußwort die Wichtigkeit der Arbeit von UN Women. „Dass im letzten Jahr UN Women als neue Behörde der Vereinten Nationen gegründet wurde, war ein wichtiger Schritt und lässt auf mehr Engagement für eine bessere Zukunft für Mädchen und Frauen hoffen.“

Eröffnet wurde das Symposium mit 250 internationalen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur am 20. November 2012 mit einem festlichen Abend  im Rheinischen Landesmuseum. Karin Nordmeyer, Vorsitzende UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V., erklärte in ihrer Auftaktrede: „Das Internationale Symposium dient dazu, die Öffentlichkeit über verschiedene Formen von Gewalt gegen Frauen zu sensibilisieren und geeignete Strategien zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zu diskutieren. Außerdem bereitet die Konferenz thematisch auf die 57. Sitzung der Frauenrechtskommission 2013 in New York vor.“

Frau Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend konnte nicht persönlich erscheinen. Im verlesenen Grußwort betonte sie die Wichtigkeit der Veranstaltung: „Ich begrüße es sehr, dass UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. mit dem internationalen Symposium „Hinter verschlossenen Türen – Gewalt hat viele Gesichter“ institutionenübergreifend auf das weltweite Problem der Gewalt gegen Frauen aufmerksam macht.“

Höhepunkt des festlichen Abends stellte die Auszeichnung des UN Women-Programms „Sichere Städte für Frauen“ in Honduras dar. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert, sie wird seit mehr als 10 Jahren von der Stiftung Apfelbaum angeregt und finanziert.

Am 21. November fand die internationale Fachkonferenz zum Thema „Hinter verschlossenen Türen – Gewalt hat viele Gesichter“ in der Deutschen Welle in Bonn statt. Im Mittelpunkt der Konferenz standen wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zu verdeckten Formen häuslicher Gewalt. Frauen jeder Gesellschaftsschicht sind auf jedem Kontinent und in jedem Land von häuslicher Gewalt betroffen. „Die erlittene Gewalt wird oftmals nicht zur Anzeige gebracht. Gründe hierfür sind Scham und Angst vor Schuldzuweisungen oder Bedrohungen, so dass die Täter straffrei bleiben und Frauen doppelt Opfer von Gewalt werden“, so Heide Göttner von AMICA e.V.

Ein Fokus der Konferenz lag auf der Problematik des Genderzid, der gezielten Abtreibung weiblicher Föten. In China und Indien ist dies längst als Problem erkannt. In Europa wurden insbesondere in Albanien, Armenien, Aserbaidschan und Georgien besorgniserregende Zahlen festgestellt. In diesen Ländern liegt die Geburtenrate bei 112 neugeborenen Jungen im Vergleich zu 100 Mädchen. „Ungleiche Geschlechterverhältnisse, die Bevorzugung von männlichen Nachkommen und der Wunsch kleinere Familien zu haben sind die Hauptgründe für geschlechtsspezifische Selektion“, so Doris Stump, ehemaliges Mitglied des Schweizer Parlaments und verantwortlich für die Europarats-Studie „Gendercide – The missing women.“

Es wurde deutlich, dass bereits genügend Gesetzesgrundlagen existieren, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern. „Das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt muss endlich umgesetzt und ratifiziert werden“, so Nicole Zündorf-Hinte vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Expertinnen waren sich außerdem einig, dass die Einbindung und Bewusstseinsbildung von Männern und Jungen notwendig ist, um tradierte Rollenbilder möglichst frühzeitig zu verändern.

Dr. Corinne Kumar, indische Frauenrechtsexpertin wies darauf hin, dass zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen ein neuer Diskurs über die Strategien zur Lösung dieses Menschenrechtsproblems angestoßen werden muss. Dagmar Schumacher, Direktorin von UN Women Brüssel, forderte im Hinblick auf die 57. Frauenrechtskommission eine systematische Herangehensweise sowie ein Maßnahmenpaket, das  weltweit zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zur Verfügung steht.

Pressemitteilung