Der Reitsport birgt viele nachhaltige Aspekte. Worin diese liegen und was Pferdehalter zu beachten haben, hat Hannah Wolff in ihrer Bachelorarbeit untersucht.

In unserer Reihe “Die Zukunftsforscher – Junge Wissenschaftler forschen zur Nachhaltigkeit” stellen wir junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Arbeiten vor.

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© Hannah Wolf

Porträt: Hannah Wolff

Dimensionen der Nachhaltigkeit in der Tierhaltung am Beispiel von Reit- und Nutzpferden

 

 

 

Bachelorarbeit, 2012

 

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg,

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

 


 

Bonn Sustainability Portal: Liebe Frau Wolff, womit beschäftigten Sie sich in Ihrer Bachelorarbeit?

Frau Wolff: Ich beschäftige mich in Bezug auf die Tierhaltung am Beispiel von Reit- und Nutzpferden mit den vier verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie, Soziales und Politik. Zu jeder Dimension habe ich verschiedene Schwerpunkte des Reitsports behandelt, die die Aspekte der Nachhaltigkeit am besten wiederspiegeln oder einen Beitrag dazu leisten. Zum Beispiel, wie Pferdebetriebe wirtschaften müssen, um ihre Existenz langfristig zu sichern oder wie eine umweltfreundliche Pferdehaltung umzusetzen ist. Weiterhin erarbeite ich einen Vergleich zwischen dem Einsatz von Pferden und Maschinen in der Land- und Forstwirtschaft.

Welches ist die für Sie erstaunlichste Erkenntnis?

Dass Pferde, die in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden, mit Maschinen mithalten können bzw. aus ökologischer und sozialer Sicht sogar wesentliche Vorteile gegenüber den Maschinen haben. Außerdem finde ich es erstaunlich, wie viele negative Folgen der Einsatz von großen Traktoren und Erntefahrzeugen auf die Böden, Flora und Fauna haben. Große Mähwerke haben z. B. den Nachteil, dass viele Lebewesen, die auf den Feldern leben, nicht schnell genug flüchten oder ausweichen können. Außerdem werden alle Pflanzen im selben Vegetationsstadium abgeschnitten, was wiederum den Lebensraum vieler Tiere zusätzlich einschränkt. Von Pferden gezogene Mähwerke sind in jeder vorgenannten Hinsicht rücksichtsvoller für die Umwelt, weil sie u. a. langsamer vorgehen und flexibler in ihrer Anwendung sind.

Ein weiterer Aspekt ist, dass im Gegensatz zum Traktor, der hauptsächlich mit umweltschädigenden, fossilen Treib- und Schmierstoffen betrieben wird, Pferde zum Leben und Arbeiten ausschließlich erneuerbare Ressourcen benötigen, wie z.B. die Sonnenenergie, die in umgewandelter Form als Stroh, Heu oder Hafer vom Pferd aufgenommen und umgesetzt wird.

Was muss Ihrer Ansicht nach verändert/verbessert werden?

Es kann in allen Bereichen noch umweltbewusster und –schonender gehandelt werden. Man sollte bei jeder Entscheidung die Auswirkungen auf die Zukunft berücksichtigen. Jeder Reiter kann seinen eigenen kleinen Beitrag zur Erhaltung der Natur und Umwelt leisten, z.B. sollten Reitwege nicht verlassen werden, um dem Wald und den hier lebenden Tieren nicht zu schaden. Bei der Entsorgung von Müll, ausgedientem Zubehör und Mist sollte auf eine entsprechende, umweltschonende Entsorgung geachtet werden. Auch landwirtschaftliche Betriebe könnten die Umstellung auf Pferde für bestimmte Tätigkeiten nachdrücklicher in Erwägung ziehen und dadurch beispielsweise Treibstoffe und die damit verbundenen schädlichen Gase einsparen.

Welchen praktischen Nutzen hat Ihre Arbeit?

Die Arbeit ermöglicht einen Überblick der vielfältigen Möglichkeiten der Betrachtung von Nachhaltigkeit, die sich von den Pferden auf viele andere Bereiche des Lebens übertragen lassen.

Die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit:
Ökonomie – Pferdehaltungsbetriebe und –züchter brauchen eine umfassende Kostenrechnung, die eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung darstellt. Außerdem ist eine Diversifizierung auf verschiedene Einnahmequellen immer öfter nötig, um die zur Erhaltung des Betriebs benötigten Erträge zu sichern.

Ökologie – Die Natur als Futterlieferant und als Umfeld für die Bewegung der Pferde muss geschützt werden. Dazu gehören der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser, Strom, dem Pferdemist, der Düngung und die Pflege der Pferdeweiden. Der niedrige „ökologische Fußabdruck“ des Pferdes ist ein weiterer zu betrachtender Aspekt. Auch die Erhaltung der Pferderassen und einer hochwertigen Zucht ist Teil der ökologischen Untersuchung der Nachhaltigkeit. Nicht zuletzt gilt die artgerechte Haltung und das faire Training als ein unerlässlicher Ausgangspunkt.

Soziales – Pferde werden zunehmend für die Heilung von Krankheiten bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt und erhöhen somit nicht unwesentlich die Lebensqualität dieser Menschen. Auch die Mitgliedschaft in Reitvereinen und der regelmäßige Umgang mit dem Pferd bieten viele soziale Vorteile, wodurch das Pferd als kulturelles Symbol immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Politik – Auf allen politischen Ebenen sind die Aspekte „Pferd und Nachhaltigkeit“ enthalten. Eine Unterorganisation der UN verfolgt z. B. die Erhaltung der Biodiversität, die „Deutsche Reiterliche Vereinigung“ setzt sich auf nationaler Ebene dafür ein, dass nachteiligen Entwicklungen entgegen gewirkt wird und deren Auswirkungen möglichst gering für Reiter, Züchter und alle anderen Beteiligten sind.

Was ist Ihr ganz persönlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit?

Wenn ich die Wahl habe, steige ich lieber aufs Pferd als ins Auto.

Frau Wolff spielt derzeit mit dem Gedanken ihre Bachelorarbeit zu veröffentlichen und wäre daher dankbar, wenn sich Leser mit Interesse an der Bachelorarbeit bei ihr melden würden. Den Kontakt zu Frau Wolff stellen wir gerne her. Bitte kontaktieren Sie uns hier.