Denkwerk Zukunft: Zwischenruf "Die Wachstumsgrenzen der Natur ernst nehmen!"

Ein Jahrhundert nach uns wird man sich kopfschüttelnd fragen, wieso Staatsfrauen und -männer einen erkennbaren Unsinn zur Maxime ihres politischen Handelns haben machen können: Dass auf der “begrenzten Oberfläche des Planeten” (Immanuel Kant) die Wirtschaft grenzenlos wachsen könne. Sie haben die Schulden zwar begrenzt, aber wollen mit Hilfe eines “Wachstumsbeschleunigungsgesetzes” die Vermögen “beschleunigt” wachsen lassen. Sie glauben, dass durch rigorose Sparauflagen die Lohnstückkosten abgesenkt werden und die dann steigenden Gewinne wachstumswirksam investiert werden. Auf der begrenzten Kugelfläche? Und wo soll die Nachfrage herkommen, wenn alle die “Schulden bremsen”? Auch das Wachstum geht nun zurück, erreicht die Null-marke, wird zu Negativwachstum.

Ist das eine “de-growth-economy”, wird die Welt vernünftig? Leider nicht, es ist das Elend einer Wirtschaftspolitik, die zwar Wachstum anstrebt, aber die harten Wachstumsgrenzen der kapitalistischen Produktionsweise und der Natur nicht ernst nimmt. Die Ressourcen sind begrenzt, wie bereits der Club of Rome 1972 mahnte. Der Höhepunkt der Verfügbarkeit des wichtigsten Treibers der industriellen Zivilisation, des Öls ist erreicht. Die Tragfähigkeit der Schadstoffsenken ist nicht auszuweiten. Der “ökologische Fußabdruck” der heute lebenden Generation, der verschwenderischsten der gesamten Menschheitsgeschichte, ist zu groß.

Nicht eine Schuldenbremse, eine Bremse des Naturverbrauchs muss her. Und eine Regulation der kapitalistischen Widersprüche. So können wir eine nachhaltige Entwicklung einleiten.

Zwischenruf  von Elmar Altvater

Professor Dr. Elmar Altvater ist ein deutscher Politikwissenschaftler, Autor und emeritierter Professor für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin sowie Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac.