BMZ und BMELV: "Forum Nachhaltiger Kakao" gegründet

Mehr als elf Prozent der weltweiten Kakaoernte wird in Deutsch­land verarbeitet. Allerdings sind die Ver­hält­nisse, unter denen der wertvolle Rohstoff angebaut wird, zum Teil bedenklich. Immer noch spielt miss­bräuchliche Kinder­arbeit in einzelnen An­bau­ländern eine große Rolle. Die Bun­des­re­gie­rung hat daher alle relevanten Akteure aus Wirtschaft, Zivil­ge­sell­schaft und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit an einen Tisch geholt, um die Situation für Kleinbauern in den Anbauländern dauerhaft und wirksam zu verbessern.

Mit der Gründung des “Forums Nachhaltiger Kakao” sollen die vielen Einzelprojekte miteinander vernetzt und eine sektorweite Zu­sam­men­ar­beit etabliert werden. Ziel der breit angelegten Initiative ist es, den Anteil nach­hal­tig erzeugten Kakaos in Zu­sam­men­ar­beit mit den Partnerländern deutlich zu erhöhen. Dies soll langfristig durch möglichst flächendeckende Schu­lungs­an­ge­bote zu nachhaltigen Pro­duk­tions­me­tho­den in den Anbauländern erreicht werden.

Ein Sekretariat bei der Deutschen Ge­sell­schaft für In­ter­na­ti­o­nale Zu­sam­men­ar­beit (GIZ) wird die Aktivitäten des Forums ko­or­di­nie­ren und die Akteure in Deutsch­land mit denen der Pro­du­zen­ten­länder – vor allem Côte d’Ivoire und Ghana – und mit anderen in­ter­na­ti­o­nalen Stellen vernetzen. Das Forum wird in den ersten zwei Jahren von Bun­des­re­gie­rung und Wirtschaft, nament­lich dem Bundesverband der Deutschen Süß­waren­in­dustrie (BDSI) und dem Le­bens­mittel­einzel­handel, vertreten durch den Bun­des­ver­band des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL), finanziert.

Anlässlich des Gründungstreffens am Mittwoch (13.06.2012) in Berlin sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: “Als weltweit zweitgrößter Verarbeiter von Rohkakao und Kakao­halb­fer­tig­pro­dukten hat Deutsch­land eine besondere Ver­ant­wor­tung, sich für nach­hal­tige Produktionsstandards einzusetzen. Ich freue mich, dass die deutschen Verarbeiter bei ihrer Produktion in Zukunft den Anteil von Kakao aus nachhaltigem Anbau deutlich steigern wollen. Das ist eine wichtige Wei­chen­stellung, von der die Menschen in den An­bau­ländern profitieren werden – aber wir dürfen hier nicht stehen bleiben: Alle wichtigen Akteure im Kakao­sektor haben sich heute bereit erklärt, ihre bisherigen Ak­ti­vi­tä­ten im Rahmen des Forums zu bündeln und ihre Erfahrungen in den weiteren Prozess einzubringen. Mit ihrem verstärkten En­gage­ment gehen die Hersteller auch auf die Wünsche ihrer Kunden ein. Für die Ver­braucher­innen und Ver­braucher werden soziale und ökologische Fragen immer wichtiger.”

Dirk Niebel, Bun­des­mi­nis­ter für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung, betonte: “Wir sind uns einig: Die Verbreitung nachhaltiger und produktiver Anbaumethoden ist ein ent­schei­den­der Hebel zur Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gungen der Kakaobauern. Nur ein angemessenes Einkommen kann auch die Kinderarbeit in diesem Bereich deutlich reduzieren, den Kindern eine Schulausbildung und medizinische Versorgung ge­währ­lei­sten. Gleichzeitig profitieren aber auch die Abnehmer von einer nachhaltigen Kakao­produktion: Die Nachfrage nach hochwertigem Kakao steigt, für die Süßwarenindustrie geht es also auch darum, ihre Roh­stoff­ver­sorgung zu sichern und mangelnde Erträge, schlechte Produktionsmethoden oder hohe Nachernteverluste zu verhindern. Damit bietet das Kakaoforum Chancen für beide Seiten – für Erzeuger und Abnehmer.”

Hintergrundinformationen zur Kakao­erzeugung

Kakao ist eines der wichtigsten Agrarhandelsgüter weltweit und die Einkommensgrundlage für 40 bis 50 Millionen Menschen. Rund 58 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion von circa 4,3 Millionen Tonnen wird nach Europa importiert. Über elf Prozent der Welt­ka­kao­ernte wird allein in Deutsch­land verarbeitet. Die landwirtschaftliche Produktion erfolgt in West- und Zentralafrika, Mittelamerika und Ostasien. Dabei sind Côte d’Ivoire und Ghana mit ca. 59 Prozent der Weltproduktion die größten Er­zeu­ger­länder für Roh­kakao. Der Kakaoexport im Jahr 2007 machte jeweils ein Viertel ihrer gesamten Exporterträge aus.

Der Kakaoanbau wird zu 90 bis 95 Prozent durch Kleinbauern betrieben – auf Flächen zwischen ein bis drei Hektar Größe. Der Kakao ist oftmals die einzige Einnahmequelle dieser Fa­mi­lien­be­triebe. Die über­wiegende Mehrheit der Kakaobauern lebt in ab­ge­le­gen­en Gebieten. Schlechte Infra­struk­tur und klein­bäuer­liche Orga­ni­sa­tion machen für sie den Zugang zu technischer Beratung, Betriebsmitteln und Fi­nanz­dienst­leistungen aufwändig und teuer. Derzeit werden nur etwa 30 bis 50 Prozent der Ertrags­po­ten­ziale der lokalen Kakao­sorten ausgeschöpft. Grund dafür sind fehlendes Know-how der Bauern und mangelnde Anreize für In­ves­ti­tio­nen. Die Mehrheit der Kakao­bauern und ihrer Familien­mitglieder lebt unterhalb der Armuts­grenze von zwei US-Dollar pro Tag und Person.

Pressemitteilung