BICC: Nachhaltigkeit muss bei den Konfliktursachen im Kakaosektor ansetzen

    Das BICC (Internationales Konversionszentrum Bonn) begrüßt die Gründung des „Forum Nachhaltiger Kakao“, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Situation in den Anbauländern des begehrten Rohstoffs zu verbessern. Gleichzeitig mahnen Expertinnen und Experten des Friedens- und Konfliktforschungszentrums an, dabei auch auf die konfliktbehafteten Produktionsverhältnisse in der westlichen Kakaoregion der Elfenbeinküste, also des weltweit größten Kakaoproduzenten, einzugehen und aktiv zur Beilegung der Konfliktursachen beizutragen.

    Anhaltende Gewalt in der westlichen Kakaoregion der Elfenbeinküste, die weltweit über 40 Prozent des Kakaos produziert, überschattet die Gründung des „Forums Nachhaltiger Kakao“, zu der sich am vergangenen Mittwoch in Berlin Vertreterinnen und Vertreter der Kakao verarbeitenden und Schokolade herstellenden Industrie, des Einzelhandels, von Zertifizierungs- und Entwicklungshilfeorganisationen sowie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher trafen. Nur wenige Tage zuvor war im Dorf Carrefour Saho die UN-Mission aus einem Hinterhalt angegriffen worden, sieben Soldaten starben. In den letzten Monaten überfielen bewaffnete Gruppen wiederholt Dörfer nahe der liberianischen Grenze. Der Konflikt in Elfenbeinküste geht unter anderem auf Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den Kakaoanbauregionen zurück.

    Das „Forum Nachhaltiger Kakao“ sollte auch nach Lösungen für die Konflikte zwischen verschiedenen Gemeinschaften in den Kakaoregionen der Elfenbeinküste suchen, fordern deshalb BICC-Experten. „Nachhaltigkeit muss bei den Konfliktursachen im Kakaosektor ansetzen“, betont Peter J. Croll, Direktor des BICC.

    Die jüngsten Angriffe auf die UN-Mission UNOCI können als Versuch gesehen werden, die amtierende Regierung politisch zu destabilisieren. Sie gehen auf einen grundlegenden Konflikt in diesem westafrikanischen Staat zurück, der sich an den Präsidentschaftswahlen Ende 2010 erneut entzündete und mit den Problemen des Kakaosektors eng zusammenhängt. Denn die Kakaobauern dort sind gespalten in „Anwohner“ und „Zugereiste“. Die Beziehungen zwischen angestammten Besitzern von Farmland und zugewanderten Arbeitskräften, die nach und nach auch Land übernahmen, verliefen lange Zeit nach traditionellen Regeln und ohne große Auseinandersetzungen. Eine Wirtschaftskrise, ausgelöst durch den Einbruch der weltweiten Kakaopreise, und die Konkurrenz um Landflächen führten zur Politisierung von Identitätsfragen: Wer ist echter Ivorer? Vor diesem Hintergrund brach 2002 ein grausamer Bürgerkrieg aus, der zwar fünf Jahre später durch ein Friedensabkommen beendet werden konnte, dessen politische und soziale Folgen jedoch bis heute spürbar sind.

    „Es gibt bereits Erfahrungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Elfenbeinküste, auf denen man aufbauen könnte“, schätzt BICC-Forscherin Marie Müller ein. Nach dem Friedensabkommen gründeten sich lokale Versöhnungskomitees, die vom ivorischen Ministerium für Versöhnung und von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (heute GIZ) unterstützt wurden. Solche Initiativen für den Versöhnungsprozess sollten ausgewertet und für erneute Bemühungen in diesem Bereich genutzt werden. „Die deutsche Schokoladenindustrie hat hier die Chance, einen wertvollen Beitrag zu wirklich nachhaltigem Kakao zu leisten“, betont Marie Müller.

    Hintergründe zum Konflikt in Elfenbeinküste und der Rolle des Kakaosektors bietet BICC Brief 40 „Natural Resources in Côte d’Ivoire: Fostering Crisis or Peace? The Cocoa, Diamond, Gold and Oil Sectors“: http://www.bicc.de/publications/briefs/brief-40.html

    Pressemitteilung