Stiftung Bonner Klimabotschafter: "Kleine" Multiplikatoren für den Klimaschutz

“Unser Klima wandelt sich, das betrifft auch dich und mich! Helft alle mit, tut euren Teil, tragt zum Klimaschutz mit bei!”, dröhnt es aus der Klasse der Bonner Grundschullehrerin Elke Buttgereit. “Oh, das war noch nicht ganz so”, sagt die Pädagogin zu den vor ihr sitzenden Klassen 4a und 4c der Gottfried-Kinkel-Grundschule. “Das machen wir noch einmal!” Und wieder schmettern die Kinder das für sie geschriebene “BONNi & BO”-Lied – dieses Mal wie aus einer Kehle. Und gleich darauf auch noch im Kanon. Es macht den Zehnjährigen sichtlich Spaß, sich so auf ein Projekt einzustimmen, das sie den Mai hindurch begleiten wird: auf den “BONNi & BO-Klimaführerschein”.

Ein Löwe und ein Eisbär

BONNi & BO, das sind ein Löwe und ein Eisbar, vor zwei Jahren ins Leben gerufen vom Bonner Comiczeichner Özi und der Stiftung Bonner Klimabotschafter. Als heldenhaftes Klima-Duo zeigen sie seitdem in den gleichnamigen Comics der Bonner Kinderzeitung “BONNiLive”, wie man Energie spart und die Umwelt schützt. Nun haben sich die Zwei auf neues Terrain gewagt und begleiten die Kinder im erstmals ausgerufenen “Bonner Klimamonat” Mai mit ihren Comics, vielen Tipps und Hintergrundwissen durch das Arbeitsheft zum “BONNi & BO-Klimaführerschein”. 26 Aufgaben gilt es – nach der einführenden Unterrichtsstunde – in den Mai-Wochen selbstständig zu lösen, bevor der Führerschein bestanden ist und die Kinder sich die ersten “Bonner Klimabotschafter” nennen dürfen.

Dieses bis dato bundesweit einzigartige Umwelterziehungsprojekt für Zweit- bis Viertklässler hat die noch junge Stiftung Bonner Klimabotschafter als Plattform für bürgerschaftliches Engagement rund um den Klimaschutz dieses Jahr initiiert.

“Wir wollen vor allem auch die Grundschülerinnen und Grundschüler für den Klimaschutz gewinnen, denn in ihren Händen liegt die Zukunft der Erde. Mit dem “BONNi & BO-Klimaführerschein” binden wir sie aktiv und nachhaltig in den Umweltschutz ein”, sagt Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister von Bonn und Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Und gleich neun Grundschulen hatten im Vorfeld ihr Interesse am Projekt bekundet und beteiligen sich jetzt mit rund 560 Schülern am ersten Durchgang.

“Das Meer wird zur Mülldeponie”

Das BONNi & BO-Lied sitzt. Elke Buttgereit fordert ihre 22 Schülerinnen und Schüler und die 21 Kinder von Kollegin Alexa Schmidt stattdessen nun zum Brainstorming über das Thema Klimawandel auf. “Was fällt euch denn dazu ein?”, fragt sie die Kinder. “Es wird wärmer”, ruft Eva. “Das Meer wird zur Mülldeponie”, meint Louis. “Die Pflanzen vertrocknen, Lebensräume werden zerstört”, sagt wiederum Hanna. David weiß: “Das Eis schmilzt.” Und Henrik erklärt: “Die Eisbären sterben aus.” Bei so vielen kleinen Experten ist das Verständnis des Films “Der CO2-Kreislauf” der Tropenwaldstiftung OroVerde kein Problem.

In einem zweiten Durchgang des Films bearbeiten die Kinder jedes für sich sogar Aufgaben wie “Was ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima?” und tauschen sich danach im Plenum über ihre Antworten aus. Die Hausaufgabe liegt da auf der Hand: Um die Abläufe des Klimawandels zu verinnerlichen, sollen die Kinder ein Arbeitsblatt zum CO2-Kreislauf ausfüllen. Mit den Aufgaben aus dem kunterbunten BONNi & BO-Arbeitsheft, das die Kinder alle begeistert in Empfang nehmen, können sie aber natürlich auch loslegen.

Darin erfahren sie aus Umweltschutz-Sicht noch mehr über das Klima und im Folgenden über die fünf Themenkomplexe Strom, Transport & Verkehr, Fleisch & Fisch, Wasser sowie Papier & Recycling. Sie lernen beispielsweise, welche schädlichen Treibhausgase es gibt oder wie viel Wasser zur Herstellung eines Kilogramms Papier benötigt wird. Und dann kommen ihre 26 Aufgaben: Sie sollen zum Beispiel alle Glühbirnen zu Hause zählen, die Energieeffizienz-Klasse des Kühlschranks der Familie notieren, mal fleischlos kochen und Wasser abmessen.

Stempel in das Klimasparbuch

Für jede erledigte Aufgabe erhalten die Kinder von Elke Buttgereit und Alexa Schmidt einen Stempel in ihr BONNi & BO-Klimasparbuch. Ist das Sparbuch schließlich “voll”, steht am Freitag, 8. Juni, im Hotel Kameha Grand die offizielle Übergabe des BONNi & BO-Klimaführerscheins – eines tatsächlich scheckkartengroßen Kärtchens – durch Oberbürgermeister Nimptsch bevor. Ab diesem Tag dürfen sich alle 560 Kinder, die am Klimaführerschein teilgenommen haben, zu Recht und voll Stolz die ersten “Bonner Klimabotschafter” nennen.

Damit ist es aber noch nicht vorbei: Jede Klasse wählt zudem im Rahmen des Projektes bis zum Ende des Schuljahres aus ihren Reihen drei Schüler aus, die im Herbst zu “Bonner Klimabotschaftern+” in einem Tagesseminar auf dem Naturgut Ophoven in Leverkusen weitergebildet werden. Als “Bonner Klimabotschafter+” können sie beispielsweise bei Pausen-Rundgängen das Klimabotschafter+Licht in Klassenräumen für die Pausenzeit ausschalten und der nächsten Generation Drittklässler bei ihren Fragen zum BONNi & BO-Klimaführerschein zur Seite stehen – als Multiplikatoren für den Klimaschutz.

Möglich geworden ist der “BONNi & BO-Klimaführerschein” nur durch den Einsatz vieler engagierter Menschen, wie zum Beispiel den Comiczeichner Özi und die zwei Lehrerinnen der Gottfried-Kinkel-Schule: Elke Buttgereit, die den Klimaführerschein eng begleitet hat, und Alexa Schmidt, die Projektleiterin der Kinderzeitung BONNi-Live ist und damit einen Raum für die BONNi & BO-Comics geschaffen hat.

Sparkasse Köln-Bonn ermöglicht Projekt

Finanziell möglich gemacht hat das Projekt die Sparkasse KölnBonn, die die Stiftung Bonner Klimabotschafter im Jahr 2010 unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn errichtet und bis heute bereits rund 180 000 Euro an Stiftungskapital zur Verfügung gestellt hat. Außerdem hat die Sparkasse aus den Mittel des Zweckertrages aus dem sogenannten PS-Sparen rund 58 000 Euro für die Materialien des Klimaführerscheins zur Verfügung gestellt. Mit dieser Summe ist es möglich, den BONNi & BO-Klimaführerschein auch in den Folgejahren durchzuführen.Vielleicht hat er sich bis dahin längst über die Stadtgrenzen Bonns hinaus ausgebreitet. Denn er hat nicht nur nach Meinung von Prof. André Dicken, Generalbevollmächtigter der Sparkasse KölnBonn und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bonner Klimabotschafter, das Potenzial, zu einem bundesweiten Vorzeigeprojekt zu werden. Stiftungsgeschäftsführer Jürgen Reske hat das Projekt bereits – als eine von drei ausgewählten deutschen Initiativen – beim Dialog “Nachhaltigen Konsum” in Berlin im Bundesumweltministerium sowie beim Aktionstag “RIO+20” der SPD-Bundestagfraktion im Deutschen Bundestag präsentieren können.