19.04.2012 | Oscar-Romero-Haus Bonn: Vortrag "Die Mikrofinanz-Industrie – Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut"

Wer denkt bei dem Stichwort Mikrokredite nicht an Bangladesch, Armutsbekämpfung, Gemeinwohl…? Das positive Image der Mikrokredite als Strategie gegen Armut hält sich bis heute.  Nicht zuletzt wegen der Figur von Muhammad Yunus,über den Entwicklungsminister Dirk Niebel sagt, er habe „mit der Grameen Bank vorgemacht, dass man auch mit ganz armen Menschen nachhaltige Bankgeschäfte tätigen kann“. Dafür bekam Yunus 2006 den Friedensnobelpreis und wurde zum Symbol des guten Samariters.

Soweit die Mär, soweit der Mythos. Weniger bekannt ist die Kehrseite der Mikrofinanz-Industrie, wie die englische Bezeichnung lautet. Es handelt sich um ein Geschäftsmodell, dass Gemeinschaften in Südasien in die Überschuldung treibt. Die Folgen sind psychosozialer Druck, Pfändung und Enteignung bis hin zu Suizid. Dabei sollte schon eine einzige Zahl genügen, um den Glauben an die wohltätige Wirkung der Mikrofinanz zu verlieren: 35 Prozent. So hoch sind die effektiven Zinssätze für Mikrokredite im weltweiten Durchschnitt.

Mit Gerhard Klas kommt ein Journalist nach Bonn, der sich seit Jahren mit diesem Thema befasst. Er hat das erste kritische Buch in deutscher Sprache zum Thema verfasst: “Die Mikrofinanzindustrie – Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut”, das im Februar auf Platz Eins der Sachbuchbestenliste landete. Gerhard Klas wird über Allianzen von Investoren, Banken und NGO´s sprechen, den Paradigmenwechsel der „Entwicklungshilfe“ nachzeichnen, mit den Mythen der Mikrofinanzwelt aufräumen und nicht zuletzt die Querverbindungen zum reichen Deutschland ziehen.

Datum: 19.04.2012, 19:00 Uhr

Ort: Hörsaal 17 im Hauptgebäude der Universität Bonn

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