Universität Bonn: Falschen Klimatrends auf der Spur

Wer wissen will, wie sich das Klima langfristig entwickelt, braucht genaue Messreihen. Doch aufgrund verschiedener Messinstrumente und Standortunterschiede kann es zu künstliche Trends in den Ergebnissen kommen. Internationale Meteorologen unter Beteiligung der Universität Bonn und des Deutschen Wetterdienstes haben verschiedene Methoden auf Herz und Nieren geprüft, wie sich solche Messunterschiede am besten herausrechnen lassen.

„Zur genauen Bestimmung der Klimaentwicklung im vergangenen Jahrhundert sind die Originalaufzeichnungen der Klimastationen unverzichtbar, aber nicht ohne weiteres nutzbar“, sagt Erstautor Dr. Victor Venema vom Meteorologischen Institut der Universität Bonn. Neben echten Klimasignalen könnten sie auch künstliche Änderungen enthalten, etwa dass Städte die Wärme insbesondere nachts besser speichern als ihre Umgebung. Aufgrund wachsender Siedlungen befinden sich viele ursprünglich in Vororten gelegene Messstationen mittlerweile in städtischer Umgebung. „Folglich werden steigende Temperaturen gemessen, ohne dass sich das allgemeine Klima geändert hätte“, berichtet der Wissenschaftler.

Veränderungen der Messmethoden führen zu anderen Ergebnissen
Weitere Unterschiede in den Datensätzen gehen auf Veränderungen der Messmethoden zurück. Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert, als meteorologische Instrumente an Häusern installiert waren, sind diese heute üblicherweise in Wetterhütten aufgebaut. Darüber hinaus wurden Ende des 19. Jahrhunderts Regenmessgeräte meist auf Hausdächern installiert. Heute werden die Geräte auf dem Boden aufgestellt, da die erhöhte Windverwirbelung auf Dächern die Messung beeinträchtigte.

Die Wissenschaftler haben Korrekturmethoden entwickelt
Um diese nicht-klimatischen Effekte von den echten Klimasignalen zu trennen, werden die sehr kleinen Differenzen der Messreihen benachbarter Stationen ausgewertet. Künstliche Änderungen an einer Station führen zu deutlich erkennbaren abrupten Sprüngen in den Differenzen, die in den absoluten Messreihen wegen der hohen natürlichen Klimavariabilität nicht erkennbar wären.

Obwohl alle Korrekturverfahren auf dem gleichen Prinzip basieren, haben sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Methoden etabliert. Die Wissenschaftler führten nun die erste vergleichende Blindstudie dieser Verfahren durch. Hierzu stellte ein Teilnehmer realistische künstliche Klimadaten her, inklusive einiger zusätzlicher Sprünge und Trends. Die übrigen Wissenschaftler sollten diese Inhomogenitäten mithilfe ihrer jeweiligen Verfahren finden und ihre korrigierten Ergebnisse zurücksenden. Da nur der Datenproduzent die künstlich eingefügten Sprünge kannte und die restlichen Forscher dafür “blind” waren, konnte er eine objektive Bewertung aller Methoden durchführen.

In der Klimadebatte wird von einigen Skeptikern behauptet, dass die Korrekturen nicht-klimatischer Effekte zu einer Überschätzung der globalen Erwärmung führen. “Die Ergebnisse dieser Studie widerlegen diese Behauptung”, sagt Dr. Venema. Homogenisierungsverfahren verbesserten die Qualität von Temperaturmessreihen und ermöglichten somit eine genauere Einschätzung des Trends.

Der Artikel zur Studie kann heruntergeladen werden unter: http://www.clim-past.net/8/89/2012

Pressemitteilung