DNR: Wachstumsideologie – Schuld beim absehbaren Scheitern des Klimagipfels in Durban

    Die verhängnisvolle Wachstumsfixierung und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sollen nicht mehr allein zentraler Maßstab für die Entwicklung unserer Gesellschaft sein, so die Botschaft des Deutschen Naturschutzrings (DNR) als Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände in seinem „Godesberger Programm“. „Der Glaube an das unbegrenzte Wachstum der Wirtschaft und nationale Egoismen sind die Ursachen des absehbaren Scheiterns des Klimagipfels in Durban“, sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl. Im Zweifelsfall bedeutet der Glaube an Wachstum mehr als die Verantwortung für die Menschheit, deren ärmster Teil bereits dem Klimawandel zum Opfer fällt.

    Eine lebendige Demokratie, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, soziale Gerechtigkeit und mehr Lebensqualität sind wichtiger als immer mehr zu nutzen und zu besitzen, so der DNR. Das Ziel der deutschen Umwelt- und Naturschutzverbände ist die Beendigung der Auszehrung des sozialen und natürlichen Kapitals der Menschheit. „Das Godesberger Programm“ des DNR bedeutet, dass die Umweltbewegung eine breite gesellschaftliche Kraft geworden ist, die sich nicht nur um die ökologischen Themen kümmert“, betonte DNR-Präsidialmitglied Michael Müller.

    Der DNR bezeichnete das Ende der herkömmlichen Wachstumsökonomie als tiefen Einschnitt. „Wir brauchen neue Modelle der Wohlstandsmessung: dazu gehören der mit der Einkommensverteilung gewichtete private Verbrauch, die Berücksichtigung von Hausarbeit und Ehrenamt sowie als Verringerung des BIP wohlfahrtsmindernde Bereiche, wie die Kosten von Umweltbelastungen und Verkehrsunfällen“. Noch wichtiger aber ist es, dass sich die Politik und die Gesellschaft aus der Geiselhaft des Wachstums befreien.

    Ein solcher nationaler Wohlfahrtsindex bewegt sich seit 2001 im Gegensatz zum BIP ständig nach unten, so der DNR. Grundlage der Nachhaltigkeit ist eine Ökonomie des Vermeidens mit einem ökologischen Sanierungs- und Umbauprogramm für eine Effizienzrevolution bei Energie- und Rohstoffen und einer echten Kreislaufwirtschaft. Bis 2050 muss die 2000 Wattgesellschaft auf der Basis erneuerbarer Energien und ein Strukturwandel in Richtung Regionalisierung und Dezentralität erreicht sein, meinten DNR-Vertreter.

    Flankiert werden muss die Kurskorrektur durch die Regulierung der Finanzmärkte. „Erforderlich ist eine internationale Finanz- und Währungsordnung, die riskante und spekulative Finanztransfers verbietet und eine Finanztransaktionssteuer, um den Umsatz im Finanzsektor zu besteuern“, sagte DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen.

    Der DNR hat nach über einjähriger Vorarbeit sein umfangreiches Programm unter dem Titel „Grenzen des Wachstums – die große Transformation“ in Bonn-Bad Godesberg verabschiedet. Das Papier kann beim DNR abgerufen werden. Zusammen mit DGB und Einrichtungen der Kirchen soll im nächsten Jahr der Transformationsprozess von Wirtschaft und Gesellschaft vorangebracht werden, ein ganz wichtiger Schritt nach vorne.

    Pressemitteilung