Universität Bonn: Nutzpflanze Chinaschilf ist dekorative erneuerbare Energiequelle

Eine der spektakulärsten neuen Nutzpflanzen ist das Chinaschilf (Miscanthus). Das dekorative Gras ist im Spätsommer und Herbst mit seinen filigranen Blütenständen eine Zier vieler Gartenanlagen. Auch als nachwachsender Rohstoff gewinnt Chinaschilf immer mehr an Bedeutung. Die Botanischen Gärten der Universität Bonn haben das Chinaschilf zur Pflanze des Monats Oktober erhoben. Ein schönes Exemplar steht im Nutzpflanzengarten am Katzenburgweg (Miscanthus sinensis cv. Goliath).

Alle Arten des Chinaschilfs stammen aus Ostasien, und einige können innerhalb eines Sommers über 5 Meter hoch werden und haben eine sehr schnelle Wachstumsrate. Die Halme sind dabei sehr standfest und werden bis zu 2 Zentimeter dick. Sie können jeden Winter geerntet werden, ohne Schaden zu nehmen. Chinaschilf ist ein nachwachsender Rohstoff, der sehr hohe Erträge erzielt und aufgrund seines vergleichsweise hohen Gehaltes an Lignin und Zellulose in den Halmen vielfältige Verwertungsmöglichkeiten hat. In der Bauindustrie für Lehmbauten und Dachdeckungen, in Leichtbeton, Dämmplatten und Windschutzmatten, in der Automobilindustrie für Lenkräder und Ölbinder, in der Zellstoffindustrie für Verpackungsmaterial, Papier und für Pappe, im Gartenbau als Torfersatz, in Kultursubstraten und Blumentöpfe sowie in der Energiegewinnung zum Verbrennen und für die Gasgewinnung. In all diesen Bereichen gibt es bereits Anbieter für ein oder mehrere Produkte. Besonders die Energiegewinnung ist interessant: Man kann auf einem Hektar eine Menge von Pflanzenmaterial ernten, die dem Brennwert von 8.000 Litern Heizöl entspricht. Dabei weist das Chinaschilf gegenüber anderen Energiepflanzen dramatische Vorteile in Anbau, Umweltverträglichkeit und Leistungsfähigkeit auf. In der Arbeitsgruppe „Nachwachsende Rohstoffe“ der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn auf dem Campus Klein-Altendorf wird deshalb intensiv an dieser zukunftsträchtigen Pflanze geforscht.

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