SÜDWIND: Armut in Entwicklungsländern konnte kaum reduziert werden

Zum heutigen internationalen Tag der Armutsbekämpfung macht das SÜDWIND-Institut auf die weltweite Armutsproblematik aufmerksam und kritisiert das sinkende Engagement der reichen Industrieländer. Es ist abzusehen, dass die von den Vereinten Nationen als Strategie zur Armutsbekämpfung formulierten Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) nicht erreicht werden können. So leben in Subsahara-Afrika und in vielen Ländern Lateinamerikas nach wie vor mehr als 50 % der Menschen in Armut. Fast jeder siebte Mensch weltweit muss tagtäglich Hunger leiden. SÜDWIND fordert, endlich die versprochenen Mittel für die Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern mit großen Armutsproblemen einzusetzen.

Im Zuge der im Jahr 2000 vereinbarten Entwicklungsziele soll bis zum Jahr 2015 der Anteil von Menschen, die weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, weltweit halbiert werden (bezogen auf 1990). Tatsächlich sind die meisten afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Länder trotz einzelner Fortschritte weit von diesem Ziel entfernt. In Subsahara-Afrika ist der Anteil bis zum Jahr 2005 lediglich von 58 % auf 51 % gesunken, in der Karibik von 29 % auf 26 %. Ein weiteres Ziel ist es, den Anteil von an Hunger leidenden Menschen in den Entwicklungsländern zu halbieren. Die Zahlen sind hier zunächst um 4 % gesunken, stagnieren aber seit 2000 bei 16 %. Nach aktuellen Angaben gibt es weltweit 925 Millionen Menschen, die hungern müssen. Besonders dramatische Folgen hat Armut für die Entwicklung von Kindern. „Auswirkungen des Klimawandels und der Finanzmarktkrise sowie Preisschwankungen und hohe Nahrungsmittelpreise aufgrund von Spekulationen verschärfen diese Armutssituation zusätzlich“, so Dr. Pedro Morazán, zuständig für die Themen Entwicklungszusammenarbeit und Armutsbekämpfung am SÜDWIND-Institut

Wesentlich größer noch ist weltweit die Anzahl von Menschen, die zwar ausreichend Nahrung haben, aber in ärmlichen Unterkünften wohnen und keinen Zugang zu Bildung oder zum regulären Arbeitsmarkt haben. Bei dem Millenniumsziel der Vollbeschäftigung unter annehmbaren Arbeitsbedingungen für Männer und Frauen wurden kaum Fortschritte erzielt. 2008 und 2009 lag der Anteil von Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen am Gesamtarbeitsmarkt der Entwicklungsländer bei 60 %. „Entgegen der neoliberalen Maxime des beständigen Wachstums müssen Mechanismen einer gerechten Weltwirtschaft und des fairen Handels etabliert werden“, so Morazán, „dazu gehören gerechte Löhne für alle, Vereinigungsfreiheit, Sozialstandards und die Abschaffung von Zwangs- und Kinderarbeit.“

Extreme Armut auf der einen – extremer Reichtum auf der anderen Seite. Nach Daten von Boston Consulting ist allein im Jahr 2010 die Zahl der Dollar-Millionäre weltweit um 12 % auf 12,5 Millionen gestiegen. Damit verfügt 1% der Weltbevölkerung über 40 % des globalen Reichtums. Die Schere zwischen arm und reich ist durch die Krise weiter auseinander gegangen und droht, die Mittelklasse aufzulösen und zwei soziale Pole zu schaffen, die ein großes Konfliktpotential darstellen.

Pressemitteilung

Die Industrieländer – und auch die Bunderegierung – schaffen es nicht, ihrer Selbstverpflichtung nachzukommen, 0,7 % des BNE für Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit (ODA) aufzuwenden. Die Einführung der Finanztransaktionssteuer sollte daher mit rechtsverbindlichen Mechanismen zur beschleunigten Erreichung dieses Zieles eingesetzt und mit einer zusätzlichen Klimafinanzierung gekoppelt werden. Schweden zeigt, dass die 0,7 % Marke realisiert werden kann: Hier ist die Höhe von ODA-Zahlungen mit 1 % des BNE im Haushaltsgesetz verankert.

Als Maßnahmen zur Armutsbekämpfung fordert das SÜDWIND-Institut konkret: 1. die Einhaltung und gesetzliche Verankerung des 0,7 % Ziels, 2. Investitionen in soziale Sicherungssysteme, 3. Förderung menschenwürdiger Arbeit und beschäftigungswirksamer Maßnahmen, z.B. durch Investitionen in klein- und mittelständische Betriebe, 4. eine neue Entwicklungsausrichtung mit Verstärkung von Investitionen in Binnenwachstum und -nachfrage sowie in den Aufbau lokaler Produktions- und Weiterverarbeitungskapazitäten und 5. die zusätzliche Finanzierung von Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel.