Imke Jens hat in ihrer Bachelorarbeit ausgesuchte Rohkakaoproben untersucht, um deren Resistenzeigenschaften gegenüber pilzlicher Krankheitserreger zu analysieren. Bei den untersuchten Rohkakaosorten handelt es sich um Sorten, die in der Agro-Forstwirtschaft von ForestFinance angebaut werden. Die Studie konnte belegen, dass alle Kakaosorten des Bonner Unternehmens eine hohe Qualität haben.

In unserer Reihe “Die Zukunftsforscher – Junge Wissenschaftler forschen zur Nachhaltigkeit” stellen wir monatlich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Arbeiten vor.


© Imke Jens
© Imke Jens

Porträt: Imke Jens

 

 

 

Die Bedrohung des Kakaoanbaus durch Pilzpathogene in Mittel- und Südamerika – Qualitätsanalysen an Rohkakao von teilresistenten Klonen

 

 

 

 

 

 

 

 

Bachelorarbeit, 2011

 

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Life Sciences

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bonn Sustainability Portal: Liebe Frau Jens, womit haben Sie sich in Ihrer Bachelorarbeit beschäftigt?

Frau Jens: In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit der Bedrohung des Kakaoanbaus in Süd- und Mittelamerika durch verschiedene Pilzpathogene (pilzliche Krankheitserreger) beschäftigt. In der Arbeit bin ich gleichermaßen auf die Qualitätsanalye ausgewählter Rohkakaoproben (welche Resistenzeigenschaften gegenüber bestimmten Pathogenen ausweisen) eingegangen. Als Rohkakao bezeichnet man fermentierte und getrocknete Kakaobohnen. Erst wenn die Kakaobohne im Zuge des Verarbeitungsprozesses geschält und geröstet wird spricht man von Kakao. Das allgemeine Ziel der Arbeit war es die Qualität der Bohnen zu bestimmen.

Der theoretische Teil gibt einen Überblick zum Thema Rohkakao. Darin werden unter anderem Themen wie Anbau, Ernteverfahren, Nacherntebehandlungen und die gefährlichsten Pilzpathogene im süd- und mittelamerikanischen Raum beschrieben. Auch Parameter zur Qualitätsbeurteilung von Rohkakao werden erläutert.

Im zweiten Teil der Arbeit folgt die Qualitätsanalyse und -beurteilung fünf ausgewählter Rohkakaoproben. Die Rohkakaoproben stammen aus Panama und wurden mir vom „Centro Agronónico Tropical de Investigación y Ensenanza“ (kurz CATIE) zur Verfügung gestellt. Bei den Proben handelt es sich um Genotypen (haben eine unterschiedliche genetische Ausstattung) mit Resistenzeigenschaften gegenüber bestimmten Pilzpathogenen, welche in Mittel- und Südamerika immer wieder zu großen Ernteverlusten führen. Die Analyse sollte dabei helfen, die Qualität der Bohnen zu überprüfen, um zu sehen, ob sich ein großflächiger Anbau künftig lohnen würde.

Welches ist das für Sie bedeutenste Ergebnis Ihrer Arbeit?

Die Werte für Fettgehalt, Aminosäuren, reduzierende Zucker und Purine (Koffein und Theobromin, wirken beide anregend auf den menschlichen Organismus), machten die Hochwertigkeit der Bohnen deutlich. Auch das durchschnittliche Bohnengewicht und der meist geringe Anteil an nicht vollständig fermentierten Bohnen bestätigen die Bohnenqualität. Da sie ausgeprägte Resistenzeigenschaften gegenüber gefährlichen Pilzpathogenen besitzen ist es möglich, bei großflächigem Anbau die durch Pilzpathogene bedingten Ernteverluste zu minimieren.

Was kann Ihrer Ansicht nach beim Anbau von Kakaobohnen verbessert werden?

In Bezug auf konventionellen Kakaoanbau im Allgemeinen lässt sich sagen, dass bei großflächigem Einsatz der untersuchen Genotypen der Fungizideinsatz erheblich gemindert werden kann. Mensch und Natur werden dadurch erheblich weniger belastet. Auch der Arbeitsaufwand bei der Bewirtschaftung der Plantagen kann dadurch verringert werden.
Die fortwährende Suche nach weiteren Genotypen mit Resistenzeigenschaften gegenüber bestimmter, variierender Pathogene könnte den Weltmarkt verändern. Solange in den betroffenen Gebieten keine anderen Pathogene an Bedeutung gewinnen, hätten die Bauern eine größere Sicherheit bezüglich des jährlichen Ernteertrages. Auch empfindliche (z. B. Edelkakao-) und anfällige Sorten könnten eventuell wieder konventionell angebaut werden, da sich das Risiko eines pilzbedingten Ernteverlustes minimieren ließe.

Welchen praktischen Nutzen hat Ihre Arbeit?

Aufgrund der Ergebnisse haben die Forscher des CATIE die Möglichkeit, die Qualität ihrer Kakao-Genotypen einzuordnen und gegebenenfalls zu verbessern. Die Bestätigung der guten Kakaoqualität könnte dazu führen, dass die Genotypen in Zukunft großflächig von Kakaofarmern angebaut werden, da sie ihnen eine gewisse Ertragssicherheit geben.

Wo besteht weiterer Handlungsbedarf?

Aus meiner Sicht ist es innerhalb der Kakaowirtschaft wichtig, die Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung direkt an die Produzenten weiterzugeben. Die Bauern vor Ort sollten im richtigen Umgang mit der Rohware Kakao geschult werden. Ganz besonders wichtig ist dabei die Vermittlung der Erkenntnisse über den großen Einfluss der Fermentation und Trocknung der Kakaobohnen (Nachernteverfahren) auf die Qualität des Rohkakaos. So werden viele als minderwertig eingestufte Rohkakaosorten allein aufgrund der fälschlichen Nacherntebehandlung in ihrem Wert gemindert. Eine vorzeitig beendete Trocknung kann zum Beispiel einen erhöhten Wassergehalt in der Rohware bedeuten. Die Bohnen beginnen auf den langen Transportwegen zu schimmeln, Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) reichern sich in den Bohnen an und gelangen so auch ins Endprodukt. Eine verbesserte Qualität des Rohkakaos würde für die Bauern auch einen höheren Verdienst bedeuten und so eine Verbesserung ihres Lebensstandards ermöglichen.

Was ist Ihr ganz persönlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit?

Ich versuche „vernünftig“ zu konsumieren. Soweit möglich setze ich auf saisonale und regionale Lebensmittel, unterstütze fair gehandelte Produkte sowie organische Mode. Seit vielen Jahren nutze ich fast ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel. Außerdem finde ich es wichtig, mit anderen über Themen wie „Nachhaltigkeit“ zu diskutieren, sie so zum Nachdenken zu bringen und vielleicht auch ein Umdenken zu bewirken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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