Denkwerk Zukunft: Zwischenruf "It takes two to tango"

    Die früh industrialisierten Länder scheinen keinen Ausweg mehr aus ihrer Krise zu finden. Verwunderlich ist dies nicht. Denn sie haben jahrzehntelang ein berauschendes Fest gefeiert, für dessen Kosten sie jetzt zur Kasse gebeten werden. Oder anders gewendet: Um Wachstums- und Wohlstandsillusionen zu nähren, haben sie Schuldenberge aufgetürmt, die sie jetzt zu erdrücken drohen.

    Die Schuldigen hierfür werden fast ausschließlich bei der Politik gesucht. Auch in Deutschland ist es in erster Linie die Regierung, die für Schuldenanstieg, Euro-Krise und Börsencrash verantwortlich gemacht wird. Gewiss, der Staat hat sich auf unverantwortliche Weise übernommen. Aber dies ist nur die halbe Wahrheit. Wie bei einem Streit gehören auch in der Demokratie immer zwei dazu: Staat und Bürger. Letztere haben zu den Schuldenexzessen der letzten Jahre und Jahrzehnte genauso beigetragen wie Politik und Staat. Die Bürger verlangten vom Staat Leistungen, die sie in keiner Weise erarbeiten konnten. Der Staat war nur allzu bereit, diesem Begehren nachzukommen.

    Der Weg aus der Schuldenfalle ist nur möglich, wenn Bürger und Staat an einem Strang ziehen. Der Staat muss seine Ausgaben den ordentlichen Einnahmen anpassen und darüber hinaus Schulden abbauen. Die Bürger müssen wieder mehr Aufgaben übernehmen. Darüber hinaus dürfen sie vom Staat nichts verlangen, was sie nicht zu erwirtschaften bereit sind. Und schließlich müssen sie die Politiker bei ihren Sparbemühungen aktiv unterstützen.

    Stefanie Wahl ist Geschäftsführerin des Denkwerks Zukunft – Stiftung kulturelle Erneuerung

    Zwischenruf