Julia Kloos hat ihre Doktorarbeit der Thematik der Wasserversorgung im Flusseinzugsgebiet „Middle Olifants“ in Südafrika gewidmet. Im Besonderen hat sie sich mit der Zahlungsbereitschaft von Haushalten für einen verbesserten Wasserservice auseinandergesetzt und Faktoren ermittelt, die die Zahlungsbereitschaft beeinflussen.

In unserer Reihe “Die Zukunftsforscher – Junge Wissenschaftler forschen zur Nachhaltigkeit” stellen wir monatlich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Arbeiten vor.


© Julia Kloos
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Porträt: Julia Kloos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Valuation of domestic water use in the Middle Olifants sub-basin of South Africa

 

Dissertation, 2011

Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik,

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bonn Sustainability Portal: Liebe Frau Kloos, mit welchem Thema haben Sie sich in Ihrer Dissertation beschäftigt?

Frau Kloos: Meine Doktorarbeit befasst sich mit der Wassernutzung und der Zahlungsbereitschaft von Haushalten für Wasser in einem Teil eines Flusseinzugsgebiets, den „Middle Olifants“,  in Südafrika. In diesem Gebiet ist Wasser sehr knapp und wird gegenwärtig stark übernutzt- auf Kosten des Ökosystems. Die Wassernutzer sind in erster Linie Farmer, die ihre Felder bewässern, Bergwerke und – natürlich- Haushalte.  Dazu habe ich eine Umfrage vor Ort durchgeführt und die Haushalte zu ihrem Wasserverbrauch, ihren Nutzungsgewohnheiten sowie ihrer gegenwärtigen Wasserversorgungssituation befragt. Schwerpunkt meiner Studie war es, die Zahlungsbereitschaften für Wasser abzuschätzen. Die Zahlungsbereitschaft ist hier definiert als die maximale Geldmenge die Haushalte bereit sind für eine Verbesserung ihrer Wasserversorgung zu bezahlen.  Da es für die Haushalte entscheidend ist, wie sie an ihr Wasser gelangen, variiert die Zahlungsbereitschaft je nach Art der Wasserquelle und des ‚Service ‘ (z.B. wie oft pro Woche Wasser verfügbar ist, Entfernung der Wasserquelle vom Haus, Wartezeit etc.).

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© Julia Kloos

Welches ist die für Sie neueste Erkenntnis?

Die Analyse zur genutzten Wassermenge zeigt, dass Haushalte mit Zugang zu „basic water services“ also z.B. öffentlichen Wasseranschlüssen oder einem einzigen Wasseranschluss auf dem Grundstück sehr wenig, durchschnittlich etwa 19 l pro Kopf und Tag, Wasser verbrauchen. Das ist weniger als von der WHO an Mindestwasserverbrauch empfohlen wird.

Insgesamt ist die Wassersituation in den Middle Olifants sehr inhomogen. Generell sind die Haushalte bereit, für eine bessere Versorgung mit Wasser zu bezahlen. Allerdings haben nicht alle Haushalte die gleiche Zahlungsbereitschaft. Die Studie zeigt deutlich, welche Faktoren die Zahlungsbereitschaft beeinflussen. Dabei spielen Haushaltsmerkmale wie sozio-ökonomische Faktoren (Alter und Geschlecht) – insbesondere aber Haushaltseinkommen, die gegenwärtige Wasserversorgung, Zufriedenheit mit dieser und Einstellungen zu Wasserpreisen eine signifikante Rolle. Anhand dieser Faktoren sowie der Präferenzen für bestimmte Serviceleistungen bei der Wasserversorgung lassen sich Haushalte in homogene Gruppen mit ähnlicher Zahlungsbereitschaft einteilen.

Welchen praktischen Nutzen hat Ihre Arbeit?

Das Projekt („Integriertes Wasserressourcenmanagement (IWRM) Pilotprojekt mittlerer Olifants“[1]), in dem diese Arbeit durchgeführt wurde, hat von Anfang an eng mit dem nationalen Wasserministerium, südafrikanischen Universitäten  und Forschungseinrichtungen zum Thema Wasser sowie den zuständigen Behörden vor Ort zusammengearbeitet. Dadurch sind wir auch auf die Middle Olifants aufmerksam geworden, da es sich hier um eine überwiegend ländliche Region in der ärmsten Provinz Südafrikas handelt, zu der bisher relative wenig Forschung betrieben worden ist.  Zu dem gibt es bereits viele Daten zu den hydrologischen Gegebenheiten, aber nur sehr wenige ökonomische Daten. Für die Planung ist es aber sehr wichtig zu wissen, wie viel Wasser gegenwärtig genutzt wird und wie stark sich die Nachfrage der verschiedenen Wassernutzer ändert, wenn sich der Preis von Wasser verändert. In Bezug auf die Haushalte konnte die Studie zeigen, inwieweit Haushalte für verbesserten Wasserservice bereit wären zu bezahlen. Dadurch können die Gemeinden („local municipalities“ oder „district municipalities“), die für die Wasserversorgung zuständig sind, entsprechende Prioritäten setzen und die Serviceverbesserungen, die den Haushalten am meisten wert sind, durchführen.

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© Julia Kloos

In Bezug auf die genutzte Wassermenge hat sich gezeigt, dass Haushalte sehr wenig Wasser nutzen, selbst städtische Haushalte mit einer guten Wasserversorgung (Privater Wasseranschluss, mit mehr als 5 Tagen Wasser pro Woche) verbrauchen nur durchschnittlich 78 Liter pro Tag und Person. Zum Vergleich: In Deutschland geht der Wasserverbrauch zurück. Momentan  beläuft er sich auf 123 Liter pro Tag und Einwohner (für 2008, BGW Jahresbericht 2009).

Um eine nachhaltige Wassernutzung zu erreichen, müsste die bisher von allen Nutzern genutzte Wassermenge in den Middle Olifants in etwa halbiert werden. Hier kann aber kaum bei den Haushalten eingespart werden. Unsere Projektergebnisse zeigen, wie eine ökonomisch effiziente Wasserverteilung zwischen den Wassernutzergruppen (Bewässerungslandwirtschaft, Bergbau und städtische Haushalte) aussieht. Um dies zu erreichen, müssten die Wasserpreise deutlich angehoben werden.

Wo besteht weiterer Forschungsbedarf?

Da unsere Projektergebnisse zeigen, dass aus ökonomischer Sicht deutlich weniger Wasser für die Bewässerungslandwirtschaft, die bisher mit Abstand der größte Wasserverbraucher in der Region ist, zur Verfügung gestellt werden sollte, diese aber auch Arbeitgeber für viele Menschen in der Region sind, stellt sich natürlich die Frage, wie das Wasser möglichst effizient genutzt werden kann. Dabei besteht Forschungsbedarf sowohl in Bezug auf verbesserte Bewässerungstechniken, als auch auf die angebauten Nutzpflanzen. Es stellt sich die Frage, inwieweit z.B. die Möglichkeit besteht, die Produktion auf weniger wasserintensive Nutzpflanzen umzustellen.

Forschungsbedarf besteht weiterhin vor allem in der Implementierung einer nachhaltigen Wassernutzung, die bereits in der südafrikanischen Wassergesetzgebung verankert ist. Welche Strukturen und Institutionen müssten beispielsweise vor Ort geschaffen bzw. verbessert werden, damit Wasser effizient und nachhaltig genutzt wird?

Ein weiterer Punkt ist die sich verschlechternde Wasserqualität in der Untersuchungsregion. Schwermetalle aus saurem Grubenwasser alter, stillgelegter Minen und hohe Phosphatkonzentrationen durch Abwässer, die nur teilweise oder gar nicht geklärt wurden, sind hier die Hauptverursacher.

Was ist Ihr ganz persönlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit?

Ich fahre fast jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Außerdem lebe ich seit mehr als 10 Jahren vegetarisch. Dabei versuche ich mich bewusst zu ernähren, kaufe viele Bio- und Fairtrade-Produkte und achte auf saisonales und regionales Obst und Gemüse. Als Konsumentin habe ich immer mehr die Möglichkeit, nur solche Produkte zu kaufen, mit deren Herkunft und Herstellung ich auch einverstanden bin.

Die Doktorarbeit wurde im Cuvillier Verlag als Buch veröffentlicht: Link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bitte kontaktieren Sie uns hier, um mit der Autorin in Kontakt zu treten oder um einen Auszug der Arbeit zu erhalten.

 

 

 

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[1] „IWRM Pilotprojekt Mittlerer Olifants/Südafrika mit Technologietransfer durch ein Franchise-Konzept“ des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) an der Universität Bonn und des Instituts für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten / Herdecke gGmbH (IEEM).
www.iwrm-southafrica.de