Deutsche Telekom und Deutsche Umwelthilfe: 10 000 Euro für mehr Artenvielfalt im Bonner Stadtwald

Die Stadt Bonn hat den Zuschlag für die Förderung eines ganzheitlichen Naturschutzprojekts im Wald bekommen. Die Telekom suchte gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe vor dem Hintergrund der  Biodiversitätsdiskussion im „Internationalen Jahr der Wälder“ passende Projekte. Aufgrund des Unternehmenssitzes in Bonn war der Telekom ein lokaler Bezug wichtig. Das Amt für Stadtgrün bewarb sich erfolgreich mit seinem Buchen-Aufforstungsprojekt im Godesberger Stadtwald. 10 000 Euro stellt das Bonner Telekommunikationsunternehmen der Stadt Bonn nun zur Verfügung. Am Montagnachmittag (6. Juni) trafen sich der Bonner Umweltdezernent Rüdiger Wagner, Dieter Fuchs, Leiter des Amtes für Stadtgrün, sowie Stadtförster Sebastian Korintenberg mit Vertretern der Deutschen Telekom und der Deutschen Umwelthilfe vor Ort, um das Projekt vorzustellen.

Fichtenmonokultur wird mit Buchen aufgeforstet

René Raffel, Leiter der Business Excellence & Quality Technology von T-Mobile, und Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, informierten sich gemeinsam mit rund zehn Telekom-Mitarbeitern über das Projekt. In einem ersten Schritt halfen sie dabei, eine Buchenkultur freizustellen. Der Pflanzung der Buchen (Fagus sylvatica) erfolgt erst im Herbst. Bei dem rund 2,75 Hektar großen Pflanzgebiet handelt es sich um ein FFH- und Naturschutzgebiet, in dem überwiegend Fichten mit einem Alter von 66 bis 101 Jahren stehen. Die 50 bis 80 Zentimeter hohen Buchen werden unter den Altbestand gepflanzt. Die Buche kann als Schattbaumart mit weniger Licht und Wasser auskommen und wächst langsam im Schutz des Altbestandes heran. Insgesamt werden rund 6500 Buchen auf der Fläche gepflanzt. Geplant ist zudem, Waldbesucher durch barrierefreie Infotafeln an der nahe liegenden Schutzhütte an das Projekt heranzuführen. Zusätzlich werden Flyer für das Haus der Natur angefertigt, die Informationen über das Projekt enthalten und über den naturnahen Waldbau informieren.

Bis zu 7 000 Arten leben im Buchenmischwald

Im Gegensatz zu einer Fichtenmonokultur kommen in einem Buchenmischwald bis zu 7 000 verschiedene Arten vor. Das Bodenleben kann sich besser entfalten, da der Boden eher mit Mull bedeckt ist und von einem vorher sauren ph-Wert in einen basischeren Bereich übergeht. Krautige und verholzende Pflanzen können sich wieder natürlich verbreiten und verjüngen, da keine dicke Rohhumusschicht mehr den Samen vom Keimen abhält. Typische Buchenwaldarten wie Waldmeister, Wald-  und Bingelkraut, Buschwindröschen, Zwiebelzahnwurz, Hainsimse, Bärlauch, hohler Lärchensporn, Eichen- bzw. Buchenfarn und die Wald-Schlüsselblume werden so schnell wieder sichtbar.

Neben den verschiedenen Baumschichten kann sich auch eine lichte Strauchschicht entwickelt, die weitere Lebensräume für Tiere bietet: verschiedene Fledermausarten, Spechte, Eremit, Rauhfußkauz, verschiedene Schnecken, Buchenspinner, Buchenrotschwanz, Buchenspringrüssler, Buchenbockkäfer, Kopfhornschröter, Buchfink und der große Goldkäfer fühlen sich dort wohl. Je älter die Buche wird, desto ökologisch wertvoller ist sie. Gerade für Totholzbewohner im liegenden und stehenden Holz ist die Buche überlebenswichtig.

Zum Hintergrund

Viele Arten und Lebensräume in deutschen Wäldern sind akut gefährdet. Der „Naturschutzfonds Lebendige Wälder“ von der Deutschen Telekom und der DUH unterstützt deshalb vorbildliche, herausragende Projekte für den Arten- und Naturschutz, die zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen. Im EU-weiten Vergleich zählt Deutschland sogar zu den waldreichsten Ländern. Doch viele Arten und Lebensräume in unseren Wäldern sind bedroht, denn rund 98 Prozent der Wälder in Deutschland werden forstwirtschaftlich genutzt. Die meisten Bäume werden lange vor ihrem natürlichen Ende „geerntet“ und Tot- und Altholz wird zunehmend aus dem Wald geholt und zu Hackschnitzeln oder Holzpellets verarbeitet.

Ursprünglich herrschten die natürlicherweise hierzulande vorkommenden Buchen und Eichen vor. Heute bilden sie im Durchschnitt nur noch 14,8 beziehungsweise 9,6 Prozent des Waldes. Fast zwei Drittel der Waldfläche besteht aus naturfernen Fichten- und Kiefernforsten.

Der Bonner Stadtwald weist einen Laubholzanteil von fas 80 Prozent auf – Tendenz steigend. Die Hauptbaumarten sind Eiche und Buche mit einem Anteil von rund 40 Prozent. Für die Biodiversität sind die vorhandenen Buchen- und Eichenmischwälder von großer Bedeutung. In Bonn wird der Wald seit mehr als 30 Jahren nach den Grundsätzen der naturnahen Waldwirtschaft im Naturland-Zertifikat bewirtschaftet. Das Holz wird nach den strengen Regeln des Forest Stewardship Councils (FSC) verkauft.

Pressemitteilung