Stadt Bonn: Den Flattertieren auf der Spur – Das Bonner Fledermausprojekt

Die Bonner Kirchen bieten zahlreiche potenzielle Herbergen für Fledermäuse. Das ist das vorläufige Ergebnis der seit 2009 laufenden Untersuchung zu Fledermäusen in der Stadt Bonn. Die Untere Landschaftsbehörde untersuchte in enger Zusammenarbeit mit dem Bonner Arbeitskreis für Fledermausschutz (BAFF) schwerpunktmäßig die Bonner Kirchen. Denn Dachstühle von Kirchen und ihrer Nebengebäude, wie beispielsweise Glockentürme, können bedeutsame Lebensräume für gebäudebewohnende Fledermausarten darstellen.

Zahlreiche Hinweise auf Fledermäuse in den Bonner Kirchen
Insgesamt wurden 34 Kirchen im Bonner Stadtgebiet untersucht. Vorrangig wurden Gebäude untersucht, die über einen geräumigen Holzdachstuhl sowie einen Glockenturm verfügen. Aufgrund der Größe und der Konstruktion stehen den Tieren dort unterschiedlichste Versteckmöglichkeiten und kleinklimatische Verhältnisse zur Verfügung.
In 22 der 34 untersuchten Kirchen konnten Hinweise auf Fledermäuse nachgewiesen werden. Da die Tiere sehr versteckt leben, beschränken sich die Nachweise in aller Regel auf Kotspuren. An fast allen Fundorten konnte frischer Kot festgestellt werden. Mit Ausnahme von sechs Kirchen, die sich in unmittelbarer Rheinnähe beziehungsweise am Rande des Ennerts befinden, waren die vorgefundenen Mengen jedoch sehr gering.
Eine Ursache dafür sind fehlende Einflugmöglichkeiten. Verständlicherweise wurden Öffnungen im Dachbereich häufig taubensicher verschlossen. Ein weiteres Problem kann die Behandlung des Holzes, mit für Fledermäuse toxisch wirkenden Imprägnierungsmitteln, darstellen.

Mehr Einflugmöglichkeiten zum Schutz der Fledermäuse
Die Bonner Kirchen beherbergen grundsätzlich ein hohes Potenzial zum Schutz der heimischen Fledermäuse. Da es insbesondere an Einflugmöglichkeiten mangelt, wäre eine Öffnung in ausgewählten Bereichen sehr wünschenswert und lohnend für den Artenschutz. Fledermäuse benötigen lediglich einen Spalt von zwei Zentimeter Höhe und einer Breite von 20 Zentimeter; für Tauben sind diese Größenordnungen nicht passierbar. Ohne großen Aufwand könnten in einzelnen Dachstühlen auch weitere Verstecke geschaffen werden, was für eine Ansiedlung von Fledermäusen förderlich wäre. Sofern eine Behandlung des Holzes erforderlich wird, rät die Untere Landschaftsbehörde, auf umweltfreundliche Mittel zurückzugreifen.

Zwergfledermaus wurde am häufigsten nachgewiesen
Nach Aufrufen der Unteren Landschaftsbehörde, Sichtungen von Tieren zu melden, gingen beim Bonner Arbeitskreis für Fledermausschutz und der Unteren Landschaftsbehörde 132 Meldungen aus der Bevölkerung ein. Zehn Meldungen bezogen sich auf konkrete Quartiersmeldungen. Die Untere Landschaftsbehörde bedankt sich für diese aktive Unterstützung und das Interesse. Auf Grundlage der Anzahl von Meldungen wurden die Untersuchungen 2010 zunächst in Kessenich, Dottendorf, Friesdorf, Teilen von Schweinheim und Poppelsdorf sowie im Johanniterviertel vertieft. Als mit Abstand häufigste Art konnte die Zwergfledermaus nachgewiesen werden; vereinzelt gelang der Nachweis des Großen Abendseglers.

Alle Fledermausarten sind bedroht
Die Stadt Bonn führt seit 2009 in Zusammenarbeit mit dem BAFF ein mehrjähriges Projekt zur Erfassung von Fledermäusen durch. Ziel ist es, einen Überblick über das Artenspektrum und die Verteilung der einzelnen Arten zu erhalten und herauszufinden, welche Arten die städtisch geprägten Strukturen vorrangig als Lebensraum nutzen und wo sich Schwerpunktvorkommen befinden. Dies beinhaltet zum Beispiel die Erfassung von Quartieren, aber auch die Ermittlung der Jagdreviere und bevorzugter Flugrouten. So lassen sich geeignete Maßnahmen zum Schutz der Tiere entwickeln. Denn alle Fledermausarten sind bedroht und daher in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten sowie im Anhang IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt.

In Exkursionen auf den Spuren der Flattertiere
Auch 2011 wird das Bonner Fledermausprojekt weiter geführt. Von Mai bis September werden fünf Abendexkursionen in verschiedenen Stadtteilen angeboten. Interessierte Bürgerinnen und Bürger erhalten hier Gelegenheit, mehr über die heimliche Lebensweise dieser gefährdeten Tiergruppe zu erfahren und mit etwas Glück können Fledermäuse in Aktion erlebt werden:

  • Freitag, 27. Mai, 21 Uhr, Graurheindorf: Treffpunkt Eingang „Haus am Müllestumpe”, An der Rheindorfer Burg 22
  • Freitag, 17. Juni, 21 Uhr, Oberkassel: Treffpunkt Parkplatz Ecke Am Buschhof/Am Magdalenenkreuz (Nähe St. Cäcilia)
  • Freitag, 15. Juli, 21 Uhr, Schweinheim: Treffpunkt Haupteingang Burgfriedhof, Am Burgfriedhof
  • Freitag, 19. August, 20.30 Uhr, Duisdorf/Lessenich: Treffpunkt Parkplatz am (neuen) Duisdorfer Friedhof, Schmittgasser Kirchweg
  • Freitag, 16. September, 20 Uhr, Weststadt/Südstadt: Treffpunkt Baumschulwäldchen, vor dem kurfürstlichen Gärtnerhäuschen, Eingang Beethovenplatz.

Die Exkursionen sind kostenlos, sie dauern rund 1,5 Stunden und sind auch für Kinder geeignet.

Stadt Bonn bittet Bürger weiterhin um Mithilfe
Die Untere Landschaftsbehörde der Stadt Bonn bittet auch weiterhin um Mithilfe aus der Bevölkerung. Interessant wäre es vor allem herauszufinden, wo die Tiere ihre Sommerquartiere beziehen. Daher bittet die Landschaftsbehörde um Hinweise, wenn Fledermausausflüge aus Dächern, Fassadenverkleidungen oder anderen Gebäudebereichen beobachtet werden. Die günstigste Zeit dafür ist die beginnende Dämmerung.

Weitere Informationen erteilt Rita Budde von der Unteren Landschaftsbehörde im Amt für Umwelt, Verbraucherschutz und Lokale Agenda, Telefon: 77 4531, E-Mail. Beim Bonner Arbeitskreis für Fledermausschutz steht Alexandra Königsmark unter Telefon 9107220, E-Mail: info@der-baff.de als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Weitere Infos über Fledermäuse und weiterführende Links finden sich unter www.der-baff.de und www.bonn.de, Suchbegriff: @fledermaus

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