SÜDWIND: Kein frohes Osterfest für die Kakaobauernfamilien in der Elfenbeinküste

Rechtzeitig zu Ostern scheinen die schlimmsten Tage der gegenwärtigen Krise im Kakaoland Elfenbeinküste gezählt zu sein: Nach einem bitteren Konflikt tritt Präsident Alassane Ouattara sein Amt an. Während die humanitäre Not im Land groß bleibt, werden in Kürze wieder Ausfuhren von Kakao erwartet, dem wichtigsten Exportgut des Landes. VOICE, ein europäisches Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften, das sich für einen nachhaltigen Wandel im Kakaosektor einsetzt, verlangt von der Kakaoindustrie, nicht erneut zurück zur Tagesordnung über zu gehen. Gefordert wird, den schlimmsten Formen von Kinderarbeit endlich ein Ende zu setzen und eine nachhaltige Kakaobeschaffungskette aufzubauen.

Die Wurzeln des seit über einem Jahrzehnt währenden Konflikts in der Elfenbeinküste liegen in der Armut in der Region. Extrem niedrige Einkommen aus der Kakaoproduktion, Bildungsdefizite und fehlende langfristig angelegte Investitionen in die Weiterbildung von Bauernfamilien sind die zentralen Gründe für extreme Armut und Unzufriedenheit im Land. Dies hat zur Verbreitung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit, Perspektivlosigkeit und Landflucht unter der jungen Generation, zu gewalttätigen Konflikten zwischen Migranten und der lokalen Bevölkerung sowie zu einer Geringschätzung von Umweltbelangen geführt. Dies trifft insbesondere auf die 800.000 Kakaobauern, ihre Familien und Arbeitskräfte zu, die das wichtigste Exportgut des Landes, Kakao, produzieren.

Die kakaoverarbeitenden Unternehmen erkennen diese massiven Probleme teilweise an. In den letzten zehn Jahren wurden mehrere Initiativen ins Leben gerufen, um dem zunehmenden Zerfall der Angebotskette von Kakao, die alle beteiligten Akteure akut betrifft, entgegenzuwirken. Doch die Armut in den ländlichen Gebieten der Elfenbeinküste hat in der Zwischenzeit zugenommen.

Mit den Osterfesttagen und dem damit einhergehenden Höhepunkt des Schokoladenkonsums in Europa und den USA vor Augen, hat die Universität von Tulane (New Orleans) ihren letzten Bericht über die schlimmsten Formen von Kinderarbeit in den Kakaoanbaugebieten Westafrikas belegt, dass die gravierenden Probleme des Sektors nach wie vor bestehen. Die derzeitigen Anstrengungen der Schokoladenindustrie, die schlimmsten Formen von Kinderarbeit und Armut auf den Farmen abzuschaffen, verfehlen die Versprechen der Vergangenheit bei Weitem.

Es ist höchste Zeit für einen Wandel! Der Kakaoexport beginnt nun unter einem neuen Präsidenten wieder und die Kakaoindustrie darf nicht zu einem „business as usual“ zurückkehren. Kakaoaufkäufer und -weiterverarbeiter wie Nestlé, Mars, Kraft, Ferrero, Hershey’s, Barry Callebaut, ADM und Cargill müssen diese Gelegenheit wahrnehmen, um mit dem Aufbau einer transparenten Angebotskette zu beginnen, die angemessene Lebensverhältnisse für alle Beteiligten sicherstellt, die Kakaobauernorganisationen stärkt und die schlimmsten Formen von Kinderarbeit sowie extreme Armut unter Kakaobauern im ganzen Land beseitigt. Zurück zur Tagesordnung zu gehen, nachdem der Export unter dem neuen Präsidenten Ouattara wieder anläuft, ist keine Option. VOICE fordert, dass die Industrie ihre soziale und politische Verantwortung endlich anerkennt und sie jetzt wahrnimmt.

Pressemitteilung