EED: Zwei Jahre Stillstand

Die weltweite Politik- und Wirtschaftselite tagte bis Sonntag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Hauptthema: Die Weltwirtschaft nach der Finanzkrise. Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) fordert vom Treffen klare Leitlinien für eine effektive Regulierung der Finanzmärkte.” Von Davos muss ein starkes Signal für die Regulierung schädlicher Nahrungsmittel-, Rohstoff- und Finanzspekulationen ausgehen. Wir brauchen ein gerechteres Weltfinanzsystem”, sagt Peter Lanzet, EED-Experte für Entwicklungsfinanzierung.

Peter Lanzet ist sich sicher: “Wenn sich aus der Debatte in Davos ein klares Votum zur Eindämmung der Nahrungsmittel- und Ressourcenspekulationen ergibt, wird dies die Politik der Staatschefs der G8 und G20 auf den Gipfeln in Frankreich in diesem Jahr beeinflussen.” Die bisherige Diskussion auf dem Davoser Weltwirtschaftsforum nähme die Probleme gerade bei Welternährung zu leicht, die Lage sei äußerst ernst. “In den letzten zwölf Monaten sind die Preise von Mais, Weizen und Zucker explodiert. Sie stiegen meist um 50 Prozent, Kokosöl sogar um rund 120 Prozent”, berichtet Stig Tanzmann, EED-Experte für Welternährungsfragen. In vielen Ländern der Welt sei dadurch die Ernährungsbasis großer Teile der Menschen bedroht. “Sicher gibt es auch natürliche Ursachen für diesen Preisanstieg wie Dürren oder Schädlingsbefall, doch Nahrungsmittelspekulationen wiegen hier schwerer.”

Eine der Ursachen der aktuellen Preisexplosion bei wichtigen Nahrungsmitteln liege kurioserweise in den Konjunkturprogrammen der Industrieländer. Sie wurden aufgelegt, um die Auswirkungen der Finanzkrise abzumildern. Sie füllen aber auch die Spekulationskassen der Finanzinstitutionen und Banken. “Die Banken investieren das billige Geld in Ländern wie Indien oder Indonesien. Dort meist in kurzfristige, hochverzinste Anleihen, den Ressourcenmärkten oder Warenterminbörsen”, so Lanzet. Dies verspreche höheren Profit als das normale Kreditgeschäft.

Das so angelegte Geld der Banken treibe oft die Inflation in den Empfängerländern. “Bei den Familien der Armen kann ein Prozent Inflation mehr direkt weniger Nahrung auf dem Tisch bedeuten”, erklärt Stig Tanzmann. “Es besteht zudem die Gefahr der Überhitzung in den Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkten mit anschließenden drastischen Kurskorrekturen“, warnt Lanzet. Nationale Banken in Europa oder Amerika könnten dann in den Strudel gerissen werden und es könne zu irischen Verhältnissen bei der Staatsverschuldung kommen. Abhilfe könne nur eine effektivere Regulierung der Finanzmärkte und der Warenterminbörsen schaffen. Auch die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen in den betroffenen Ländern sei überfällig, bilanziert Peter Lanzet.

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