Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und InWEnt: “Simplizistische Lösungen verbieten sich” – Ehrenveranstaltung für Prof. Uwe Holtz ausgerichtet

“Simplizistische Lösungen verbieten sich” – mit diesem Statement machte Prof. Dr. Uwe Holtz bereits vor dreißig Jahren auf die Komplexität sich verschärfender Globalprobleme wie der Armut und die Notwendigkeit ganzheitlicher Lösungsansätze aufmerksam. Jetzt hielt der frühere Vorsitzende des entwicklungspolitischen Bundestagsausschusses (1974-1994) und seit Jahrzehnten tätige Hochschullehrer Rückschau. Anlässlich seines im vergangenen Jahr vollendeten 65. Lebensjahres und einer ihm zu Ehren Anfang 2010 als Auftaktband der Internationalen Schriftenreihe der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg veröffentlichten Festschrift trafen sich am 20. September in Bonn alte Weggefährten, Freunde, Studenten und Interessierte. Die Diskussionsrunde über internationale Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert wurde ausgerichtet von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Bonner Inwent – Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH.

Das Publikum erlebte eine Runde führender Persönlichkeiten aus Entwicklungspolitik, Entwicklungsforschung und internationaler Zusammenarbeit. An der Seite von Uwe Holtz diskutierten unter der Moderation von Prof. Dr. Hartmut Ihne (Präsident der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) Prof. Dr. Tobias Debiel (Vorstandssprecher des Instituts für Entwicklung und Frieden, Universität Duisburg-Essen), Dieter Frisch (ehem. Generaldirektor für Entwicklung bei der europäischen Kommission) und Dr. Eckhard Deutscher (Vorsitzender des OECD-Entwicklungsausschusses). Ausgehend von den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und ihrer Komplexität debattierte das Plenum zu den Themen Wissenschaft und politische Praxis, multilaterale und bilaterale Entwicklungszusammenarbeit sowie Kohärenz und Koordination entwicklungspolitischer Geberpraktiken.

Uwe Holtz betonte, es existiere kein Königsweg, wie mit der Auslandshilfe am besten zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern beigetragen werden könne. Bei der Bewältigung multidimensionaler Problemstellungen gehe es vielmehr um das Bohren dicker Bretter. Als Entwicklungspolitiker gelte es, das Verständnis anderer Kulturen und Arbeitsweisen zu schulen sowie durch unterschiedliche Erfahrungen und gestützt auf interdisziplinäre Ansätze Lösungsstrategien zu optimieren.

Einigkeit herrschte dann unter den Diskutanten darin, Entwicklungszusammenarbeit als ein eigenständiges, nicht von traditioneller Außen- und Sicherheitspolitik dominiertes Politikfeld zu gestalten. Notwendig sei die stärkere Einbeziehung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnissen in die Planung zukünftiger Projekte und Programme. Ferner seien eine bessere Koordination (am besten im und mit dem Entwicklungsland) sowie eine bessere Verzahnung zwischen multi- und bilateraler Entwicklungszusammenarbeit vonnöten.

Abschließend wies Uwe Holtz darauf hin, dass es sich bei den entwicklungspolitischen Leistungen immer um Risikokapital ohne Erfolgsgarantie handele. Dennoch existierten Positivbeispiele, die als Orientierung dienen könnten. Zudem läge es auch in unserem wohlverstandenen Eigeninteresse, zur Bekämpfung der Armut und der Folgen von Klimaveränderungen in Entwicklungsländern beizutragen. Nach seinen Visionen für eine zukünftige Entwicklungspolitik gefragt, gab Uwe Holtz den Teilnehmern zwei Aspekte mit auf den Weg: Erstens sollten die notwendigen Erfolgsfaktoren in den Partnerländern beachtet werden. Dazu zählte er Demokratie und Menschenrechte, politische und makroökonomische Stabilität, gutes Regierungs- und Verwaltungshandeln, hoher Ausbildungsgrad der Menschen, Berücksichtigung der ländlichen Entwicklung und der Bevölkerungsproblematik sowie den vernünftigen Umgang mit der Entwicklungshilfe. Zweitens sollte nach Holtz der Bundestag ein Gesetz zur Entwicklungszusammenarbeit beschließen, in dem neben dem Leitbild einer nachhaltigen, menschenwürdigen Entwicklung die Grundsätze und Ziele der Entwicklungspolitik verankert werden. Kernpunkt müsse ein Stufenplan über 10 Jahre sein, mit dem die Bundesrepublik die Erhöhung der Entwicklungshilfe auf die angestrebte Zielmarke von 0,7 % des Bruttoinlandsproduktes realisiert.

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Sascha Czornohus
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