EED: Keine Beschlüsse an Entwicklungsländern vorbei

    Keine Beschlüsse an Entwicklungsländern vorbei: Aktueller Vorschlag der US-Regierung erntet Kritik

    Die G 20 dürfen keine Beschlüsse zur Lösung der Welternährungskrise an den armen Entwicklungsländern vorbei fällen. Diese Forderung haben die beiden evangelischen Hilfsorganisationen „Brot für die Welt“ und der Evangelische Entwicklungsdienst EED zum Auftakt des Gipfels am Donnerstag in Pittsburgh erhoben. „Wir sind alarmiert, dass neben dem Welthandel ein weiteres Politikfeld, das zentral für die Zukunftschancen der Länder des Südens ist, in die alleinige Entscheidungsmacht der Schwellen- und Industrieländer gelegt werden soll“, sagt die Direktorin von „Brot für die Welt“, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel. „Die wichtigen Entscheidungen über die zukünftige Welternährungs-Architektur müssen auf dem Welternährungsgipfel im November in Rom fallen.“

    Hintergrund der Kritik ist ein aktueller Vorschlag der US-Regierung: Danach sollen die versprochenen Milliardenhilfen, die beim jüngsten G 8-Gipfel in L`Aquila beschlossen wurden, in einen neuen Treuhandfonds der Weltbank fließen. „Wir sind dagegen, der Weltbank das Geld und die Führung zuzuschieben, wenn noch nicht einmal beschlossen ist, wie in Zukunft die vielen Programme zur Ernährungssicherung auf der Welt koordiniert werden sollen“, sagt Michael Windfuhr, Menschenrechts-Experte bei „Brot für die Welt“. Der vorgeschlagene Treuhandfonds der USA torpediere den umfangreichen Reformprozess der UN-Welternährungsorganisation FAO, so Windfuhr weiter.

    Dies unterstreichen beide Hilfsorganisationen in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin Merkel. Darin heißt es unter anderem: „Wir haben die Sorge, dass die Schaffung eines weiteren Koordinierungs-Fonds bei der Weltbank jetzt im September eine zukünftige Koordinierung auf internationaler Ebene eher schwieriger machen wird. Wir befürchten zudem, dass eine solche Einrichtung die Umsetzung einer wirkungsvollen Reform der FAO weiter erschweren würde“. Nach Ansicht des EED und „Brot für die Welt“ kann es nicht nur um eine Koordinierung der „Geberorganisationen“ gehen, wie der amerikanische Vorschlag vermuten lässt. Besonders die Regierungen der Entwicklungsländer müssen von Anfang an volle Mitentscheidung und Mitverantwortung tragen. Sonst ist es nicht weit her mit dem Bekenntnis, dass die Empfängerländer selbst die Urheber der Programme sein sollen.

    „Wir kritisieren auch, dass es primär um eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge gehen soll. Eine Politik, die nur auf mehr Technik und Markt im Agrarbereich der Entwicklungsländer setzt, vielleicht noch flankiert mit etwas Nahrungsmittelhilfe, geht an dem Kern der Welternährungsproblematik vorbei,“ sagt Rudolf Buntzel, Fachmann für Welternährung beim EED. „Die gängigen Konzepte selbst sind in einer Krise. Es bedarf standortgerechter Lösungen, die auf die kulturellen, sozialen und ökologischen Belange vor Ort Rücksicht nehmen.“

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