bpb | 10 Jahre Bundesfreiwilligendienst

Am 1. Juli feiert der Bundesfreiwilligendienst (BFD) sein zehnjähriges Jubiläum. Der Bundesfreiwilligendienst war zum 1. Juli 2011 als Ersatz für den zusammen mit der Wehrpflicht weggefallenen Zivildienst geschaffen worden. Heute engagieren sich viele Tausend „Bufdis“ in der Pflege und in anderen gesellschaftlich wichtigen Bereichen.

Rund 39.130 Frauen und Männer in Deutschland absolvieren derzeit einen Bundesfreiwilligendienst (BFD). Zuständig für die Durchführung dieses Angebots ist gemäß Bundesfreiwilligendienstgesetz (BFDG) das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (§ 14 BFDG). Exakte Zahlen, in welchen Bereichen sie arbeiten, gäbe es nicht, so ein Sprecher der Behörde. Doch der größte Einsatzbereich der auch „Bufdis“ genannten Helfer sei „traditionell der soziale Sektor“. Dort arbeiten sie häufig in Krankenhäusern, Altenheimen oder Behinderteneinrichtungen. Weitere wichtige Einsatzbereiche sind etwa Umweltschutz, Kultur, Sport, Jugendarbeit sowie die Flüchtlingshilfe.

Freiwilligendienst sollte Zivi-Lücke schließen

2011 wurde im Rahmen der Wehrpflichtaussetzung auch der Zivildienst abgeschafft. Zuvor hatten über fünf Jahrzehnte hinweg rund 2,7 Millionen „Zivis“ ihren Dienst in gut 37.000 Einrichtungen geleistet. 2010 waren noch über 78.000 Zivildienstleistende im Einsatz, in den Jahren zuvor waren es sogar noch deutlich mehr. Mit dem vom Bundestag am 24. März 2011 verabschiedeten Bundesfreiwilligendienstgesetz sollte die nach der Aussetzung der Dienstpflicht entstehende Lücke geschlossen oder zumindest verringert werden. Ab dem 1. Juli 2011 ergänzte der neue Bundesfreiwilligendienst die bereits bestehenden Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwilligen Ökologische Jahr (FÖJ). Um eine Konkurrenz zu vermeiden, verbesserte der Bund damals auch deren Förderung.

Anders als das FSJ und das FÖJ kann der Bundesfreiwilligendienst nicht nur in sozialen oder ökologischen Einrichtungen geleistet werden, sondern auch in den Bereichen Sport, Kultur und Integration. Der Schwerpunkt des Bundesfreiwilligendiensts lag aber von Beginn an im sozialen Bereich. Im Jahr 2012 absolvierten 34.345 Frauen und Männer den Dienst – 2014 waren es dann bereits 43.000 – in den Folgejahren schwankte ihre Zahl zwischen gut 37.000 und etwa 42.000.

Die Freiwilligen werden pädagogisch begleitet. Bei jüngeren Bufdis sind bei einer Dienstdauer von einem Jahr 25 Bildungstage vorgesehen. Die Seminare vermitteln soziale und interkulturelle Kompetenzen und sollen das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl und ein nachhaltiger Umgang mit der Natur stärken. Politische Bildung ist ebenfalls Bestandteil der pädagogischen Begleitung.

Der Bundesfreiwilligendienst soll dem Gesetz zufolge „arbeitsmarktneutral“ ausgestaltet sein, also keine regulär Beschäftigten ersetzen. Gerade aufgrund der Altersöffnung des Bundesfreiwilligendienstes steht das Angebot in der Kritik, in der Praxis als Arbeitsmarktinstrument missbraucht zu werden. Es müsse gewährleistet werden, dass die Aktiven den Dienst freiwillig leisteten. Die Menschen dürften nicht in einen prekären Niedriglohnsektor geschoben werden. Es wird befürchtet, dass die Freiwilligenarbeit vor allem nach ihrem finanziellen Gegenwert und ihrem ökonomisch quantifizierbaren Nutzen beurteilt werden könnte. Es gelte, die Freiwilligendienste nicht zum Ersatz für soziale Arbeit zu machen und damit nötige Wiedereingliederungsmaßnahmen einzusparen – so die Bedenken.

Anders als das FSJ oder FÖJ richtet sich der Bundesfreiwilligendienst explizit an alle Altersgruppen. Im Februar dieses Jahres war allerdings nur rund ein Viertel aller Bufdis älter als 26 Jahre alt – im Rentenalter waren sogar nur mehrere Hundert. Auffällig ist auch, dass lediglich nur gut vier von zehn Bufdis männlich sind.

Ostdeutsche engagieren sich besonders oft als Bufdis

Auf die Bevölkerungszahl gerechnet, absolvierten in manchen Bundesländern weit mehr Menschen einen Bundesfreiwilligendienst als in anderen: so etwa in Baden-Württemberg. Dort gab es im vergangenen Jahr im Jahresdurchschnitt rund 5.900 Bufdis – im bevölkerungsreicheren Bayern waren es dagegen nur gut 3.500. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit durchschnittlich knapp 8.400 Bufdis. Gemessen an der Einwohnerzahl gibt es in Ostdeutschland besonders viele Bufdis. Dort leben zwar nur gut 15 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung, doch rund ein Viertel aller Bufdis absolvieren ihren Dienst in den ostdeutschen Ländern. Unter Einbeziehung Berlins ist die Diskrepanz sogar noch größer.

Hohe Abbrecherquote

Die Zahl derer, die weniger als die angepeilten zwölf Monate absolvierten, lag zwischen Juli 2011 und März 2018 bei 32 Prozent. „Der BFD kann nach den gesetzlichen Regelungen zwischen sechs und 18 Monaten abgeleistet werden. Die vorzeitige Beendigung einer 12-Monats-Vereinbarung beeinträchtigt also erst einmal überhaupt nicht die vollgültige Anerkennung eines Bundesfreiwilligendienstes, sondern ist Ausdruck der freien Wahl der Dienstdauer“, erläutert ein Behördensprecher. Zwar würden die Gründe für ein Vereinbarungsende nicht statistisch erhoben. „Wir wissen aber aus der praktischen Erfahrung, dass Vereinbarungen besonders dann beendet werden, wenn die Freiwilligen doch schneller als erwartet einen Studien- oder Ausbildungsplatz erhalten“, sagt der Sprecher. Über weitere Gründe für die relativ hohe Abbrecherquote wird diskutiert. Dabei stehen auch die Arbeitsbedingungen in manchen Einrichtungen sowie die generell niedrige Bezahlung auf dem Prüfstand.

Weitere Informationen

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 22.03.2021