FONA | Neue Sensoren für verbessertes Wassermanagement in Westafrika

Klimabeobachtung und Wassermanagement in Westafrika – Neue hydrologische Sensoren stärken regionale Frühwarnsysteme, Katastrophenvorsorge und Wasserqualitätsuntersuchungen

Das Klima-Kompetenzzentrum WASCAL in Burkina Faso hat anlässlich der Erweiterung seines Beobachtungsnetzwerks am 3./4. Nov. einen Online-Workshop veranstaltet. Das Netzwerk soll grenzübergreifend in westafrikanisches Wassermanagement eingebunden werden.

Afrika ist vom Klimawandel besonders betroffen und braucht belastbares Wissen, um valide Entscheidungen etwa im Hinblick auf nachhaltige Landnutzung und Wasserversorgung treffen zu können. Für wissensbasierte Entscheidungen werden Informationen über das Zusammenwirken von Klima, Land und Gesellschaft benötigt. Langjährige Beobachtungen des Klimas sind zudem Voraussetzung für belastbare wissenschaftliche Analysen und Klimaprojektionen. Das BMBF fördert deshalb seit 2012 die beiden Kompetenzzentren für Klimawandel und angepasste Landnutzung im westlichen Afrika WASCAL (West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use) und im südlichen Afrika SASSCAL (Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management). Bis 2023 investiert das BMBF ein Fördervolumen von mehr als 110 Mio. Euro in die beiden Kompetenzzentren. Die Stärkung der akademischen Kapazitäten durch ein regionales Graduiertenschulprogramm sowie der Aufbau von wissenschaftlichen Strukturen vor Ort stehen im Fokus von WASCAL und SASSCAL.

WASCAL Observation Network

Das WASCAL Kompetenzzentrum mit Sitz in Ouagadougou (Burkina Faso) betreut gemeinsam mit deutschen Forschungspartner:innen ein modernes Beobachtungs- und Messnetzwerk (Observation Network) in der gesamten WASCAL Region, die elf westafrikanische Partnerländer umfasst. Zu dieser Messinfrastruktur gehören unter anderem 50 automatische Wetterstationen, eine Satellitenempfangsanlage, Labore für Geoinformationssysteme, das Geodatenportal WADI und ein Hochleistungsrechner. So konnten über die letzten Jahre nie da gewesene Messdaten zur Entwicklung des Klimas in dieser Region erfasst werden. Ein interdisziplinäres Forschungsteam aus Westafrika betreut das Kompetenzzentrum und ist Kooperationspartner der WASCAL Graduiertenschulen sowie des Forschungsprogramms.

Zum verstärkten Monitoring der großen westafrikanischen Flusseinzugsgebiete wird das Observation Network nun mit einem hydrologischen Netzwerk bestehend aus 50 automatischen Sensoren zur Wasserstandsmessung (AHS) und zehn automatischen Wasserqualitätssensoren (WLS/WQS) erweitert. Das ergänzende hydrologische Messnetz soll insbesondere die grenzübergreifenden Frühwarnsysteme, Katastrophenvorsorge und die Wasserqualitätsuntersuchungen, vor allem bei Überflutungen aber auch bei von Dürre verursachten Niedrigwasserereignissen, stärken und so die Menschen besser schützen.

Nachdem in einem Workshop im November 2019 mit allen Akteur:innen, die in grenzübergreifenden hydrologischen Organisationen des Wassermanagements tätig sind, ein Verteilungsschlüssel für die zu installierenden hydrologischen Sensoren ausgearbeitet und beschlossen wurde, wurde nun in einem zweiten Online-Workshop Anfang November eine gemeinsame Übereinkunft (Memorandum of Understanding, MOU) und Richtlinien zum Datenaustausch (data sharing policy) mit den hydrologisch-meteorologischen Diensten der WASCAL Mitgliedsländer festgelegt. Der Workshop schafft damit eine wichtige Grundlage, um die hydrologischen Sensoren in die Stationsnetzwerke der nationalen hydrologischen Dienste und der großen internationalen Flusseinzugsgebietskommissionen einzubinden, sowie die Anbindung an die WASCAL Geodatenbank WADI anhand dieser MOU zu implementieren und so den Datenaustausch zu gewährleisten. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Umsetzung von Strategien und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.

Für den anschließenden Dialog zwischen Wissenschaft und Politik wurden das BMBF, die deutschen Botschafter der WASCAL Mitgliedsländer, die Mitglieder des WASCAL Minister- und Verwaltungsrates, Vertreter:innen des Scientific Advisory Commitee (SAC) und der relevanten Ministerien eingeladen.

Der geschäftsführende Direktor von WASCAL, Dr. Moumini Savadogo, dankte in seiner Eröffnungsrede dem BMBF für den wertvollen Beitrag. Er freue sich auf weitere gemeinsame Erfolge, „indem wir mit dem übergeordneten Ziel gemeinsam daran arbeiten, den Klimawandel zu bekämpfen und die Lebensgrundlagen der Menschen in Westafrika zu verbessern.“ Auch der Vorsitzende des WASCAL Ministerrates, Yahouza Sadissou, bekräftigte sein Engagement, mit seinen westafrikanischen Ministerkollegen zusammenzuarbeiten, um die Nachhaltigkeit von WASCAL durch die Beiträge der Länder und die politischen Entscheidungen von WASCAL sicherzustellen. Als Vertreter des BMBF betonte Prof. René Haak: „Auch für mich ist WASCAL eine lebendige Kooperation zwischen Deutschland und elf westafrikanischen Partnern, die sich entschlossen für die Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels einsetzen, um die Lebensgrundlagen der Bevölkerung in dieser Region zu verbessern.“

Zur Veranschaulichung der guten Zusammenarbeit zwischen den grenzübergreifenden Netzwerken von WASCAL und den WASCAL Mitgliedsländern wurde ein Film über das WASCAL Observation Network produziert und beim Online-Workshop präsentiert.

Weitere Informationen

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Unterabteilung Nachhaltigkeit; Zukunftsvorsorge, 05.11.2020