UNESCO | UN-Weltwasserbericht 2020: Wasser und Klimawandel

Der Klimawandel führt zu weniger Wasser und schlechterer Wasserqualität. Im Gegenzug wirkt nachhaltiges Wassermanagement dem Klimawandel positiv entgegen. Das zeigt der Weltwasserbericht 2020, den die UNESCO im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt hat.

Sämtliche Lebensbereiche sind davon abhängig, dass ausreichend sicheres Wasser verfügbar ist: Ernährung, Gesundheit, Haushalte, Energie, Industrie und Ökosysteme. Der Klimawandel verändert den Wasserkreislauf und führt zu großen Herausforderungen in all diesen Lebensbereichen. Insbesondere der Zugang zu sicherem Trinkwasser und sanitären Anlagen – ein Menschenrecht – ist für Milliarden Menschen zusätzlich gefährdet. Gleichzeitig trägt die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser zur Bewältigung des Klimawandels bei. Das geht aus dem diesjährigen Weltwasserbericht „Wasser und Klimawandel“ hervor, den die UNESCO im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt hat. Der Weltwasserbericht wurde am 22. März, dem Weltwassertag, veröffentlicht. Alle Veranstaltungen zur Vorstellung des Berichts wurden aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt.

„Wir reden oft über Wassermangel und drohende Wasserkonflikte, aber zu wenig darüber, dass Wasser Teil der Lösung der Klimakrise ist. Effektive Bewirtschaftung von Wasser trägt zu Klimaschutz und wirksamer Anpassung an den Klimawandel bei. Wir müssen Wasser effizienter nutzen, unnötige Wassernutzung und Wasserverluste vermeiden. Gleichzeitig kann beispielsweise Abwasseraufbereitung Treibhausgase reduzieren und zur Energiegewinnung genutzt werden. Auch muss die Landwirtschaft dringend an die Doppelherausforderung Wasser- und Klimakrise angepasst werden. Für eine nachhaltige Entwicklung müssen wir Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Sektoren erkennen und nutzen,“ fordert Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.

Ziele globaler Abkommen stringenter verfolgen

Weltweit haben aktuell 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. 4,2 Milliarden Menschen – also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung – haben keine sicheren Sanitäranlagen. Der weltweite Wasserverbrauch ist heute sechs Mal so hoch wie noch vor 100 Jahren. Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum und veränderte Konsumgewohnheiten führen dazu, dass der Wasserverbrauch weiter um etwa 1 Prozent pro Jahr ansteigt. Bis zu 90 Prozent aller Abwässer weltweit werden unbehandelt abgelassen und belasten Umwelt und Trinkwasservorräte. Der Klimawandel verschärft diese ohnehin schon prekäre Lage.

Die Weltpolitik hat die Rahmenbedingungen für die Lösung dieser Konflikte geschaffen – mit der Agenda 2030, dem Pariser Klimaschutzabkommen und dem Sendai-Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasserressourcen ist ein Schlüsselfaktor zum Erreichen dieser Ziele. Das Nachhaltigkeitsziel 6 der Agenda 2030 besagt, dass bis 2030 für alle Menschen der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen sichergestellt sein soll. Die Autoren des Weltwasserberichts rufen die Staaten daher auf, sich stärker und mit konkreteren Maßnahmen zu engagieren. Sie fordern auch, dass die Bedeutung von Wasser in den Verhandlungen über die Klimapolitik stärker berücksichtigt wird. Auch in der Klimafinanzierung – der Finanzierung von Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels – sollte Wasser eine deutlich größere Rolle spielen.

Extremwetter, Wasserverschmutzung und Artensterben

Der Klimawandel führt zu häufigeren und extremeren Wetterereignissen wie Hitzewellen  oder Starkregenfällen. In Regionen, die bereits heute unter Wasserstress stehen, wird sich die Lage weiter verschlechtern, beispielsweise in Form einer zunehmend unregelmäßigen und unsicheren Versorgung. Bisher nicht betroffene Regionen werden durch den Klimawandel in Zukunft ebenfalls unter Wasserstress leiden.

Höhere Wassertemperaturen und weniger gelöster Sauerstoff werden dazu führen, dass Flüsse und Seen sich weniger gut selbst reinigen können. Dadurch werden krankheitserregende Verunreinigungen und Schadstoffkonzentrationen zunehmen. Dies hat negative Folgen für die menschliche Gesundheit, genauso wie für die Landwirtschaft und die Ökosysteme.

Die Erderwärmung beschleunigt das Abschmelzen der Gletscher, wodurch der Meeresspiegel ansteigt und viele Inseln und Küsten bedroht sind. Im schlimmsten Fall können kleine Inselstaaten vollständig von der Landkarte verschwinden. Auch Wälder und Feuchtgebiete sind bis hin zum kompletten Verlust gefährdet. Das Aussterben einer hohen Zahl weiterer Arten wäre die Folge. Besonders betroffen sind die Tropen und die vorrangig dort liegenden Entwicklungsländer.

Anpassung der Wassernutzung und Klimaschutz durch nachhaltige Wasserbewirtschaftung

Um diesen Bedrohungen zu begegnen, schlägt der Weltwasserbericht zwei sich ergänzende Strategien vor: Einerseits die Anpassung der Wassernutzung an den Klimawandel, andererseits Klimaschutz durch nachhaltiges Wassermanagement.

Anpassung der Wassernutzung kann Schäden infolge des Klimawandels mildern. Möglichkeiten der Anpassung bestehen in allen Sektoren, die Wasser nutzen. Auch innovative Technologien werden noch zu selten eingesetzt. Ebenso ist Klimaschutz durch die Reduzierung von Treibhausgasen in allen wassernutzenden Bereichen möglich, wird allerdings bisher meist übersehen. Unnötigen Wasserverbrauch und Wasserverluste zu senken, führt bereits zu geringerem Energieverbrauch und damit zu weniger Emissionen.

Die verbesserte Aufbereitung von Abwasser bietet weitere Chancen für den Klimaschutz, da unbehandeltes Abwasser eine wesentliche Quelle von Treibhausgasen ist. Die Abwasseraufbereitung selbst trägt mit 3 bis 7 Prozent zu den weltweiten Treibhausgas-Emissionen bei, durch die Energie für die entsprechenden Anlagen und durch biochemische Prozesse. Energie-Einsparungen sind hier unbedingt nötig. Zugleich ist die Nutzung der Abwasseraufbereitung als Energiequelle möglich. In wasserarmen Regionen von Jordanien, Mexiko oder Peru wird diese Form der Energiegewinnung bereits heute genutzt. So werden tausende Tonnen von CO2 eingespart und Energie wird zudem günstiger.

Großes Potenzial bieten Wasserwiederverwendung und -aufbereitung. Brauchwasser ist für zahlreiche Nutzungsformen eine zuverlässige Alternative, weil Trinkwasserqualität für Landwirtschaft und Industrie häufig gar nicht notwendig ist.

Auch die Renaturierung und der Erhalt von Feuchtgebieten sind wichtige Beiträge zum Klimaschutz. Sie sind die Land-Ökosysteme mit den größten gebundenen Kohlenstoffbeständen und speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie Wälder. Positive Nebeneffekte sind zudem Hochwasserschutz, Minderung der Auswirkungen von Dürren, Wasserreinigung und Erhalt der biologischen Vielfalt.

Die Autoren des Weltwasserberichts kritisieren, dass Wassermanagement, Wasserverfügbarkeit und Sanitärversorgung unterfinanziert sind. Sie rufen dazu auf, Wasser- und Klimaschutz so miteinander zu verbinden, dass Investitionen in wasserbezogene Bereiche für Investoren attraktiv werden.

Die Anpassung der Wassernutzung an den Klimawandel und nachhaltiges Wassermanagement zum Klimaschutz integriert anzugehen, schafft Win-Win-Situationen und trägt zum Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 bei, so die Schlussfolgerung der Autoren des Weltwasserberichts.

Hintergrund

Der Weltwasserbericht der Vereinten Nationen wird jährlich durch die UNESCO und deren World Water Assessment Programme (WWAP) für UN-Water erstellt. Dazu arbeiten 31 UN-Organisationen mit der UNESCO zusammen. Von 2003 bis 2012 erschien der Bericht alle drei Jahre. Seit 2014 wird er jährlich mit einem Themenschwerpunkt herausgegeben. Am 22. März war Weltwassertag.

Quelle: UNESCO-Kommission, 25.03.2020