GIZ | Ideen aus dem Projektlabor: In Sambia zahlt man Steuern künftig per Handy

In Sambia gehen jedes Jahr wertvolle Steuereinnahmen verloren, weil viele kleinere Unternehmen keine Steuern zahlen. Nun bietet eine mobile Lösung den einfachen Weg zur Steuererklärung.

Cash regiert: Die allermeisten Geschäfte in Sambia werden in bar abgewickelt. Für die Steuerbehörden ist dies ein Problem. Die Mehrheit der sambischen Unternehmen hat ihre Geschäfte nicht angemeldet. Dies hat nicht zuletzt logistische Gründe: Für eine Anmeldung müssen die Unternehmen eines der wenigen Steuerbüros besuchen, was oft mit langen Anreisen und Verdienstausfällen verbunden ist. Das macht eine Registrierung im System für die Steuerzahler teuer und beschwerlich. Dem Staat gehen so ebenfalls hohe Einnahmen verloren.Die sambische Regierung und das deutsche Entwicklungsministerium entschieden sich, neue Wege zur Problemlösung zu gehen. Sie brachten die sambische Finanzbehörde mit einem Chemnitzer Software-Unternehmen, der ibes AG zusammen. Gemeinsam mit Experten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelten sie in einem Workshop Ideen. Das Format nutzt die fokussierte und experimentelle Arbeitsweise eines Labors. So entstand auch der Name: „lab of tomorrow“, etwa „Labor für Zukunftsfragen“. Zustande kam eine innovative und pragmatische Idee:  Steuererklärung per Mobiltelefon („TaxOnPhone“). Damit können Nutzerinnen und Nutzer sich künftig ohne lange Wege zur nächsten Steuerbehörde registrieren, eine Steuererklärung abgeben und ihre Steuern bezahlen. So wird der Besuch der Steuerbüros unnötig und eines der Haupthindernisse für die Steuerzahlung ist so ausgeräumt. Zudem enthält das System einen weiteren Anreiz: über die mobile Lösung lässt sich bereits jetzt bequem eine Steuernummer beantragen, die seit kurzer Zeit in Sambia nötig ist, um ein Bankkonto zu eröffnen.

Eine weitere Hürde hatte die Arbeitsgruppe zu nehmen: noch haben selbst viele Geschäftsleute in Sambia kein Smartphone. Die Lösung: das Programm funktioniert ohne mobiles Internet, sondern mithilfe des Mobilfunknetzes. Mit einfachen Tastenkombinationen lässt es sich auch auf nicht internet-fähigen Mobiltelefonen anwenden. So steht das System auch in abgelegenen Gebieten zur Verfügung.

Über 300.000 Sambier*innen haben bis Ende 2019 das System benutzt. Davon haben rund 50.000 Menschen zum ersten Mal eine Steuer-ID erhalten, und somit den ersten Schritt zur Formalisierung ihres Geschäfts genommen. Das System hat bis Ende 2019 über 250.000 Transaktionen verarbeitet. Aufgrund der Benutzerfreundlichkeit und weit verbreiteten Akzeptanz von TaxOnPhone hat die sambische Finanzbehörde bereits Pläne für ein Erweiterungsprojekt entwickelt, bei dem TaxOnPhone um Funktionen für Zoll und elektronische Zahlungen erweitert wird.