BfN: Naturschutz muss die Herzen erobern

Aus Sicht von Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft leistet das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Deutschland nicht nur wertvolle wissenschaftliche Beratung, sondern sollte darüber hinaus stärker in der Politik und in aktuellen gesellschaftlichen Debatten präsent sein. Dabei gelte es, sprichwörtlich „den Finger in die Wunde“ zu legen, indem das BfN auf aktuelle Problemlagen und Handlungserfordernisse hinweise. Außerdem müsse der Naturschutz die Herzen der Menschen erobern, damit aus dem Wissen über die Natur auch ein Handeln zum Schutz der Natur wird. Dies war der Tenor der Jubiläumsveranstaltung zum 20jährigen Bestehen des Bundesamtes für Naturschutz, bei dem verschiedene Akteure aus ganz unterschiedlicher Perspektive den Blick auf den Naturschutz richteten. Alle Beiträge des Fachforums sind in der kostenlosen Sonderausgabe von „Natur und Landschaft“ dokumentiert. Damit stellt die Publikation nicht nur die Meilensteine des Bundesamtes in seiner 20jährigen Geschichte vor, sondern gibt darüber hinaus auch zahlreiche Anregungen für die künftige deutsche und internationale Naturschutzarbeit.

Der ehemalige Bundesumweltminister Peter Altmaier sprach sich in seinem Beitrag deutlich dafür aus, dem Naturschutz einen höheren Stellenwert in der Politik beizumessen. Dem BfN komme dabei die Aufgabe zu, „dass es dafür sorgt, dass die Politiker den Naturschutz nicht aus den Augen verlieren; dass es immer wieder den Finger in die Wunde legt und dafür sorgt, dass wir uns mit Problemen beschäftigen, die anders vielleicht unter den Tisch fallen würden.“ Der Gründer des BfN und ehemalige Minister sowie Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen Prof. Klaus Töpfer kritisierte auf dem Forum den kurzfristigen Blick in vielen umwelt- und naturschutzpolitischen Entscheidungen. Er plädierte für mehr mittel- bis langfristige Planungen und Sichtweisen. Auch in der Naturschutzpolitik müsse generationen- und staatenübergreifend geplant und damit nachhaltig gedacht werden, so Töpfer. Auch BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel sprach sich dafür aus, dass sich der Naturschutz stärker in gesellschaftliche Debatten einbringen solle. Dazu müsse er kontinuierlich und im Dialog mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen die Weiterentwicklung ethisch fundierter Argumente wie auch seiner Wertebasis vorantreiben. Denn auch auf diesem Forum wurde in vielen Beiträgen deutlich, dass sich der Naturschutz in der Gesellschaft durchaus respektabler Wertschätzung erfreut. Im politischen und persönlichen Handeln schlage sich dies jedoch noch unzureichend nieder.

Der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther vertrat die These, dass die Naturschutzbemühungen nicht durch Erkenntnisprobleme, sondern durch Umsetzungsprobleme beim konkreten Handeln gekennzeichnet seien. Überzeugungen entstünden nicht nur durch das Wissen, das der Mensch sich aneigne, sondern vor allem durch die Erfahrungen, die er im Leben mache. Indem er konkrete Naturerfahrungen ermögliche, müsse der Naturschutz also die Herzen der Menschen erreichen, um so entsprechendes Naturschutz-Handeln auszulösen, forderte Hüther. Ganz ähnlich argumentierte der Jugendvertreter im Präsidium des Deutschen Naturschutzrings Martin Geilhufe. Er sieht hier vor allem emotionale Schlüsselerlebnisse als Chance für Naturschutzsensibilisierung. Er plädiert auch dafür, mehr Handlungsoptionen für Kinder und Jugendliche zu schaffen, um sie für Natur- und Umweltschutzmaßnahmen zu motivieren.

Das Fachforum fand aus Anlass des 20jährigen Bestehens des Bundesamtes für Naturschutz am 12. Juli 2013 im Haus der Geschichte in Bonn statt. In der Sonderausgabe sind alle Vorträge abgedruckt, z.B. weitere Beiträge von Tina Stridde (Geschäftsführerin Aid by Trade Foundation), Prof. Ute Stoltenberg (Universität Lüneburg), Thomas Kohl (Maler) und Meinhard Miegel (Vorstandsvorsitzender des „Denkwerk Zukunft – Stiftung kulturelle Entwicklung“). Weiterhin enthalten ist ein historischer Abriss der 20jährigen Geschichte des BfN.

Bezug der Jubiläumsausgabe (kostenfrei) über das Bundesamt für Naturschutz, Fachgebietssekretariat I 2.2, Konstantinstraße 110, 53179 Bonn, Tel.: (02 28) 84 91-17 12, E-Mail: steffi.thiel@bfn.de

Zur Pressemitteilung

Quelle: Pressemitteilung des BfN vom 11.02.2014