Loss and damage from climate change is already happening, says report by the United Nations University

Verwundbare Gesellschaften stoßen an die Grenzen ihrer Anpassungsfähigkeit

Im Vorfeld der 19. hochrangigen Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention im polnischen Warschau veröffentlichte das Institut für Umwelt und Menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen einen neuen Forschungsbericht zum Thema Schäden und Verluste durch Klimawandel. Der Bericht kommt zu der Schlussfolgerung,  dass verwundbare Gesellschaften trotz ihrer Anpassungsbemühungen zunehmende Schäden und Verluste erleiden, die auch ihre grundlegendsten Bedürfnisse – Lebensgrundlagen und ihre Ernährungssicherheit – bedrohen.

„Unsere Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass die Anpassungsbemühungen auf dem jetzigen Niveau nicht ausreichen um negative Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Politische Maßnahmen sind jetzt notwendig,“ erklärte Dr. Koko Warner, wissenschaftliche Leiterin der „Loss & Damage Initiative“ der Universität der Vereinten Nationen. „Menschen leiden hier und jetzt an den Folgen des Klimawandels, und die Situation wird sich weiter verschärfen, wenn wir nicht handeln. Wir werden den jetzigen Status Quo nicht halten können.“

Die wissenschaftlichen Fallstudien beschäftigen sich mit den Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren in Burkina Faso, Äthiopien, Mosambik und Nepal, und bauen auf früheren Untersuchungen in Kenia, Gambia, Bangladesch, Bhutan und Mikronesien auf.  Insgesamt wurden 3.269 Haushaltsbefragungen und über 200 Fokusgruppendiskussionen für alle neuen Fallstudien durchgeführt.

Obwohl verschiedene Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zum Umgang mit seinen Auswirkungen ergriffen wurden, litten 96 Prozent der befragten Haushalte in ausgewählten Bezirken in Äthiopien, 78 Prozent in Nepal, 72 Prozent in Burkina Faso und 69 Prozent in Mosambik  unter gravierenden negativen Auswirkungen auf ihre wirtschaftliche Situation. In allen untersuchten Gebieten gaben drei von vier erfassten Haushalten an, dass sie die Anzahl ihrer Mahlzeiten oder die Größe der Portionen verringern mussten – ein klares Zeichen dafür, dass sie nicht ausreichend auf die lokalen Folgen des Klimawandeln eingehen können. Die Haushalte in den untersuchten Fallstudien sind hauptsächlich Kleinbauernhaushalte. Daher bedrohen die Auswirkungen des Klimawandels, wie sich verändernde Niederschlagsmuster und häufigere Überschwemmungen und Dürren, auf direkte und kritische Weise nicht nur ihre Ernährungssicherheit, sondern auch ihren Lebensunterhalt.

„Nach den schweren Überschwemmungen 2007 in Äthiopien gaben 94 Prozent der Befragten an, dass sie große Ernteschäden erlitten oder die Ernten sogar vollständig zerstört waren. Die hohen Ernteausfälle hatten höhere Lebensmittelpreise zur Folge, so dass Grundnahrungsmittel wie Mais unerschwinglich wurden“, sagte Dr. Fatima Denton, Koordinatorin des African Climate Policy Centre (ACPC), einem Partner der UNU bei den afrikanischen Fallstudien. „Immer wieder wurde in den Studien festgestellt, dass Haushalte, die ohnehin schon zu kämpfen haben, durch die Auswirkungen des Klimawandels noch weiter in die Armut getrieben werden. Wenn die Anpassung nicht ausreicht um Klima-Stressoren zu managen, untergraben die daraus entstehenden Schäden und Verluste das menschliche Wohlergehen und eine nachhaltige Entwicklung.“

Zwar werden Schäden und Verluste durch die Auswirkungen des Klimawandels üblicherweise in monetären Größen ausgedrückt, doch die nicht-ökonomischen Schäden und Verluste, wie  zum Beispiel Kultur- und Identitätsverluste, können die weitreichendsten und bedeutendsten Konsequenzen haben. In Burkina Faso z.B. haben Viehbauern ihre Herden dezimieren müssen. Diese Veränderungen stellen nicht nur einen Verlust materieller Vermögenswerte dar, sondern auch einen entscheidenden Verlust an kultureller Identität und Lebensweise.

Die in diesem Bericht präsentierten Ergebnisse zu Schäden und Verlusten des Klimawandels kommen  in einem entscheidenden Moment, denn die  Klimaverhandlungen in Warschau, Polen stehen kurz bevor. Hier sollen institutionelle Vorkehrungen getroffen werden um mit Schäden und Verlusten durch Klimawandel umzugehen.

Hintergrund

Die Loss & Damage Initiative untersucht  ein breites Spektrum von extremen Wetterereignissen,  sowie auch langsam voranschreitende klimatischer Veränderungen in besonders gefährdeten Ländern.

Die in diesem Bericht (Band 2) präsentierten vier Fallstudien legen den Schwerpunkt ausschließlich auf Dürren und Überschwemmungen. Drei Fallstudien wurden in Afrika durchgeführt (Äthiopien, Burkina Faso und Mosambik) und eine in Asien (Nepal).

Sie bauen auf früheren Fallstudien aus Band 1 auf, in denen Überschwemmungen in Kenia, Dürren in Gambia, Wirbelstürme und das Eindringen von Salzwasser in Bangladesch, der Rückgang der Gletscher und die sich verändernden Monsunmuster in Bhutan und der Anstieg des Meeresspiegels und die Küstenerosion in Mikronesien untersucht wurden.

Die vorausgegangenen und aktuellen Untersuchungen liefern neue empirische Beweise zu Schäden und Verlusten durch Klimawandel, auf Grundlage von ingesamt 3.269 Haushaltsbefragungen für alle 9 Fallstudien in Band 1 und 2, sowie über 200 Fokusgruppendiskussionen und Experteninterviews.

Über das Climate and Development Knowledge Network (CDKN)

Das Climate and Development Knowledge Network (CDKN) hat als Ziel Entscheidungsträgern in Entwicklungsländern dabei zu unterstützen eine klimakompatible Entwicklung zu gestalten. Als Beitrag zur „Loss and Damage Initiative“ hat CDKN die empirischen Untersuchungen für diesen Bericht unterstützt (www.lossanddamage.net).

Link zum Download des Berichtes:

http://ehs.unu.edu/file/get/11480.pdf