Berichte von verseuchtem und mit Keimen belastetem Hähnchenfleisch verunsichern derzeit die Verbraucher.Verena Leisen hat in ihrer Bachelorarbeit eine Studie zum Konsum von nachhaltig erzeugtem Geflügelfleisch durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass rund die Hälfte der Befragten bereit sind, mehr für nachhaltige Geflügelfleischprodukte zu zahlen.

In unserer Reihe „Die Zukunftsforscher – Junge Wissenschaftler forschen zur Nachhaltigkeit“ stellen wir junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Arbeiten vor.


 

© Verena Leisen

Porträt: Verena Leisen

 

Nachhaltigkeit als Unique Selling Proposition am Beispiel der Geflügelfleischproduktion in Deutschland. Eine empirische Studie

 

 

Bachelorarbeit, 2011

 

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg,

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften


Bonn Sustainability Portal: Liebe Frau Leisen, womit haben Sie sich in Ihrer Bachelorarbeit beschäftigt?

Frau Leisen: Die Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob Nachhaltigkeitaspekte als Alleinstellungsmerkmal bzw. Unique Selling Proposition (USP) bei der Vermarktung von Geflügelfleischprodukten genutzt werden können. Außerdem gibt sie einen Einblick in die aktuelle Problematik unserer gängigen Wirtschafts- und Konsumweise und diskutiert die daraus resultierenden Folgen. Das Ziel dieser Arbeit war es auf Basis der verwendeten Literatur und der durchgeführten Konsumentenstudie eine Einschätzung über das Potenzial von nachhaltig erzeugtem Geflügelfleisch zu geben sowie Handlungsempfehlungen für das Marketing dieser Produkte zu formulieren.

Welches ist das für Sie bedeutenste Ergebnis Ihrer Arbeit?

Die Ergebnisse der Literaturrecherche und der empirischen Studie haben gezeigt, dass das Thema “nachhaltiger Konsum” in der Bevölkerung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bei der Frage nach der Bedeutung von Produkteigenschaften bei Geflügelfleisch wurden beispielsweise Kriterien wie Qualität, artgerechte Tierhaltung oder ökologische Erzeugung von den meisten Befragten wichtiger bewertet als der Preis. Knapp 50% der Umfrageteilnehmer wären sogar bereit für Fleischprodukte aus biologischer Erzeugung oder mit Tierschutzlabeln einen Mehrpreis von 20-40% zu zahlen.

Was kann Ihrer Ansicht nach bei der Geflügelproduktion verändert werden?

Die Missstände in der konventionellen Geflügelproduktion sind verheerend. Wir müssen nicht alle Vegetarier werden, aber jeder sollte sich über die Produktionsweise von Fleisch und deren Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt bewusst sein. Die Entwicklung und Vermarktung von nachhaltigen Geflügelfleischprodukten ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Wo besteht weiterer Forschungsbedarf?

Verglichen mit dem klassischen Marketing, das als Ausgangspunkt den Kunden bzw. den Markt fokussiert, spielen im Nachhaltigkeits-Marketing zusätzlich ökologische und soziale Aspekten eine wesentliche Rolle. Es zählt somit nicht alleine der ökonomische Erfolg, sondern auch der Beitrag zur Lösung von Umwelt- und Sozialproblemen. Aktuell gibt es nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich des Nachhaltigkeitsmarketings und das, obwohl Nachhaltigkeitsthemen sicherlich auch in Zukunft weiterhin an Relevanz gewinnen werden. Hier sehe ich noch großen Forschungsbedarf.

Was ist Ihr ganz persönlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit?

Ich persönlich würde mich in die Gruppe der “LOHAS” (Lifestyle of Health and Sustainability) einordnen. Diese Konsumenten interessieren sich für Themen wie biologische Lebensmittel, umweltverträgliches Reisen, alternative Energien und Fahrzeuge oder umweltbewusstes Bauen. Sie demonstrieren ihre ökologische und ethische Haltung mittels strategischen Konsums und wollen durch gezielte Produktauswahl Gesundheit und nachhaltiges Wirtschaften fördern sowie Verantwortung für die Zukunft der Welt übernehmen.

Die Arbeit von Frau Leisen wurde mit dem Preis für Nachhaltigkeit und Verantwortung der Gesellschaft der Förderer der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg e.V. ausgezeichnet, welcher von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ausgeschrieben und von der Phoenix Software GmbH gestiftet wurde.

Bitte kontaktieren Sie uns hier, um mit der Autorin in Kontakt zu treten oder um einen Auszug der Arbeit zu erhalten.