Sascha Czornohus stellt seine Dissertation vor, in welcher er den Stellenwert von Hochschulbildung und Wissenschaft in der Entwicklungszusammenarbeit untersucht. Die politisch-strategischen Förderansätze verschiedener Akteurstypen stehen dabei in einem besonderen Blickpunkt.

In unserer Reihe „Die Zukunftsforscher – Junge Wissenschaftler forschen zur Nachhaltigkeit“ stellen wir monatlich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Arbeiten vor.


© Eric Lichtenscheidt
© Eric Lichtenscheidt

Porträt: Sascha Czornohus

Wissen für nachhaltige Entwicklung: Strategische Konzeptionen zur Förderung von Hochschulbildung und Wissenschaft in der Entwicklungszusammenarbeit

 

Laufende Dissertation

Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 


 

Bonn Sustainability Portal: Lieber Herr Czornohus, mit welchem Thema beschäftigen Sie sich in Ihrer Dissertation?

Herr Czornohus: Im Rahmen meiner Promotion beschäftige ich mich mit strategischen Konzeptionen entwicklungspolitisch relevanter Akteurstypen zur Förderung von Hochschulbildung und Wissenschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern. Insbesondere Hochschulbildung und Wissenschaft sind eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung eines Landes. Allerdings findet der tertiäre Bildungssektor in den globalen Entwicklungszielen nur unzureichend Berücksichtigung (siehe MDGs) und war im Vergleich zur Primarschulbildung in den letzten Jahren ein untergeordnetes Handlungsfeld. Mit der Doktorarbeit soll der Stellenwert von Hochschulbildung und Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung in den Fokus gerückt werden. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, welche politisch-strategischen Förderansätze sich unter einem bestimmten Akteurstyp wiederfinden.

Ihre Beantwortung schließt eine genaue Betrachtung der Wirkungsweise von Wissenschaftssystemen auf die Entwicklung eines Landes, die Verortung des Themas innerhalb der internationalen Entwicklungsagenda sowie einen Überblick zu entwicklungspolitisch relevanten Akteuren ein. Ausgehend von einer zu entwickelnden Akteurstypologie wird schließlich veranschaulicht, aus welchen Kontexten internationaler Entwicklungszusammenarbeit (EZ) sich die Strategien ableiten, welche Ziele und Interessen mit ihnen verfolgt werden, inwiefern sie als operatives Leitbild Verwendung finden, welchen Anforderungen von Hochschulbildung und Wissenschaft sie nachkommen und ob eine strategische Homogenität bzw. Heterogenität innerhalb des Typs existiert.

Welche Erkenntisse haben Sie aus Ihrer Forschung ziehen können?

Für eine konkrete Aussage ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas früh. Erstaunlich finde ich aber, dass der hohe Stellenwert von Hochschulbildung und Wissenschaft für die Entwicklung eines Landes nur einen unzureichenden Bedeutungszuwachs in der EZ findet, obwohl Investitionen in Bildung Jahre später zu entwicklungsrelevanten Fortschritten beitragen und somit frühzeitig erfolgen sollten. Eine systematische Förderung ist bislang in den am wenigsten entwickelten Ländern jedoch ausgeblieben. Mit dem 2009 veröffentlichen Positionspapier zu Hochschulbildung und Wissenschaft und dem kürzlich vorgestellten Entwurf der ersten ganzheitlichen Bildungsstrategie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) scheint sich in der deutschen Entwicklungspolitik etwas zu bewegen.

Was sollte Ihrer Ansicht nach optimiert werden?

In Bezug auf Hochschulbildung und Wissenschaft zeigen sich hinsichtlich einer kohärenten Politikgestaltung Hürden, die es zu überwinden gilt. Entwicklungspolitik ist grundsätzlich als Querschnittsaufgabe zu verstehen, d.h. alle relevanten Ressorts besitzen entwicklungspolitische Mitverantwortung. Um also eine breitenwirksame und strukturbildende Entwicklung gewährleisten zu können, bedarf es der Zusammenarbeit auf Bundesebene. Dies bezieht sich auch auf das Thema Hochschulbildung und die Wissenschaftskooperation mit Entwicklungs- und Schwellenländern. Insbesondere eine stärkere Fokussierung auf die am wenigsten entwickelten Länder wäre notwendig. So existierte eine Vereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem BMZ aus dem Jahr 2008, in der sich beide Seiten bereit erklären, Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit und EZ stärker aufeinander abzustimmen und Wege für eine engere Zusammenarbeit zu identifizieren. Die Geltung der Kooperationsvereinbarung wurde durch den Regierungswechsel 2009 allerdings wieder in Frage gestellt.

Welchen praktischen Nutzen hat Ihre Arbeit?

Es wäre schön, wenn meine Doktorarbeit bei Experten, bildungspolitischen Akteuren oder interessierten Lesern Beachtung finden würde. Wenn sie in einigen Teilen als Vorgabe für eine bessere Strategieentwicklung verwendet oder weitere Ansatzpunkte für neue Forschungsarbeiten liefern würde, bin ich mehr als zufrieden. Allerdings habe ich noch einen langen Weg vor mir, der noch einiges an Arbeit mit sich bringt. Danach schauen wir weiter.

Was ist Ihr ganz persönlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit?

Mit dem Begriff Nachhaltigkeit verbinde ich vor allem den Gedanken, dass mein Handeln Konsequenzen für jemand anderen nach sich ziehen kann. Somit tragen wir alle Verantwortung für uns und unsere Umwelt. Dies versuche ich auch im Alltag zu berücksichtigen. Ich ernähre mich fleischarm, kaufe Bio- und fair gehandelte Produkte, bin in der Stadt zu Fuß unterwegs und beziehe meinen Strom von einem Anbieter regenerativer Energien. Meine T-Shirts kaufe ich von einem Hersteller, der einen Teil des Verkaufserlöses Umweltprojekten zu Gute kommen lässt. Beim Trinkwasser habe ich bis vor kurzem auf abgefülltes Wasser zurückgegriffen. Mit meinem neuen Wassersprudler hat sich dies allerdings geändert. Was mich dagegen verzweifeln lässt, ist unsere Abhängigkeit von Plastik und die Selbstverständlichkeit, wie im Alltag damit umgegangen wird. Nichts scheint ohne Plastik zu gehen. Den Verbrauch zu reduzieren, ist schon eine große Herausforderung.

 

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