VHS Bonn: Kurs „Koloniale Spuren im internationalen Bonn“

    Wie hat die deutsche Kolonialherrschaft Bonn und unser Denken geprägt? Obwohl diese Periode nur von 1884 bis 1918 währte, hinterließ sie nicht nur Spuren in den so genannten deutschen „Schutzgebieten“.

    Auch in Bonn findet man Hinweise auf die Kolonialzeit – wenn man weiß, wo man suchen muss.Die Volkshochschule möchte das weitgehend unbekannte Kapitel des Kolonialismus in Bonn ab September mit einem neuen Kurs erfahrbar machen. Wer weiß schon, dass Konrad Adenauer eine Zeit lang stellvertretender Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft war?

    Ebenfalls im Vorstand der Gesellschaft war Ferdinand Wohltmann. Nach Forschungsreisen in die Kolonien wurde er ordentlicher Professor in Bonn und zum führenden Wissenschaftler im tropischen Pflanzenbau. Wer kennt das Grab Lothar von Trothas auf dem Friedhof Poppelsdorf? Noch vor kurzem wies eine Ehrentafel auf den Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika hin, ohne zu erwähnen, dass von Trotha für den Mord an Zehntausenden Herero verantwortlich war.“Vor dem Hintergrund, dass Bonn sich als internationale Stadt positioniert und eine Vielzahl von Entwicklungsorganisationen hier ansässig sind, ist es eine Frage der Lauterkeit, dass wir uns mit der kolonialen Vergangenheit auseinandersetzen“, findet Andreas Preu, der Leiter des VHS-Fachbereichs Politik/Internationales. Als Expertin gewann der Professor Marianne Bechhaus-Gerst. Die Afrikanistin forscht zum Thema Kolonialismus und gründete den Verein Kopfwelten, der sichtbar machen möchte, wie sich aus der Kolonialzeit stammende Vorstellungen von Afrika und seinen vermeintlichen Bewohnern bis heute halten. Dies betrifft auch die in Bonn so prominent vertretene Entwicklungszusammenarbeit.

    Bei Katrin Koops vom Institut für internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschulverbandes (dvv) rannte Preu offene Türen ein.

    Sie bewertet das Projekt als Musterbeispiel globalen Lernens; deshalb finanziert dvv international das Projekt, das die VHS mit dem deutsch-afrikanischen Zentrum durchführt.

    Im Mittelpunkt des Kurses stehen die Bonner Bürger: Welche Geschichten kennen sie von ihren Großeltern aus der Kolonialzeit? Welche Beziehung hatten Unternehmer und Politiker zu den deutschen Kolonien? Welche Bedeutung hatten die Kolonien für Forschung und Lehre an der Universität Bonn? Wie haben Bonner Zeitungen die Einstellung der Leser zur Kolonialpolitik beeinflusst?

    Da zahlreiche Bonner Familien und Unternehmen am „kolonialen Projekt“ beteiligt waren, hofft Preu, dass sich viele Bonner Bürger aktiv an der Spurensuche beteiligen: Wer alte Tagebücher, Fotos oder Mitbringsel des (Ur-)Großvaters aus den ehemaligen Kolonien besitzt, wird gebeten, sie mitzubringen. Aber auch ohne eigene Fundstücke können Sie sich ab 6. September an zunächst neun Montagen daran beteiligen, ungehobene Schätze im Stadtbild und den Archiven Bonns zu heben. Schriftliche Anmeldungen per E-Mail an klara.siladji@bonn.de oder online unter www.bonn.de/vhs mit Angabe der Kursnummer 1517. Entgelt: 25 Euro (ermäßigt 19,30 Euro). Informationen bei Andreas Preu, Telefon 77 45 41.

    Glasdias sollten für das „koloniale Projekt“ werben

    Ein Beispiel für Fundstücke aus der Kolonialzeit ist eine Sammlung von Glasdias, die die Nachfahren von Max Franke dem Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum für Ethnologie vermachten. Franke war von 1904 bis 1919 als Soldat und Gerichtsschreiber in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, stationiert. In dieser Zeit machte er eine Vielzahl von Fotografien, die er auf Vortragsreisen in den Volkshochschulen der Weimarer Republik zeigte, um für das „koloniale Projekt“ zu werben. Am Montag, 27. September, 20 Uhr stellt Daniela Halfmann in der VHS, Wilhelmstraße 34, verschiedene Motive der Sammlung vor. Entgelt: 4,50 Euro an der Abendkasse.

    Bilder in Druckqualität

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