19.01.2016 | Bundesregierung: Regionale Dialogkonferenz in Bonn (Reminder)

(8 Jan 2016) | By | Category: Climate, Development policy, Events, Exploring sustainability, Featured

Die Dialogreihe zur Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie wird am 19. Januar 2016 in Bonn fortgesetzt. Nach Veranstaltungen in Berlin, Dresden und Stuttgart können nun die Bürgerinnen und Bürger aus NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und Niedersachen ihre Ideen bei einer regionalen Konferenz einbringen. Im Vorfeld der Dialogkonferenz in Bonn sprachen wir mit Johannes Remmel, Umweltminister in Nordrhein-Westfalen.

Im Vorfeld ein Interview mit Johannes Remmel über Schwerpunkte der Nachhaltigkeit sowie deren Umsetzung. Remmel ist Umweltminister in Nordrhein-Westfalen und wird an der Bonner Veranstaltung im Januar teilnehmen.

Minister Remmel, die Vereinten Nationen (VN) haben im vergangenen September globale Nachhaltigkeitsziele verabschiedet. Kurz danach hat die Landesregierung NRW einen Entwurf der Nachhaltigkeitsstrategie für NRW beschlossen. Wie werden die VN Ziele in die NRW-Nachhaltigkeitsstrategie einfließen?

Wir sind hier sehr gut aufgestellt, denn im Entwurf der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie haben wir 19 zentrale Handlungsfelder definiert – sie decken bereits 16 der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele ab, die die Vereinten Nationen vereinbart haben. Das Ziel zum Thema Meere und Ozeane haben wir auf Grund der geografischen Lage Nordrhein-Westfalens nur am Rande aufgegriffen.

Gibt es aus Ihrer Sicht und bezogen auf die neuen globalen Ziele einen besonderen Schwerpunkt in NRW für die Umsetzung und Fortschreibung Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie?

In der Tat: Wir haben uns innerhalb der Landesregierung verständigt, zunächst sieben Schwerpunktthemen in den Mittelpunkt zu stellen. Ein besonderer Focus werden dabei die Themen Klimawandel und Umweltwirtschaft sein. Der Klimawandel ist ein globales Problem, das bereits unsere Generation, aber insbesondere zukünftige Generationen vor große Herausforderungen stellt und stellen wird. NRW ist als traditionelle Industrie- und Energieregion hier in einer großen Verantwortung, auch international. Aus diesem Grund sehe ich bei den Themen Klimaschutz und Umweltwirtschaft starken Handlungsbedarf.

Mit dem Klimaschutzplan NRW und einer Umweltwirtschaftsstrategie haben wir uns bereits auf den Weg gemacht. Insbesondere durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Stärkung der Ressourceneffizienz können wir viel erreichen. Ich setze mich auch dafür ein, das Land NRW zu einem Wachstumsland für Innovationen und junge grüne Unternehmen zu machen. Wir brauchen kreative Ideen für den nachhaltigen Umgang mit den immer knapper werdenden Ressourcen.

Bei der Erarbeitung der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie haben Sie auch interessierte Bürgerinnen und Bürger eingebunden. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Dialog gemacht?

Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass die NRW-Nachhaltigkeitsstrategie als Gemeinschaftsprojekt angelegt ist. Dafür wurden bereits zwei Online-Konsultationen durchgeführt, zuerst 2014 zum Strategiepapier und im Herbst 2015 nach der Verabschiedung des Entwurfs der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie durch das Kabinett. Viele wichtige Akteurinnen und Akteure aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, aber auch Bürgerinnen und Bürger haben Stellungnahmen abgegeben und damit geholfen, die Strategie zu gestalten.

Unsere jährliche NRW-Nachhaltigkeitstagung bietet dazu eine Plattform für den direkten Austausch aller Stakeholderinnen und Stakeholder. Die Tagungen waren für uns ein zentraler Ort für die Erarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie und werden dies auch für ihre Weiterführung bleiben. Mehr als 400 Besucherinnen und Besucher haben die Nachhaltigkeitstagung 2015 besucht; die Tagung 2016 wird am 29. September 2016 in Münster stattfinden.

Was muss aus Ihrer Sicht die Bundesregierung vorrangig tun, um die nationale Nachhaltigkeitsstrategie auf die neuen globalen Ziele auszurichten?

Besonders wichtig ist in meinen Augen, dass die Sustainable Development Goals, die SDGs, nicht nur in der neuen Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes verankert werden, sondern die SDGs und die Nachhaltigkeitsstrategie gleichzeitig glaubwürdig in die allgemeine Agenda der Bundesregierung eingebunden werden. Es bringt meiner Meinung nach wenig, wenn man mit einer Nachhaltigkeitsstrategie einen Mechanismus zur Umsetzung der globalen Ziele schafft, dieser aber keinerlei Auswirkungen auf die Kernstrategie der Bundesregierung hat.

Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie wird zudem zur Umsetzung der SDGs inhaltlich breiter aufgestellt werden müssen. Das trifft insbesondere auf das Thema sozialer Zusammenhalt beziehungsweise soziale Ungleichheit zu. Auf diese Herausforderung wird auf Ebene der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie bisher so gut wie gar nicht eingegangen. Gerade weil die Nachhaltigkeitsstrategie NRW das Thema sozialer Zusammenhalt stark in den Blick nimmt, wäre eine stärkere Betrachtung der Thematik auch in der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes wünschenswert.

Der nachhaltige Umgang mit unseren Lebensgrundlagen steht oft in Konkurrenz mit ökonomischem Druck. Haben Sie einen Vorschlag, wie dieser Konflikt gelöst werden kann?

Die NRW-Nachhaltigkeitsstrategie versucht ökologische, ökonomische und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit miteinander zu vereinbaren. In einem nachhaltigen Umfeld kann der Konflikt häufig besser aufgelöst werden. Wenn wir die rechtlichen Rahmenbedingungen so gestalten, dass nachhaltige Lösungsbeiträge auch ökonomisch belohnt werden, dann gibt es win-win-Situationen. So brauchen wir zum Beispiel einen funktionsfähigen Emissionshandel mit CO2-Preisen, die das Verursacherprinzip umsetzen. Dann würden sich Anstrengungen für mehr Erneuerbare und Energieeffizienz auch ökonomisch noch mehr lohnen.

Anbieter von nachhaltigen Produkten und Dienstleistern haben aber auch heute schon in vielen Bereichen gute Marktchancen. Es gibt immer mehr Menschen, die ihren Lebensstil verändern möchten, jedoch noch keine nachhaltigen Angebote finden. Hier gibt es viele Chancen für neue Produkte, zum Beispiel auch von Start-Up-Unternehmen.

Am 19. Januar 2016 findet in Bonn die dritte regionale Dialogkonferenz zur Fortschreibung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie statt. Was möchten Sie den Teilnehmenden mit auf den Weg nach Bonn geben?

Ich war vor einigen Monaten in Kalifornien und habe dort einen vertieften Einblick in die amerikanische Gründerkultur bekommen. Dort heißt es viel mehr als bei uns: “Let’s do it!”. Ein bisschen mehr von diesem Ansatz würde uns auch gut tun. Es muss nicht nur in vielen Bereichen zu einem Umdenken in den Köpfen der Menschen kommen; dieses Umdenken muss mit Handlung verbunden werden. Wir kommen nicht voran, wenn wir nur diskutieren und vor allem Bedenken gegen Veränderungen vortragen, zum Beispiel bei den Themen Klimaschutz und Energiewende.

Deshalb möchte ich den Teilnehmenden mitgeben, dass sie sich im Rahmen des Dialogs zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie mit guten Ideen, aber auch gerne mit konkretem Handeln einbringen sollen. Damit können auch andere Menschen für ein nachhaltigeres Leben begeistert werden.

Sie können diesen Interview auf der Website des Bundesregierung finden.

Mehr Informationen im Newsletter nachhaltigkeit aktuell – 8

Quelle: Newsletter nachhaltigkeit aktuell – 8 vom 08.01.2016

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