General-Anzeiger: “Entwicklungspolitik: Neue Jobs für Bonn”

(9 Jan 2012) | By | Category: Entwicklungspolitik

Die Bundesstadt wird in diesem Jahr als internationaler Standort gestärkt. Die neue “Servicestelle für entwicklungspolitisches, bürgerschaftliches und kommunales Engagement” mit 145 Mitarbeitern nimmt ihren Sitz demnächst in Bonn, wie das Entwicklungsministerium (BMZ) auf GA-Anfrage mitteilte.

In den nächsten Wochen geht außerdem ein neues Evaluierungsinstitut mit 38 Stellen an den Start. Es soll den Erfolg von Entwicklungshilfemaßnahmen unter die Lupe nehmen und auch Nichtregierungsorganisationen prüfen.

Damit nicht genug: Auch im Bonner Ministerium selbst wird aufgestockt. “Wir stärken die politische Steuerung in diesem Bereich”, erklärt BMZ-Sprecher Sebastian Lesch. Rund 180 zusätzliche Stellen würden deshalb im Lauf des Jahres eingerichtet. Im Gegenzug gibt es aber keine externen “Langzeitberater” des Ministeriums mehr: Bisher hatten 65 Mitarbeiter der früheren Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) diese Aufgabe wahrgenommen.

2011 setzte Minister Dirk Niebel (FDP) die Fusion der Eschborner GTZ mit den beiden in Bonn ansässigen Entwicklungshilfe-Einrichtungen DED und Inwent zur neuen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durch, um Doppelstrukturen zu beseitigen und die Effizienz zu steigern. Seit Oktober steht die Organisationsstruktur.

Bonner Politiker sehen allerdings Befürchtungen bestätigt, die große Ex-GTZ werde die neue Gesellschaft dominieren. Bürgermeisterin Angelica Kappel etwa, die Vorsitzende im Ratsausschuss für Internationales, ist “nicht ganz zufrieden” mit der Fusion. “Es gibt Ängste bei den ehemaligen Mitarbeitern vom DED und Inwent, weil die Prozesse sehr Eschborn-lastig sind.”

Dass die GIZ im Registergericht mit Doppelsitz in Bonn und Eschborn eingetragen wurde, findet die Grünen-Politikerin unverständlich. Die internationale Stadt Bonn sei schließlich Standort für 150 Nichtregierungsorganisationen. Der Bund und das Land NRW hatten im Dezember 2010 zudem schriftlich vereinbart, dass Bonn “erster Sitz” der GIZ werden solle. Ein solcher Eintrag sei im Handelsregister aber nicht möglich, heißt es in der Eschborner GIZ-Zentrale. Die Gesellschaft habe nun einmal zwei Hauptsitze, die nur gleichberechtigt eingetragen werden könnten. “Entscheidend ist, wo die Geschäftstätigkeit real stattfindet”, erklärt ein Sprecher von Angelica Schwall-Düren, NRW-Ministerin für Bundesangelegenheiten. “Die Vorstandssitzungen etwa müssen je zur Hälfte in Bonn und Eschborn stattfinden. Darauf werden wir achten.”

“Der Vorstand und die Führungsebene darunter arbeiten wechselseitig an beiden Standorten”, versichert GIZ-Sprecherin Anja Katharina Tomic. Die Gesellschaft habe heute 20 Mitarbeiter mehr in Bonn als GTZ, DED und Inwent zusammen vor der Fusion: 826 Männer und Frauen nutzen die Büros in der Friedrich-Ebert-Allee 38-40 und der Godesberger Allee 115-121. Zum Vergleich: In Eschborn sind es 1725, in Berlin 359.

Bonn sei außerdem durch innovative Geschäftsfelder gestärkt worden, so Tomic – das Inlandsgeschäft zum Beispiel, von dem sich die GIZ Wachstum verspreche. Die Gesellschaft sorge auch für neue Konferenzformate in der Bundesstadt: 2012 sollen die “Bonner Perspektiven” starten, bei denen es um Standortförderung und Nachhaltigkeit gehen soll. Letztere ist auch Thema einer weiteren großen Veranstaltungsreihe. Für die Bonn International Summer School on Responsible Business (BISS) sei im Frühjahr die Eröffnungsvorlesung geplant, kündigt die GIZ-Sprecherin an.

Auch der geplante Ausbau der Akademie für Internationale Zusammenarbeit mit derzeit 100 Mitarbeitern in Bad Honnef werde dem Standort Bonn zugute kommen. Dafür wird mehr Platz benötigt. Nach GA-Informationen sind sich Bundesministerium und Landesregierung einig, dass die Immobilie an der Lohfelder Straße (Uhlhof) für eine Erweiterung ungeeignet sei. Diskutiert wird deshalb ein Umzug der Akademie nach Bonn.

Die Aufgaben der GIZ

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist durch eine Fusion der drei Organisationen GTZ, DED und Inwent entstanden. Sie ist nach eigenen Angaben in mehr als 130 Ländern aktiv und beschäftigt weltweit rund 17 000 Mitarbeiter, davon etwa 60 Prozent Einheimische. Dazu kommen unter anderen 1300 Entwicklungshelfer und 850 Weltwärts-Freiwillige.

Die GIZ agiert im Auftrag der Bundesregierung , um deren Ziele für nachhaltige Entwicklung global zu unterstützen. Zu den Arbeitsfeldern gehören Wirtschaftsförderung, Umweltschutz, Nothilfe und Wiederaufbau nach Katastrophen, Sicherung von Ernährung und Gesundheit sowie Unterstützung beim Aufbau demokratischer Staatsstrukturen. Auch internationale Bildungsarbeit, Management- und Logistikangebote zählen dazu.

Artikel von Andreas Baumann. Erschienen im General-Anzeiger am 09.01.2012

Zum Artikel

Be Sociable, Share!

    Leave Comment

    Creative Commons License